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Für das Lagerleben im Mittelalter brauchte es nicht viel. Ein Zelt als Dach über den Kopf sowie Töpfe und schmiedeeiserne Pfannen für das Kochen gehörten zur Grundausstattung. Das gilt noch heute, wenn auf historischen Mittelaltermärken verschiedene Vereine ihr Lagerleben darstellen. Noch immer benötigt man ein mittelalterliches Zelt, eine Schlafstatt, Holzgeschirr und Tonwaren für den täglichen Bedarf und für das Kochen....

Allgemeines

Folgende Dinge gehören mit zur Grundausstattung in einem mittelalterlichen Lager:

Historisches

Im Heerwesen des Mittelalters bezeichnete das Lager oder auch Heerlager einen Ort außerhalb bewohnter Siedlungen oder Städte , wo die Truppen in Zelten oder Hütten oder unter freiem Himmel eine Nacht oder auch für längere Zeit untergebracht wurden. Die Sorge für ein solches Lager begründete die Lagerkunst (Castramentation), die einen wesentlichen Teil der Kriegskunst ausmachet. In der älteren Kriegführung war dieser Zweig der Kriegskunst sehr wichtig, wenigstens in Betreff der Marschlager, weil jedes Lager auch gleichzeitig eine Defensivstellung war.

Die Bedeutung der Reiterei im Mittelalter trug dazu bei, die regelmäßigen Lager außer Gebrauch zu bringen. Man lagerte kreisförmig um das Zelt des Feldherrn, oder das Lager bildete eine Linie oder Halbmond, indem jede Abteilung besonders lagerte.

Arten

Zeltlager Caerphilly Castle, Wales.jpg

Zeltlager vor der Burgruine des Caerphilly Castle in Wales.

Je nach der Art der Unterkunft der Truppen unterschied man:

  • Biwak - Freilager, ein Lager unter freiem Himmel (Bivouac, Bivouacq oder auch Biwac)
  • Hüttenlager - Solche Hütten wurden von den Truppen vor Ort aus Stroh, Stangen, Ästen, meist parallel mit der Frontlinie, gebaut.
  • Zeltlager - Bei einem Zeltlager wurden die Zelte meist senkrecht auf der Frontlinie aufgeschlagen. Der Zwischenraum zwischen den Zelten der einfachen Soldaten hieß Brandgasse.

Auch je nach Zweck und Dauer , in der ein Lager benutzt wurde, unterschied man mehrere Lagerarten:

  • Einschließungslager - Ein Lager rings um Festungen, mit dem ein Belagerungstrupp eine Festung umgab. Es wurde außerhalb des feindlichen Schußbereiches errichtet, und nutzte das Gelände, um feindliche Ausfälle abzuwehren.
  • Erfrischungslager - Zur Erholung der Truppen,
  • Marschlager - Lager für einen Tag oder eine Nacht,
  • Observationslager - Zur Deckung des belagernden Heerteils, die man bei einer Belagerung einer feindlichen Festung mit einer besonderen Truppe bezog, um den Entsatz zu verhindern.
  • Kriegslager (Postenlager) - Diese mussten mit großer Sorgfalt ausgewählt werden, um entweder schnell zum Angriff überzugehen (Offensive Lager) odersich gegen den Feind mit Vorteil behaupten zu können (Defensive Lager). Eigentlich mußte jedes defensive Lager zugleich zu einem offensiven benutzt werden können.
  • Passlager - Wurde errichtet, um dem Feind den Durchgang durch einen Paß zu verwehren.
  • Standlager - Lager für längere Zeit.
  • Übungslager - In Friedenszeiten für größere militärische Übungen.
  • Vergnügungslager - In Friedenszeiten zur Begehung eines militärischen Festes.
  • Versammlungslager - Zum Zusammenziehen der Truppen, um eine künftige militärische Operation vorzubereiten, oder die feindlich scheinenden Maßregeln des Gegners zu beobachten. [1]

Voraussetzungen

Zu einem Lager bedurfte es zunächst eines passenden Ortes, wo Stroh und vorallem Holz und Wasser in der Nähe zu finden war. Man wählte dazu lieber die Höhen, oder die sanften Abhänge, als die Täler, da in den Niederungen feuchte Luft und Nebel der Gesundheit der Soldaten nachteilig waren, und zudem bei heftigen Regengüssen Überschwemmungen zu befürchten waren. Um das Lager möglichst zu sichern, wählte man es gern dort, wo man auch ein Gefecht annehmen konnte, wenn man unerwartet angegriffen wurde, so daß es also eine gute Position gewährte.

Lagerordnung

Die Lagerordnung, nach der das Lager gebaut und der Dienst, sowie der Verkehr darin geregelt wurde, richtete sich nach den Umständen. Meist wurden die Truppen so aufgestellt, wie sie zum Gefecht aufmarschierten, weshalb die Reiterei auf den Flügeln, die Infanterie meist in der Mitte stand. Die Truppen schlugen hinter der Front ihre Zelte auf oder bauten Hütten (s. Hüttenlager).

Der leere Raum zwischen zwei Reihen Zelten oder Hütten hieß Gasse. Die Pferde der Reiterei standen an besonderen Pfählen, mindestens 20 Schritt vor der Mannschaft. Einen besonders schönen und zierlichen Lagerbau entwickelten die Franzosen, die ihre Lagergassen mit Masten, Tannenbäumen, Adlern, Fahnen und anderen Zierrat möglichst elegant schmückten.

Verteidigung

Ab und an verteidigte man auch das Lager durch viereckige oder runde Umwallungen, verbundene Schanzen, Pallisaden, Flankenverteidigung, vorgeschobene Außenwerke, Wolfsgruben und dergleichen. Die Engländer bedienten sich z.B. starker, mit Eisen beschlagener Stäbe (Pinnen- od. Schweinsfedern), die sie als Pallisaden in die Erde steckten. Zum Schutz der lagernden Truppen wurden Vorpostenabteilungen zum Feind hin vorgeschoben, die mit Postenketten, Feldwachen und deren Unterstützungstrupps den nahenden Feind aufhielten oder ihn zumindest zeitig genug bemerken sollten, bis die Truppen im Lager sich in Gefechtsbereitschaft gesetzt hatten.

Außerdem wurden zum unmittelbaren Schutz eines Lagers in geringer Entfernung davor und dahinter, hauptsächlich zur Aufrechterhaltung der Lagerordnung, Wachen und Posten ausgestellt, die sogenannten Fahnen- u. Brandwachen. Oft lehnen sich verschanzte Lager an eine Festung, um zu einem Versammlungs-, Verteidigungs- oder Rückzugslager zu dienen. Oft wurden solche Lager an wichtigen strategischen Punkten schon im Frieden vorbereitet (z.B. in Köln, Koblenz oder Linz).

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Herders Conversations-Lexikon. Freiburg im Breisgau 1855, Band 3, S. 691.

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