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Als Münzwesen bezeichnet man Münzen als Einrichtung des wirtschaftlichen Verkehrs. Das Münzwesen kam bei den Griechen um das Jahr 700 v. Chr. oder etwas früher auf und verbreitete sich von dort aus über die ganze Welt des Altertums. Griechische Gepräge veranlaßten und beeinflußten selbst noch in sehr viel später Zeit die Entstehung des Münzwesens z.B. bei den Kelten.

Allgemeines

Den Germanen wurde die Bekanntschaft mit Münzgeld durch die Römer vermittelt; römische Denare aus dem Ende der republikanischen Zeit, sog. römische Familienmünzen, kamen bei ihnen zuerst in Umlauf. Oft erwähnt ist die Stelle im 5. Kapitel der Germania des Tacitus : "Pecuniam probant veterem et diu notam, serratos bigatosque. Argentum quoque magis quam aurum sequuntur..."; d.h.: "Das alte Geld und lang bekanntes ist ihnen recht, so die Stücke mit gezahntem Rande und einem Zweigespann. Überdieß suchen sie mehr das Silber als das Gold,..." [1]

Einfluß des römischen Münzwesens

Die Vorliebe fürs Silber behielten die Germanen lange Zeit. Der deutscher Historiker Theodor Mommsen [1] nahm an, daß der Großteil des römischen Silbergeldes zu ihnen über die Grenzen gewandert und dort über Jahrhunderte in Umlauf geblieben sei. Als der römische Münzfuß sank, befreundeten sich die Germanen auch mit dem leichteren neronischen Denar und seinen noch schwächeren Nachfolgern bis in die Zeit des severischen Hauses.

Nach einem Zeugnis aus der Zeit des Severus Alexander [2] (zum Jahre 234/5 bei Herodian VI, 7) ließen sich die Germanen den Frieden von den Römern in Gold bezahlen. In der Tat lehren Münzschätze aus dem 3.-5. Jh., die auf dem Boden des freien Germaniens aufgedeckt wurden, daß in jener Zeit große Goldmengen aus dem Römischen Reich nach Mitteleuropa geflossen sein müssen. Seit dem Ende des 4. Jh. sahen sich die römischen Kaiser genötigt, Goldzahlungen an die "Barbaren" bei Todesstrafe zu verbieten. [2]

Das römische Geld kam teils als Kriegsbeute oder Kriegsentschädigung, teils auf friedlichem Wege durch Handelsverkehr, oder als Ersparnis heimkehrender Krieger nach Deutschland. Die einfache Wirtschaftsverfassung, die damals hier herrschte, macht es wahrscheinlich, daß das fremde Geld von den Germanen anfänglich weniger für die Bedürfnisse des Umlaufs Verwendung fand, sondern mehr als Schatzgeld oder Schmuck benutzt wurde. Vorallem gute Silbermünzen wurden gern gehütet, wie die Bezeichnungen: got. skatts, anord. skattr, ags. sceat, afries. sket zeigen.

Nachmünzung römischer Gepräge

Münzwesen RdgA Bd. 03 Tafel 17

Tafel 17: Germanische Nachprägungen

Als älteste germanische Münzen galten mitunter einige Nachbildungen von Denaren aus der Zeit der Römischen Republik, auf denen man die Namen von Quadenkönigen: Sissarus, Vannius, Ariogäsus und dgl. zu enträseln glaubte. Es besteht durchaus eine gewisse Wahrscheinlichkeit, daß die Anfänge germanischer Münzprägung in Gegenden zu suchen sind, die dem römischen Reiche benachbart waren, doch sprachen spätere Untersuchungen den Quaden die erwähnten Nachmünzen ab und teilten sie stattdessen den keltischen Araviskern zu.

Wo und wann deutsche Goldschmiede zum erstenmal als Münzarbeiter tätig waren, ist sehr schwer zu sagen, obwohl sich unter der großen Menge von mehr minder geglückten Nachbildungen römischer Gepräge, die man ungesichtet unter dem Gesamtausdruck „barbarische Nachahmungen von Römermünzen" zusammenfaßt, sicherlich manches germanische Erzeugnis befindet. Häufiger wurden diese Nachmünzungen seit der konstantinischen Zeit (ca. 4. Jh.) und bei jenen Germanen, die dem Römerreiche benachbart waren oder ihre Sitze sogar auf römischen Reichsboden vorgeschoben hatten.

Im großen Goldschatz, der anderthalb Jahrtausend, nachdem er vergraben worden war, 1907 zu Dortmund wieder aufgedeckt wurde, gab es viele Nachprägungen gallischen und germanischen Ursprungs, die sowohl an ihrem Prägestil und öfters auch an ihrem blassen Metall zu erkennen waren. Stilistisch waren die Kopfseiten meist besser gelungen, als die Bilder der Rückseiten. Oft waren die Aufschriften fehlerhaft, zum Teil selbst sinnlos, in einem Falle (s. Tafel 17, Nr. 2) wurde der Stempel einer zu Trier geprägten Silbermünze in Gold nachgeschlagen.

Ziemlich sicher germanische Erzeugnisse sind 16 kleine Silbermünzen, die zugleich mit dem Dortmunder Goldschatz zutage kamen, demselben aber wahrscheinlich erst etwas später beigegeben wurden. Sie zeigen auf der einen Seite einen bartlosen Kopf von rechts mit sinnlosen Buchstabenresten, auf der Kehrseite ein Kreuz oder "X", zuweilen von Punkten begleitet, in einem dreifachen Kreisrahmen, der mal einem Perlenkreis, mal einem Blätterkranz ähnelt (vgl. Tafel 17 Nr. 3).

Quellen

Einzelnachweise

  1. Tacitus, De origine et situ Germanorum (Germania). Übersetzung "Die Germania des Tacitus". Anton Baumstark: Freiburg 1876. Digitalisat auf Wikisource.
  2. Geschichte des römischen Münzwesens (Google Books). Theodor Mommsen. Weidmannsche Buchhandlung, 1860S. 772

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