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Das Leder (ahd. ledar, ags. leþer), als Kleidungsmaterial war von allgemeiner Bedeutung. Es bezeichnete zugleich Pelzwerk und Leder im heutigen Sinne. Für Erzeugnisse der Weißgerberei sind die Namen "Irch" (ahd. irah, iroh) für weißes Bocks- oder Gemsenleder, und "Lösch" (ahd. "loski") für meist rotes Wildleder erhalten.

Geschichte

Obwohl man bereits zur Bronzezeit begonnen hatte, Wollstoffe zu verarbeiten und sie zu Kleidern zu benutzen, verwendeten die Menschen, vor allem in Skandinavien, ebenso noch überwiegend Fellstoffe für die Kleider. Darauf zumindest lassen Funde von Kuhhäuten und Tierfellen schließen, die man oft in Gräbern vorfand.

Noch in der Wikinger- und Sagazeit (930 bis 1030) verwendete man für Kleidung die Felle von Wild- und Haustieren, neben anderen Stoffen, in sehr ausgedehntem Maße. Das geht auch aus der alten einheimischen Literatur hervor. So heißt es u.a. auch bei Adam von Bremen über die Isländer, daß sie in Schafpelze gekleidet seien („eorum [s. pecorum] vettere teguntur"). In diesem Zeitabschnitt jedoch wurden einfachere Fellstoffe zumeist von den niedrigeren Klassen benutzt, während vornehme und wohlhabende Leute neben den feineren Fellstoffen, also Pelzwerk, hauptsächlich verschiedene andere Kleiderstoffe, wie Wolle, Leinen, Baumwolle, Seide, Seidensammt usw. benutzten.

Felle und Tierhäute

Kürschnermeister, einen wärmenden Pelz präsentierend.jpeg

Ein Kürschner zeigt einem Kundenpaar ein Fehwammenfutter (Teil des von der örtlichen Kürschnerzunft gestifteten Fensters „St. Jakobus der Ältere“ der Kathedrale von Chartres)

Felle bzw. Pelze wurden hauptsächlich für warme oder repräsentative Kleidung genutzt, oder es wurden Felle oder haarlose Tierhäute gegerbt zu Leder, und dann zu Kleidung, jedoch auch zu Schuhen, Taschen, Sätteln, Riemen, Rüstungsteilen, Bucheinbänden, Trommelfellen, Messerscheiden und Griffbändern, ungegerbt zu Pergamentpapier, ja sogar zu speziellen Werkzeugen verarbeitet.

Tierfelle müssen zunächst haltbar gemacht werden, d.h. zu Pelzen veredelt. Im Handwerk der Kürschner und Pelzer hieß das Zurichten, wobei das Verfahren der jeweiligen Fellart angepasst sein musste. Die beiden Handwerkergruppen waren auch für die Verarbeitung der Pelze zu Kleidungsstücken ausgebildet, die Kürschner für die höherwertigen Pelze, die Pelzer für die billigeren. Einfache Zurichtmethoden beherrschten evtl. auch Jäger und Fellhändler.

Als einfachere Felle wurden betrachtet: Schaffell und Schafspelze, Ochsenfell, Kalbfell, Ziegenfell oder Ziegenpelze und Seehundsfell. Letztere nannte man, wenn sie unverarbeitet und zur Ausfuhr bestimmt waren, 'Handelsfelle'.

Als noch geringwertiger betrachtete man jedoch Rentierpelze und Wolfsfelle oder Wolfspelze, und als das minderwertigste Fischhaut. Diese Felle bzw. Häute sowie daraus gemachtes Leder wurden, außer für Hosen und Schuhe, nur für Pelze, Blusen, Wämser und Hauben für Leute niederen Standes benutzt. Fischleder nur für Schuhe für Sklaven und niedere Dienstleute, Haifischleder allerdings auch für Waffengriffbelederung, z.B. Schwertgriffbänder von Katanaschwertern oder Borosoleder vom Perlhai auf europäischen Schwertgriffen, und Rentierfell als Bekleidungsmaterial kaum anderswo als im nördlichen Norwegen.

Als feinere Felle und Häute galten Hirschfell und Korduanleder, sowie als Pelzwerk Lammfell, Katzenfell, Fuchsfell, Bärenfell, Eichhörnchenfell (Grauwerk, Fehwamme), Biberfell, Zobelfell, Hermelin, Otterfell, Marderfell und Luchsfell. Diese Pelzwerkfelle waren allzu kostbar, als daß sie von jedermann benutzt werden konnten. Sie wurden hauptsächlich von vornehmen und wohlhabenden Leuten gebraucht, um ihre Staatskleider, wie Mäntel, Kappen und verschiedene andere, sowie Hauben damit zu füttern und zu verbrämen. Hirschfell wird als Rohstoff zu feinen Handschuhen und Geldbeuteln erwähnt und wurde wahrscheinlich ebenso wie das Korduanleder (urspr. von Córdoba in Spanien stammend) eingeführt. Dieses wird nur als Material für die prächtigsten Lederhosen und Lederschuhe erwähnt. Nach dem Mittelalter wurde ein Hirschfell Tauschmittel im Wert eines Thalers, weshalb heute noch der Dollar Buck genannt wird (von Buckskin=echtes Wildleder).

Gerben

Durch Gerben werden Felle enthaart und haltbar gemacht. Das Produkt des Vorganges ist Leder.

Bereits in der europäischen Bronzezeit zeigten sich in den Funden Beispiele der Alaun- oder Weißgerberei, im Gegensatze zur älteren Öl- oder Sämischgerberei. In den Sprachen zeigt sich allerdings erst später ein Unterschied zwischen Fell und gegerbtem Leder.

Zum Gerben benötigte man Lohe, das heißt Eichen- und Fichtenrinde, für die teils eigens Lohwald, z.B. Niederwald in Form von Eichenschälwald (Lohhecke) angelegt wurde zur Gewinnung der tanninhaltigen Baumrinden mittels Lohlöffel. Um den Gerbstoff Tannin für den Gerbprozess aufzuschließen aus den Rindenstücken, wurden sie in Lohmühlen zerkleinert. Ausgelaugte Lohe wurde zu Lohkäse gepresst und getrocknet und diente als Brennmaterial. In größeren Städten bewohnte die Gerber-Zunft oft ein eigenes Gerberviertel, v.a in Südwestdeutschland. In alten marrokanischen Städten wie Fés und Marrakesch haben sich Gerberviertel mittelalterlichen Stiles erhalten und können besichtigt werden.[1]

Mode

Pelzbekleidung wird bei Beschreibungen von Männertrachten seit dem 5. Jahrhundert zwar oft erwähnt, aber mehr als Luxus- denn als nötiger Gebrauchsgegenstand. Am meisten geschätzt waren Marder, schwarzer Fuchs, Biber, Otter, Hermelin und Zobel, auch graues Eichhörnchen (Vehe) und Kaninchen. Karl der Große benutzte auch noch den auerhaften Schafspelz und gab so den mit kostbaren Fellen bekleideten Höflingen ein gutes Beispiel von altvaterischer Einfachheit. "Corduan", feines spanisches Leder von Cordova, war seit dem 9. Jahrhundert beliebt.

Schuhe

Rindsleder war immer das Sohlenmaterial, und wurde auch als Schaftleder bevorzugt, außer im 11. und 12. Jhdt, als Schäfte aus Ziegen- und Schafleder vorherrschten. Der wendegenähte Schuh war typisch für das Mittelalter.

Quellen

Fußnoten

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