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Kloster St. Gallen

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Das Kloster St. Gallen in der Ostschweiz wurde um 719 von Otmar von St. Gallen gegründet. Um das Jahr 820 erfolgte ein Neubau nach einem Plan, der auf vier zusammengenähten Pergamentstücken gezeichnet wurde und in der dortigen Stiftsbibliothek (als Codex 1092) noch vorhandenen ist.

Dieser berühmte Grundriß einer Klosteranlage wurde dem Abt Gozbert von außerhalb zugesandt und war mit zahlreichen erläuternden Glossen versehen. Er diente vermutlich eher als ein nach ungefähren Angaben gefertigter Vorschlag (Idealplan), denn als exakte Bauplanung.

Beschreibung

Auch in der heutigen Gesamtanlage des Klosters, die hauptsächlich seit dem 17. Jh. vollständig umgebaut wurde, sind noch viele Merkmale zu finden, die mit dem Klosterplan von 820/826 übereinstimmen. So darf man sagen, dass die (dem Hrabanus Maurus zu Fulda zugeschriebene) Zeichnung kein reiner Idealplan war.

Vielmehr scheint sicher, dass das riesige Kloster im großen und ganzen nach den im Grundriß angegebenen Grundzügen, nur mit den durch die Örtlichkeit nötigen Abweichungen, verwirklicht wurde. Von jenem alten Bau ist heute jedoch nicht mehr vorhanden als die westliche Krypta von 9 Kreuzgewölben auf 4 jonisierenden Säulen, die in der Tat an das Kloster zu Fulda erinnern.

Der Plan selber ist von höchster Bedeutung, nicht nur als das älteste erhaltene zeichnerische Dokument dieser Art aus germanischer Vergangenheit, sondern weil er eingehendsten Aufschluß gibt über die Anforderungen an eine solche Anlage in jener Zeit und die Art ihrer Erledigung. Er zeigt inmitten die Basilika mit zwei Chören, östlichem Querschiff, zwei westlichen freistehenden Rundtürmen; ringsum die Klosterstadt, zunächst die eigentliche Klausur, dann Abtwohnung, Schule, Fremdenquartier, Kranken- und Novizenhaus, Handwerkerquartiere, Ställe, Gärten, Friedhof, Werkstätten, kurz das, was die Benediktinerklöster der Zeit charakterisierte, die in ihren Mauern alles vereinigten, was sie wirtschaftlich unabhängig machen konnte.

Bibliothek

Auf Grundlage des insularen Einflusses auf die ostfränkische Buchmalerei der Karolingerzeit entstand durch Auswahl, Ausbildung und kalligraphische Stilisierung bestimmter Motive im Kloster St. Gallen und unter dem Einfluß der großen karolingischen Schulen in der ersten Hälfte des 9. Jhs. ein fest ausgeprägter Stil, der im Wesen seiner Entstehung mit der franko-sächsischen Schule verglichen werden darf. Doch machte er statt der insularen Formen vielmehr vorkarolingische kontinentale Motive zu den wichtigsten Elementen seiner Ornamentik.

Wie in der nordfranzösischen Gruppe überwiegt das Interesse für den ornamentalen Schmuck, den man anfangs mit den gewohnten Mitteln der Umrißzeichnung und Kolorierung in wenigen Farben, dann in Golddeckung ausführt; die vereinzelten Figurenbilder haben jedoch nur geringe Bedeutung und keinen einheitlichen Schulcharakter. Im letzten Drittel des 9. Jhs. aber entstanden die berühmten Prachthandschriften der Schule:

In diesen Handschriften wurden die alten Motive zu großem Reichtum entwickelt, gleichzeitig ist auch ein starkes Einströmen von Dekorationselementen der französischen Schulen zu beobachten. Doch werden diese so stark verarbeitet, daß das flächigdekorative System nicht durchbrochen wird. Die ganze Kraft der Schule zeigt sich darin, daß selbst in den figürlichen Bildern bei starker Anlehnung in Komposition wie Einzelmotiv an die fremden Vorbilder technisch an der vorkarolingischen Zeichnung festgehalten wird, so daß sich auch hier als Resultat ein ganz neuer eigener Stil ergibt. Bis ins 11. Jh. lebte diese Ornamentik im Kloster St. Gallen fort, und noch um die Mitte des 10. Jhs. entstand hier ein reicher Zyklus von Szenen, wie z.B. die Federzeichnungen der Makkabäer-Handschrift in Leiden (Periz. 17). [3]

Naturwissenschaftliche Werke

Im Kloster St. Gallen entstanden bereits im Frühmittelalter wichtige naturwissenschaftliche Handschriften. So schrieb und dozierte hier der Diakon Wichgram (ca. 861-895) über Mathematik (Computistik, vgl. Rechenkunst), und hier stach Tutilo von St. Gallen (ca. 875-912) auf "mösch" "gar kunstlichen astronomischen taffeln und ausstellung dess gestirns und himmils lauff". Eine St. Gallener Handschrift des 10. Jh. zeigt das Bild eines Mönches, der durch ein langes, auf einer Säule ruhendes Rohr den Himmel betrachtet. An dem Rohr ist ein zwölfteiliger Kreis befestigt, der wahrscheinlich zum Winkelmessen diente, also ein geometrisches Instrument zur Messung der Sternhöhe.

Die Messung der Sonnenhöhe durch den Schatten des Gnomon erwähnt bereits Beda Venerabilis öfters. Alkuins Schüler Theodulf von Orleans (um 750-821) nennt geometrische Instrumente im Allgemeinen, und solche müssen auch bei der Konstruktion der von Theodulf und seinen süddeutschen Zeitgenossen (z.B. Abt Hartmut von St. Gallen, 872-83) angefertigten kreisförmigen Radkarten benutzt worden sein. Wie weit man es in St. Gallen im Konstruieren gebracht hatte, zeigt Notker Labeos († 1022) Beschreibung des unter dem Abt Burchard (958-81, oder 1001-1022) hergestellten Himmelsglobus.

Das interessanteste Zeugnis von der St. Gallener Mathematik ist indessen das sog. "Salomonis Vocabularium" (um 900), das nach Untersuchungen der Handschriften dieses Klosters, wenn nicht von dem Konstanzer Bischof Salomon III. (860-920) selbst, jedenfalls von früheren St. Gallener Lehrern zusammengestellt wurde. [4]

Handschriften Übersicht

Viele Handschriften des Klosters St. Gallen, die "Codices Sangallenses" (Cod. Sang.), sind als Digitalisate der St. Gallen Stiftsbibliothek (CESG) in "E-codices", der virtuellen Handschriftenbibliothek der Schweiz, zu finden (siehe auch: "Kategorie:E-codices‎").

Persönlichkeiten

Quellen

Externe Links

Einzelnachweise

  1. St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 23 – Folchart-Psalter (Psalterium Gallicanum mit Cantica)
  2. 2,0 2,1 2,2 St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 22 – Goldener Psalter (Psalterium aureum) von St. Gallen - Psalterium Gallicanum mit Kollekten u. Orationen
  3. Hoops, RdgA. aaO. Bd. III, S. 186 ff. Art. Malerei, C. Karolingische Malerei
  4. Hoops, RdgA. aaO. Bd. II, S. 153 ff. Art. Geometrie.
  5. St. Gallen, Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 23 – Folchart-Psalter (Psalterium Gallicanum mit Cantica)
  6. Vocabularium Salomonis (um 900). St. Gallen Stiftsbibliothek, Cod. Sang. 905: Glossae Salomonis; Digitalisat auf E-codices – Virtuelle Handschriftenbibliothek der Schweiz

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