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Die Latènezeit oder auch La-Tène-Zeit ist eine Epoche der jüngeren vorrömischen Eisenzeit von 450 v.Chr. bis 15 n.Chr. Sie folgt auf die Periode der Hallstattzeit (800–450 v.Chr.). Der Begriff umfasst alle Materialgruppen dieser Zeit nördlich der antiken Welt, also in weiten Teilen Mitteleuropas.

Dagegen hat die Bezeichnung Latènekultur die archäologischen Hinterlassenschaften der Kelten zum Inhalt. Namengebender Fundplatz war La Tène am Neuenburgersee in der Schweiz. [1]

Unterteilung

Eine erste Chronologie der Latènezeit erarbeitete Otto Tischler im Jahre 1885 anhand typologischer Reihen von Fibeln und Schwertern. Seitdem wird die Latènezeit in vier (sprachlich drei) Hauptabschnitte unterteilt: [2]

Nach Dechelette

Zeitabschnitt Dechelette Datierung
Frühlatène La Tène I ca. 480 - 280 v.Chr.
Mittellatène La Tène II 280 - 190 v.Chr.
Spätlatène La Tène III 190 v.Chr. - 0

Nach Reinecke

Zeitabschnitt Reinecke Datierung
Frühlatène A La Tène A ca. 450 - ca. 380 v.Chr.
Frühlatène B La Tène B ca. 380 - 250 v.Chr.
Mittellatène La Tène C 250 - 150 v.Chr.
Spätlatène La Tène D 150 v.Chr. - 15

Beschreibung

Die Latènezeit oder zweite Eisenzeit bzw. späte oder jüngere vorrömische Eisenzeit erhielt ihren Namen durch viele neue und eigentümliche Formen der Kunst und des Handwerks (s. Keramik der Latènekultur), und wurde besonders durch die gesteigerte Anwendung von Eisen gekennzeichnet (Abb. 1 und Abb. 2). Zeitlich umfaßt diese Kulturperiode die letzten vier bis fünf Jahrhunderte v. Chr. und räumlich die europäischen Länder im Norden und Wesen des klassisch-antiken Kulturgebietes.

Der Name ist einem Fundort am Nordufer des Neuenburger Sees in der Westschweiz entlehnt. Die Latènekultur entstand im westlichen, besonders an der Grenze des westlichen und mittleren Europa infolge der Aufnahme antiker (nach der griechischen Kolonisation im westlichen Mittelmeerbecken verbreiteten) Elemente durch die Kelten. Diese waren zwar an der Schaffung und Erhaltung des hallstättischen Formenkreises weniger beteiligt, wurden nun aber durch ihre kriegerische und friedliche Tätigkeit die stärksten Propagatoren eines neuen Stiles.

Dieser verbreitete sich nach Osten, Norden und teilweise auch nach Süden, im Zusammenhang teils mit dem Vordringen keltischer Stämme in die Alpenländer und Italien, teils mit der führenden Stellung, welche das keltische Handwerk dieser Zeit in einem zumal nach Norden hin viel weiter ausgedehnten Kreise innehatte. Da auch die Germanen an der Latènekultur Anteil hatten, sind die Grenzen zwischen ihnen und den Kelten für diese Zeit aus dem archäologischen Material nur vage festzustellen.

Differenzierungen

Die Latènezeit trägt in den einzelnen Ländern und Jahrhunderten ein mehrfach verschiedenes Gepräge. Man unterscheidet gewöhnlich drei (mit Hinzunahme des 5. Jhs. v. Chr., das aber nur für den Westen als eine Art Vorstufe der Latènezeit in Betracht kommt und sonst noch der Hallstattzeit angehört, vier) Stufen: die Frühlatènezeit (La Tène I.; ca. 4. Jh. v. Chr.), die Mittellatènezeit (La Tène II.; ca. 3.-2. Jh. v. Chr.) und die Spätlatènezeit (La Tène III.; ca. 1. Jh. v. Chr.) (Siehe: Unterteilung nach Dechelette und nach Reinecke).

Die Leitformen, besonders die Fibeln und Schwerter, beschränken sich jedoch nicht auf die Stufen, in denen sie zuerst vorkommen; und auch lokale Unterschiede spielen eine Rolle bei einem so ausgedehnten Kulturkreis.

Frühlatènezeit

Die Frühlatènezeit A (nach Reinecke), das 5. Jh. v. Chr., wird in Nordfrankreich und Westdeutschland durch reiche (sog. „Fürsten-") Gräber mit importierter griechischer und etruskischer Bronze- und Tonware sowie mit kostbaren Erzeugnissen der einheimischen, nach frühklassischen Mustern arbeitenden Schmuckindustrie charakterisiert.

Die Frühlatènezeit B (nach Reinecke), das 4. v. Chr., hat in der Regel keine so reichen Gräber, aber eine weitere Verbreitung. Sie reicht zwar nördlich nur bis ans deutsche Mittelgebirge, östlich bis Mittelungarn, südlich dagegen bis tief ins östliche Italien hinab, wo ihre Formen mit griechischen und etruskischen Elementen vermischt sind. Es ist die Zeit der Fibeln mit „freiem Schlußstück" (oft mit Korallen oder Emaillescheiben) und der ersten Langschwerter. Norddeutschland und Skandinavien sowie die Alpenländer werden von ihr noch wenig berührt.

Mittellatènezeit

Die Mittellatènezeit (La Tène II; La Tène C.), ca. das 3.-2. Jh. v. Chr., hat in Südeuropa eingeschränktere, in Ost- und Nordeuropa weitere Verbreitung, die sich nun auch über Skandinavien erstreckt. Es ist die Zeit der ersten Fibeln mit „verbundenem Schlußstück". In den Alpenländern beobachtet man noch häufig die Mischung spät-hallstättischer und mittlerer Latèneformen.

Spätlatènezeit

Die Spätlatènezeit (La Tène III; La Tène C.), ca. das 1. Jh. v. Chr., hält sich ziemlich in den gleichen räumlichen Grenzen wie die Mittellatènezeit, zeigt aber einen starken Einfluß der römischen Kultur, sowohl in der Ausbildung der vielgestaltigen Waffen und Werkzeuge, als auch in der Entwicklung städtischer Siedlungen, die sowohl dem Handwerk und dem Handel als auch der besseren Landesverteidigung dienten.

Die Gräberfunde treten etwas zurück. Außer den Fibeln mit rahmenförmig geschlossenem Fuß und den Schwertern mit leiterförmig durchbrochenem Scheidenortband, sind die zahlreichen Münzprägungen in Gold und Silber, sowie das zur Bronzeverzierung reichlich verwendete rote Emaille („Blutglas") aus dieser Zeit hervorzuheben. Im allgemeinen spiegeln die Latènefunde das kulturelle Erstarken der keltischen Stämme und ihr zuerst offensives, dann defensives Eintreten in die Geschichte deutlich wieder.

Latènekultur

In der Latènezeit liegt die hochentwickelte keltische Kultur wie ein breiter Gürtel zwischen dem durch das Mittelgebirge getrennten Norden und den Mittelmeerländern. Sie war eine an Verkehrsgütern und -mitteln reiche Kultur, blühend durch gewerbliche Technik, besonders in Gallien, und ausgezeichnet durch eine vielgestaltige Münzprägung, die ihre älteren Vorbilder (Goldmünzen Philipps von Makedonien und Alexanders des Großen) über Massalia empfing.

Handelswesen der Latènezeit

In der Spätlatènezeit (190 v. Chr. bis 0) war das westliche Fundgebiet des Bernsteins für den Handel im Wesentlichen ausgeschöpft. Doch gelangten Erzeugnisse italischer und griechischer Kunst auch nach Nordeuropa. Die Vermittler des Verkehrs zwischen dem Norden und dem Mittelmeer wurden die Kelten, bei denen sich während der Latènezeit ein bedeutender Goldreichtum ansammelte.

Die wichtigste Eingangspforte des Handels vom Mittelmeer nach Mitteleuropa, besonders auch für die Erzeugnisse griechischen und italischen Kunstgewerbes, bildete die Rhonemündung, hauptsächlich Massalia, und nicht die Landschaften an der Adria. Die griechische Kolonisation versuchte sich hier im Wesentlichen erfolglos.

Keramik der Latènekultur

Wie für den älteren Abschnitt der vorrömischen Eisenzeit die Hallstattkultur, so bildet für den jüngeren Teil derselben die Latènekultur gerade mit ihren Gefäßen einen auffallenden Gegensatz zu den gleichzeitigen Erscheinungen im Norden und Osten von Deutschland. Dieser Gegensatz läßt sich nunmehr mit einiger Sicherheit auch ethnographisch kennzeichnen, indem die letzteren germanischer, die ersteren keltischer Eigenart entsprechen.

Im einzelnen freilich sind die ethnischen Zuweisungen vielfach sehr unsicher. Technisch beginnt im Kreis der Latènekultur eine Neuerung Bedeutung zu gewinnen: die Arbeit mit der Töpferscheibe. Und damit vollzieht sich in der keramischen Industrie allmählich ein Wechsel, der von der prähistorischen Entwicklung zur historischen überleitet, d. h. die Keramik geht aus den Hausindustrien in die Werkstätten mit fabrikmäßigem Betrieb über.

Ihre Verbreitung ist nicht mehr von lokalen Veränderungen innerhalb engerer Gruppen, sondern vom Handel abhängig. Um so auffallender sind jetzt die Gegensätze zwischen prähistorischen und historischen Erscheinungen überall da, wo das Neue mit dem Alten zusammenstößt... Weiterlesen.

Galerie

Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Latènezeit
  2. Daten aus der Zeittafel in: Die Welt der Kelten - Zentren der Macht - Kostbarkeiten der Kunst. Thorbecke, 2012, S. 524-525 ISBN 3799507523

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