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Loki ist im nordgermanischen Volksglauben ein mythisches Wesen, das die Skalden zu einer Gestalt mit verschiedenem Grundton ausprägten, so wie die mittelhochdeutschen Dichter den Zwergenkönig Laurin. Der Stoff wurde aus den verschiedensten Quellen geschöpft: aus dem Volksglauben, aus der wandernden Märchendichtung und ebenso aus christlichen Teufelssagen.

Literarische Überlieferung

Von Haus aus ein Feueralf und selbständiges Wesen, wurde Loki durch seine alfische Natur in Verbindung mit den Asen und besonders mit Odin gebracht, während er durch seine Feuernatur zum Genossen Thors wurde, aber zugleich auch zum Teil unter dem Einfluß fremder Unholdsagen unter die dämonischen Riesen kam. So wurde Loki eine mythische Persönlichkeit und zugleich Mittelpunkt des altnordischen Schwankes.

Gleichwohl ist er auf einen relativ kleinen Kreis der nordischen Dichtung beschränkt. In den Eddaliedern begegnet er nur in Vǫluspá, Baldrs draumar, þrymskviða, Hymiskviða (?), Lokasenna und der späten jüngeren Vǫluspá, und von den Skalden wissen nur Thjóðólfr aus Hvin, Ulfr Uggason und Eilifr Guðrúnarson von ihm zu erzählen, während sonst nicht eine Kenning der zahlreichen norwegischen und isländischen Dichter in der Bekanntschaft mit ihm wurzelt. Auch kennt ihn keine der Islandsagas, und nirgends findet sich eine Anspielung auf einen Kult Lokis.

Die Snorra-Edda läßt vermuten, daß die Lokidichtung einst umfangreicher war, als sie erhalten blieb, und daß sie besonders auf Island heimisch war. Unter dem Einfluß dieser isländischen Lokidichtung steht die faeröische Volksdichtung, besonders der Lokkatáttur, der nach dem Hinweis auf die alten Gedichte (v. 50, 67) wahrscheinlich auf isländische Vorlage zurückgeht, sowie die Volksüberlieferung der anderen Gebiete des Westmeers.

Götterschwänke

Seine unheilstiftende und doch wieder helfend eingreifende Natur zeigt Loki in den Götterschwänken von der Entführung der Idun und vom Baumeister von Asgard. Dort führte er die Idun mit ihren verjüngenden Goldäpfeln dem Riesen Thjazi zu und holt sie dann als Falke wieder, nachdem er sie in eine Nuß verwandelte. Hier riet er den Asen, den Vertrag mit einem Riesen über den Bau einer festen Burg einzugehen, und hält sie nur dadurch vom Verlust der Sonne und Freyjas ab, dass er als Stute den treuen Helfer des Riesen, den Hengst Svadilfari, von seiner Arbeit weglockt (s. Baumeister von Asgard).

Verbreitete Sagen- und Schwankmotive haben diese Dichtung befruchtet. Auch das Märchenmotiv vom dummen Hans, der die Königstochter zum Lachen bringt, ist in dieser Schwankdichtung verwertet: Nach der Ermordung des Thjazi verlangt dessen Tochter Skadi u. a. als Sühne, daß man sie zum Lachen bringe. Da knüpft Loki einen Faden an den Bart einer Ziege und an seine Hoden, und als beide Wesen hin- und herziehen und in ihrem Schmerze klägliche Töne ausrufen und sich Loki vor Skadi niederwirft, da mußte diese lachen (SnE. I 214).

Ein anderer Schwank behandelt Lokis Wettstreit mit dem Zwerg Brokk, wobei er nur dadurch sein Haupt rettet, daß er dem Zwerg gegenüber betont, er habe wohl sein Haupt verpfändet, nicht aber seinen Hals (SnE. I 344). Zu den Lokischwänken gehört auch die Lokasenna, in der Loki allen Asen und Asinnen ihre Vergehen vorwirft - den Asinnen fast durchweg Männergier - , bis Thor erscheint und dem Lästerer unter Androhung seines Hammers Ruhe gebietet.

Loki und Odin

In der Lokasenna erinnert Loki Odin daran, dass er am Anfang der Zeiten mit ihm den Blutbund geschlossen habe (v. 9). Der Alf ist mit dem Asen verbunden, und daher begegnet Odin häufig als Lokis Freund (SnE. I 290 und öft.). So ist Loki öfter mit Odin auf gemeinsamer Fahrt, nur nicht allein, sondern nach dem Gesetz der epischen Dreiheit (s. Dreieinigkeit) fast immer mit Hönir als Bindeglied. Nur im jungen Sörla þáttr ist er allein sein Dienstmann (FaS. I 392). Immer fällt Loki in diesem gemeinsamen Verband die wichtigste Aufgabe zu, und er fesselt daher am meisten das Interesse. Im Abenteuer mit dem Riesen Thjazi, der in Adlersgestalt den drei Asen den besten Teil des gebratenen Ochsen wegnimmt, stößt er mit der Stange nach dem Vogel und kommt dadurch in die Gewalt des Riesen (SnE. I 208 ff.). Auch hier wurden wandernde Märchenmotive verwertet. [1]

Als dieselben Götter nach Tötung des Oturs in die Gewalt von Hreidmar kamen und das Wergeld zahlen mußten, da beschaffte Loki das Gold dafür vom Zwerg Andwari, und zwang ihn, auch den golderzeugenden Ring herauszugeben (SnE. I 352 ff.). Im faeröischen Lokkatáttur bewirkte er, was Odin und Hönir nicht gelang, die Rettung des Bondensohnes aus der Gewalt des Riesen (Faer. Kvaed. I 140 ff.). Auch an der Erschaffung des Menschen hat Loki unter dem Namen Lóðurr (d. h. Luhþurar - 'der Feuerbringer') nach der Völuspa (v. 18) wesentlichen Anteil: ihm verdanken die Menschen Lebenswärme und schöne Gestalt.

Beschreibung

Fast in allen Götterliedern der Edda sind Asen und Alfen (æsir ok alfar) vereint. So ist auch Loki in diese Schar kam. Nach der Snorra-Edda ist Loki von anmutigem Äußeren, aber falschen Charakters. Er ist schlau und verschlagen, besonders geschickt im Stehlen, aber er zieht sich zurück, wenn ihm mit Energie entgegengetreten wird. Durch seine Handlungen setzt er die Götter in Verlegenheit; von ihnen gezwungen, befreit er sie aber auch aus dieser.

Feuer- und Lichterscheinung

Außer der älteren Dichtung kennt auch die Volksüberlieferung Skandinaviens und Dänemarks dieses mythische Wesen und zwar in seiner ursprünglichen Gestalt als Feuer- und Lichterscheinung. Während aber auf Island fast durchweg die Form Loki begegnet, überwiegt in den ostnordischen Dialekten und auf den Faeröern die Form Lokki, das Diminutivum zu Loki.

Zwischen der Flamme als Lichterscheinung und den Seelen der Verstorbenen besteht nach allgemeinem Volksglauben der innigste Zusammenhang. Dass sich Tote als Lichter oder feurige Gestalten zeigen, kennen alle germanischen Stämme [2]. In den Islandsagas heißen diese Geistererscheinungen "haugaeldar", die in und über den Grabhügeln zu sehen sind, zumal wenn die Toten ihre Schätze mit ins Grab genommen haben [3]. Daher wähnte man hinter der Flamme ein seelisches Wesen, und diese verschiedenen Erscheinungen nannten die Nordgermanen alfar (s. Elfen); sie finden sich meist bei ihnen wie bei den Angelsachsen mit den Asen vereint.

Element Feuer

Von den verschiedenen Deutungen, die man dem Namen Loki gab hat, ist die Zusammenstellung mit logi - 'Lohe, Flamme' auch im Hinblick auf die Zeugnisse die plausibelste. Loki ist demnach seinem Namen nach der Feueralf. Nach dem Ursprung des Elements wurde ihm in skaldischer Weise ein Elternpaar gegeben. Zu den primitivsten Formen der Feuererzeugung gehört das Bohren und Stoßen eines vorn zugespitzten Stabes in weicheres Holz. Dieser Brauch erhielt sich in Skandinavien bis in die Neuzeit. Aufgrund dieser Handlung entstanden in skaldischer Dichtung die Eltern Lokis: Fárbauti „der durch Stoßen Schaden, d. h. Feuer erzeugt" als Vater und Laufey „die Laubinsel" d. h. das Laubholz, aus dem das Feuer hervorgeht, als Mutter. Daneben erscheint, wenn auch erst bei Snorri Sturlson, Nál „die Föhre", von der es heißt, sie ist wie Laufey schlank und schwach (mjó ok auðþreiflig, Fornaldarsögur, I 392).

Überlieferung im Volksglauben

In der ursprünglichen Auffassung mit alfischen Vorstellungen als persönliches Wesen verquickt lebt Loki in der Volksüberlieferung Skandinaviens als Alf des Herdfeuers und in Dänemark als Alf der flimmernden Luft fort. Wenn in Norwegen das Herdfeuer knistert, so sagt man, dass dann Loki seine Kinder schlägt (Lokje dengjer bone sine), und als Spende wirft man ihm die Milchhaut ins Feuer. In Schweden werden ausgefallene Zähne kleiner Kinder dem Herdfeuer mit den Worten übergeben:

"Lokke, Lokke, giv mig en bentand!
Här har du en gulltand,"

ein Volksglauben, der auch zu den Finnen wanderte. Wenn in Dänemark an heißen Tagen oder über dem brennenden Licht die Luft flimmert, dann treibt Loki seine Ziegen oder Schafe oder sät seinen Hafer. Und wenn die Sonnenstrahlen durch die Wolken scheinen, dann heißt es: „Lokke trinkt Wasser". Während in diesen Wendungen sein natürlicher Ursprung hervortritt, spricht in anderen Gegenden aus denselben Wendungen mehr sein alfischer Charakter. So findet sich für Lokki die Bezeichnung vetti oder aarevetti (Wicht oder Herdwicht; Saetersdal) oder bjergmand in Dänemark.

Proteusnatur

Bei seinen Unternehmungen kommt Loki häufig seine wechselhafte Natur zustatten, die er, wie alle alfischen Wesen, besitzt, und sein enges Verhältnis zu den chthonischen Zwergen. So hat er in Magdgestalt acht Winter unter der Erde Kühe gemolken und Kinder geboren (Lokasenna, 23), als Stute wurde er der Vater des Hengstes Sleipnir (Hyndluliodh 40), im Falkengewand flog er zum Riesen Thrym (Thrymskvidha), als Floh stach er Freyja, um ihr das Brisingamen abnehmen zu können (FaS. I 393), als Fliege hinderte er die Zwerge Brokk und Sindri an ihrer Arbeit (Snorra-Edda I 340), in Seehundsgestalt rang er mit Heimdall um das Brisingamen (SnE. I 268. Ulfr Uggason), in Lachsgestalt verbarg er sich nach dem Tode Baldrs im Wasserfall (SnE. I 184), als Fisch überlistete er im faer. Lokkatáttur den Riesen.

Dazu besitzt Loki Schuhe, die ihm den Weg durch Luft und Meer ermöglichen (SnE. I 344). Unter der Erde schmiedete er, wie sonst die Zwerge, das Schwert Laevatein (Fjöls. 26), mit anderen Zwergen glättete er den Estrich im Hof der Menglödh. (ebd. 34), und auf sein Bestreben hin fertigten die Zwerge die goldenen Haare der Sif, das Schiff Skidbladnir und Odins Speer Gungnir (SnEdda. I 340).

Quellen

Einzelnachweise

  1. Neuisländische Volksmärchen (Zeno.Org). Adeline Rittershaus, S. 51 ff.
  2. Deutsche Mythologie (Internet Archive). 3 Bände. Jacob Grimm. 4. Aufl. von E. H. Meyer. Berlin, F. Dümmler, 1875. Bd. II, S. 763 f.
  3. Eyrbyggja Saga, S. 27; Grettis saga Ásmundarsonar, 63; Gullthoris Saga, 9; Hervarar-Saga, 211 ff.

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