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Die Lyrik ist im ursprünglichen Sinne das mündliche Vortragen einer Dichtung in Versform (Gedicht) zum Spiel der Lyra. So wie noch in der heutigen Zeit, so spielte sie ebenso im ritterlich-höfischen Leben des Mittelalters, meist in Form des musikalischen Vortrages, eine große Rolle in der Geselligkeit.

Beschreibung

Als populäre Lyrik in Geselligkeit ist in erster Linie die Liebeslyrik zu nennen. Daß eine solche, wo nicht in der subjektiven, so doch in der objektiven, chor- oder balladenmäßigen Art, auch in Mitteleuropa schon sehr lange existiert hat, muss ebenso angenommen werden, wie man auch zugeben muss, daß Forscher aus den erhaltenen Literatur-Denkmälern über die speziellere Frage der Haltung dieser Erotik kaum greifbare Fakten entnehmen können. Der Romanist ist in diesem Punkt besser gestellt.

Während man als Vorläufer der französischen und provenzalischen Lyrik eine reiche Zahl von Proben verschiedener Arten der objektiven Gesellschaftslyrik, Romanzen, Pastourellen und dgl. besitzt, die man sich für noch frühere Zeit wohl nicht wesentlich anders zu denken braucht: so sind unter den durch die Minnesängerhandschriften aufbewahrten Liedern nur sehr wenige, die älter und rein volkstümlichen Ursprungs sein können (MF. I, I). Weiter zurück sind vereinzelt ein paar Zeilen Gelegenheitsgedichte, ein paar Notizen über Hymnen, Leichengesänge und dgl. überliefert, die jedoch kein konkretes Bild geben (s. Gesang).

Britische Inseln

Auch in England ist man kaum besser dran. Man hat dort eine reicher entwickelte Kunstpoesie in einheimischer Sprache, aber von Überresten geselliger Poesie ist kaum mehr etwas Wesentliches erhalten. Nur eine der kleinsten Gattungen, das Rätsel, ist auch auf deutschem wie englischem Boden durch reichlichere Überlieferungen vertreten. Man kann dieser Gattung, allgemeiner der Spruchpoesie und -prosa, deren Vorhandensein und Bestimmung für Geselligkeiten allenthalben selbstverständlich ist, auch manches von den mythologischen oder auch von den Heldenliedern der Lieder-Edda zurechnen, die sich in ihrer ganz oder halb dialogischen Manier wie eine Art von Katechisation ausnehmen.

Skandinavien

In Skandinavien hat sich die Poesie zu der höchsten sozialen Bedeutung emporgeschwungen. Die nordischen Skalden bewahrten die freie Geburt und das hohe Ansehen des germanischen Sängers, sie wurden zu unentbehrlichen Mitgliedern des norwegischen Hofstaates; auch nach der Lostrennung Islands gehörte es zur vollendeten Erziehung der vornehmen Godensöhne der Insel, die Skaldenkunst am norwegischen Hofe gelernt und geübt zu haben, und ein historischer Skalde ist sogar unter den Göttern der Edda. In Skandinavien und Island wurde auch die Pflege der alten Religionsreste wie der verschiedensten anderen Literaturgattungen Jahrhunderte lang geübt, und wir verdanken den norwegischen und isländischen Poeten jene mythologische Literatur, deren eigenartiger Glanz die Forscher lange darüber hinweggetäuscht hat, daß sie, dem Geschmack der vornehmen Gesellschaft dienend, eine schwer analysierbare Kontamination heidnischer, christlicher und höfischer Ideen ist; bezeichnend ist dafür vor allem jener erst dort entstandene Mythus von Valhǫll, in dem sich das Ideal kriegerisch-adligen Lebens zusammenfaßt.

Quellen

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