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Längenmaße wurden im Mittelalter häufig aus der natürlichen Körpergröße abgeleitet, so daß sie jeder erwachsene Mann an sich trug. Man bezeichnet sie daher auch als sog. "natürliche Längenmaße".

Beschreibung

Für kleinste Ausdehnungen genügte die Breite des Fingernagels oder des Fingers, die Länge des Daumens, für etwas größere die Handbreite, die Faust, die Spanne, die Fußbreite und Fußlänge, die Elle. Auch gab es die Schrittlänge und die Länge der ausgestreckten Arme, der Faden oder die Klafter. Selbst Maultierhaare, Gerstenkörner oder der Datteldurchmesser sind als Längenmaße belegt. [1]

Völkerwanderungszeit

Isidor von Sevilla (um 560-636) erklärte zum Ausgang der Völkerwanderungszeit in seiner Etymologiarum sive originum (15. Buch, 15. Kap.) bei Besprechung der Längenmaße: vom digitus (Finger) angefangen, seien "alle Maße im Körper, wie z.B. die Handfläche, Fuß und der Rest..." (omnes enim praecedentes mensurae in corpore sunt, ut palmus, pes, passus et reliqua).

So besagte z.B. eine Rechtssitte dieser Zeit, dass Brot so lang sein sollte, daß es einem sitzenden Menschen, der es auf seinen Fuß setzt, über das Knie geht, so daß man einem Hirten ein Morgenbrot abschneiden kann, - eine sonderbare Längenmessung. Und der Käse oder das runde Brot solle so groß sein, heißt es öfters, daß ein gemeiner Mann, der seinen Daumen mitten darauf setzt, mit gestreckten Fingern einen Umkreis machen kann. Die Kreismessung wurde also wie die Längen- und Breitenmessung ohne Maßstab, durch Körpermaße und ihre Bewegung erledigt (s.a. Geometrie). [2]

Frühmittelalter

Diese Stelle von Isidor von Sevilla wurde in karolingischer Zeit in die Wessobrunner Aufzeichnung über die Maße übernommen. All diese Längenmaße kamen bereits seit der germanischen Zeit vor, manche von ihnen wie Fuß, Elle, Klafter erhielten später eine vereinbarte Größe, die allerdings je nach Zeit und Gegend große Unterschiede aufwiesen. Je nach dem Bedürfnis der Abmessung unterschied man außerdem zwischen Werk-, Bau-, Berg-, Garn-, Feld-, Wege-, geographischen und anderen Maßen, wie z.B. dem nautischen Längenmaß für die Schifffahrt.

Arten

  • Elle - Länge des aufgebogenen Vorderarms vom Ellenbogen bis zur Spitze des Mittelfingers
  • Faden - Abstand der beiden ausgestreckten Arme (s.a. Klafter)
  • Faust - Breite einer geballten Faust.
  • Fuß -
  • Klafter - Spannweite, die ein erwachsener Mann mit ausgebreiteten Armen erreichte
  • Lachter - Im Bergbau gebräuchliches Längenmaß
  • Rute - ursprüngl. 10 römische Fuß zu 16 Fingerbreiten
  • Spanne - Abstand zwischen ausgebreiteten Fingern (z.B. Daumen und Zeigefinder od. kleinen Finger.
  • Zoll (Längenmaß) - anord. þúmlungr - 'Daumenlänge'. Bei den Römern der 12. Teil des Fußes.

Wegemaße

  • Tagreise - Der Weg, den man mit einem Lasttier an einem Tag zurücklegen konnte.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 12. Leipzig 1908, S. 171.
  2. Hoops, RdgA Bd. II, S. 154 (Art. Geometrie)

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