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Die Kunstmäßige Einzellyrik ist eine Gattung der altgermanischen Dichtkunst. Sie hebt sich über die Gemeinschaftsdichtung ab, da ihre Schaffung und Vortrag wenn nicht den berufsmäßigen Dichter, so doch eine außeralltägliche Begabung erheischt.

Beschreibung

Loblied

Eine der wichtigsten Gattungen des germanischen Altertums ist dabei das (höfische) Loblied (s.a. Zeitgedicht). Es wird aufs reichste vertreten durch die skaldischen Fürstengedichte der Norweger und Isländer. Die Skaldenkunst entwickelte, wahrscheinlich unter irischem Einfluß, einen ganz eigenartig anmutenden Formenkultus. Das skaldische Enkomium (hróðr, lof) zu Ehren eines vornehmen Gönners, wurde überwiegend an den Höfen gepflegt und ist ein umfangreiches, wohlvorbereitetes Gebilde, für den Sprechvortrag mit einer episch-lyrischen Art.

Auch die Andeutungen des Widsith gehen zum Teil auf Preislieder, bes. Z. 54 ff. "Darum will Ich singen und erzählen meine Geschichte. Sprechen vor der Menge in der Met-Halle...". Vgl. Z. 100: "Als Shilling und Ich mit reinen Stimmen vor unserem königlichen Herrn anhoben zum Lied..." Die Zweizahl der Sänger kehrt wieder. Die Widsith-Dichtung scheint überall Gesang und Harfenbegleitung vorauszusetzen.

Im Beowulfepos (v. 871 ff.) trägt der Hofdichter über Beowulfs frische Heldentat vor: "So bracht' er in Verse Beowulfs Fahrt, der Regel gemäß die Rede gestaltend, kunstvoll und klug..." Der Epiker denkt es sich mithin als Improvisation, und dergleichen mag ja vorgekommen sein; Heldenlieder jedoch als aktuelle Augenblicksschöpfungen werden durch die Stelle nicht bezeugt. Bei Venantius Fortunatus (Carm. 7, 8, 61) im Dialog mit Herzog Lupus von Aquitanien findet sich der älteste Beleg für das germanische Wort 'Harfe'; dieses bezeichnet unterschiedslos die längst eingeführte Lyra (die mit keltischem Namen ahd. (h)rotta heißt) und die von England ausgehende dreieckige Harfe.

Zeitgedicht

Eine Frage bleibt, ob schon Tacitus (Ann. 2, 88) über Arminius in den Bereich des Einzel-Preisliedes zu ziehen ist. Damit träte diese Kunstform zu den alten, vor der Völkerwanderungszeit bestehenden. Weniger wahrscheinlich sind hier Merkverse oder chorische Hymnen (etwa Totenklagen). Man muß annehmen, dass im Fall von Arminius ein Zeitgedicht ausnahmsweis lange, drei Menschenalter, am Leben blieb, während sonst wohl diese Produkte mit ihrer Generation ins Grab sanken. Auch später mag da und dort ein ungewöhnlich eindrucksvoller Inhalt oder andere, irrationale Umstände einem Zeitgedicht die Dauer und Verbreitung verliehen haben, wie sie im allgemeinen nur Heldenliedern zuteil ward.

Hygelacs Rheinzug fiel um ca. 516; um ca. 700 jedoch kennt ihn der Beowulfdichter, offenbar aus einem Lied, das den historischen Umriß und die Stammnamen gut bewahrt hatte. Man scheint hier eher ein Zeitgedicht als eine heroische Fabel folgern zu müssen. Es könnte das 'Erblied' auf den gefallenen König gewesen sein, das der gautische Hofdichter, als Augenzeuge oder nach dem Bericht der Heimgekehrten, verfaßte. Zwischen Zeitgedichten, Merkversen und Heldenliedern kann man auch sonst schwanken, wo der Inhalt nur unbestimmt angedeutet wird. Ob die Gattungen in ihrem lebendigem Dasein ineinander verflossen, ist die Frage: die uns bewahrten Stücke sind klar aufzuteilen. Am meisten Ähnlichkeit hatte das Zeitgedicht mit dem chorischen Preisliede: man vergleiche etwa den 'Tod Eadweards' in den Angelsächsischen Annalen mit Attilas Totenklage bei Jordanes !

In der Pflege der Spielleute überlebte das Zeitgedicht das alte Hofsängertum und drang in weitere Kreise. Als in Norwegen im 9. Jhd. die skaldische Formneuerung durchgedrungen war, stiegen die Preislieder im Kurs und wurden weitervererbt, obwohl der neue Stil sie zum Bewahren historischen Stoffes weniger tauglich machte.

Elegie

Ein Seitenast des Lobliedes ist das Klagelied, die Elegie. Ein schätzenswert klares Zeugnis bietet Prokopios von Caesarea im 6. Jh. in seinem Bellum Vandalicum (BV. 2, 6) von dem ausgehungerten Wandalenkönig Gelimer (a. 533). Es ist das vorbedachte Lied eines kunstbegabten Mannes; der Inhalt ist das eigene Erlebnis; ein elegisches Zeitgedicht, gemischt aus erzählenden und lyrischen Teilen.

Von den erhaltenen altenglischen Elegien hat Deors Klage das altertümlichste Gewand; danach die Klage an Eadwacer [1], das erste Frauengedicht der germanischen Literatur. Sein Inhalt streitet gegen eine Situation aus der Heldensage. Die übrigen, längeren Stücke atmen schon mehr den neueren Geist. Die nordische Skaldenpoesie führte mit ihren vom Loblied zum Klagelied hinüber; eine tief düstere Elegie ist Egils "Sonartorrek" - Ode auf den verunglückten Sohn. Auch da machen sich irische Anregungen, eher als englische, bemerkbar.

Quellen

Einzelnachweise

  1. 'Bibliothek der angelsächsischen Poesie (Internet Archive). Christian Wilhelm Michael Grein, Richard Paul Wülker. Kassel : G. H. Wigand, 1883 ff. Bd. 3, 183

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