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Die Kleidung des Hochmittelalters wurde im Zeitalter der Kreuzzüge durch einen ununterbrochenen Verkehr der Völker des Abend- und Morgenlandes beeinflusst. Dabei wurden die nationalen Verschiedenheiten in der Kleidung mehr und mehr beseitigt, und es bildete sich seit dem 11. Jh. eine Modetracht, die meist von Frankreich, zeitweilig (16. und 17. Jh.) auch von Spanien bestimmt wurde. [1]

Beschreibung

Zu Beginn des Hochmittelalters erscheint, zusammen mit der Kunstepoche der Romanik, die Kleidung - mit Ausnahme der Fußbekleidung - in vielen Buchmalereien, aber auch an gleichzeitigen Steinfiguren, noch im römischen Stil, wie wir ihn bereits aus der karolingischen Periode bis in das 11. Jh. (zur Ottonenzeit) hinein sehen. Häufig erscheint die Kleidung dabei nach byzantinischer Art mit reichen Besetzungen verziert. Erst gegen Ende des 12. Jhs. verschwinden allmählich die Reminiszenzen des römischen Schnittes in der Haustracht. [2]

Kopfbedeckung

Als Kopfbedeckung kamen im 12./13. Jhd. die Schaprun auf, die teils mit prächtigen Hals- u. Hutkragen versehen waren. Bei den Hauben wurden neben den einfachen Fell- u. Pelzhauben auch solche aus Wachstuch, Leinen und Seide getragen. Besondere Arten waren Turmhauben und Spitzhauben, die von vornehmen geistlichen und weltlichen Personen getragen wurden. Vornehme Leute knüpften auch oft kostbare Stirn- oder Haarbänder (Schapel) um den Kopf, um das lange Haar nach hinten festzuhalten und gleichzeitig die Stirn zu schmücken.

Beinkleider

Als Beinkleider wurde von Männern die sog. Brouche getragen und die Strumpfhosen lösten die Gamaschenhosen ab. Die Beinkleider wurden durch einen Hosengürtel festgehalten, an dem zuweilen eine lose Tasche befestigt war (siehe: Hose: Hochmittelalter). Aus der Übergangsperiode des 11. ins 12. Jh. sieht man in einigen Buchmalereien junge Frauen, die unter ihrem Kleid, welches in der unteren Hälfte geteilt ist, eng anliegende Strumpfhosen tragen - eine Eigentümlichkeit in jener Zeit [3].

Überkleider

Als Überkleider wurden Röcke aus den unterschiedlichsten Stoffen getragen. Sowohl das Leibchen des Rocks wie sein Unterteil war gewöhnlich mit prächtigen Borten besetzt, besonders an den Schößen, um die Halsöffnung und die Handgelenke herum. Der Gürtel, mit dem die Röcke am Leibe festgehalten wurden, war häufig aus Silber, und an diesem hing gern ein Messer an einem Riemen sowie eine lose Tasche, in der man Schmuckstücke aufbewahrte, oder die man als Geldbeutel benutzte.

Mantel

In der Übergangszeit vom 11. zum 12. Jh. sieht man bei Adligen einen Überwurf, der Kopfbedeckung und Mantel zugleich bildet und noch in der Moderne im Orient vorkommt. (Bild)

Kleidung nach Geschlecht und Status

Ritter

Die Gewandung der Ritter bestand im Hochmittelalter meist aus einer vollständigen Kettenpanzerrüstung mit Topfhelm sowie Tunika bzw. Wappenrock. Als Waffen dienten neben Speer und Streitaxt besonders das Schwert, welches an einem besondern Gurt hing. [4]

Frauenkleider

Die vorherrschende Tracht der Frauen des 11. und 12. Jhs. bestand aus einem Tuch, das um den Kopf und die Schulter geschlungen wurde, und Schlupfkleidern (Cotte), mit oben engen, nach unten sich stark ausweitenden Oberärmeln, die besonders bezeichnend waren. [5]

Kinderkleidung

Das gesamte Mittelalter hindurch bleibt die Tracht von Kindern sehr einfach. So sieht man z.B. in Stickereien auf der sog. Kaiserdalmatika eine Gruppe von Kindern mit schlichten überhängenden Kleidchen, die nach antiker Art an den Hüften gegürtet wurden. [6]

Galerie

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 11. Leipzig 1907, S. 537-539.
  2. Hefner-Alteneck, Trachten, Kunstwerke. aaO. Bd. II, S. 7, Tafel 83
  3. (Bild)
  4. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 11. Leipzig 1907. 6. Auflage 1905–1909 Art: Kostüm. Nach einer Miniatur in einem französischen Manuskript des 13. Jhs. (Pariser Nationalbibliothek)
  5. Hefner-Alteneck, Trachten, Kunstwerke. aaO. Bd. I, S. 35, Tafel 64 G
  6. Hefner-Alteneck, Trachten, Kunstwerke. aaO. Bd. II, Tafel 73 A
  7. nach einem Miniaturgemälde der Vie de Saint Omer aus dem 11. Jh. (Bibliothèque municipale, Ms 698) in der Stadtbibliothek zu St. Omer.