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Als Magna Germania bzw. Germania Magna („Großes Germanien“) wurde in der Antike der Rom bekannte, aber nur zeitweise besetzte Teil des Siedlungsgebiets der Germanen östlich des Rheins bis zur Elbe und nördlich der Donau bezeichnet. Im südöstlichen Bereich war die Moldau Grenzfluss.

Die Geographie der Magna Germania wurde von Ptolemäus um 150 n. Chr. in seiner Geographike Hyphegesis durch die geographischen Koordinaten der Hauptorte umfassend beschrieben. In diesem Gebiet sind außerdem einige römische Lager bekannt, die von den Truppen über einen Zeitraum von bis zu mehreren Jahren genutzt wurden. So z.B. Aliso.

Allgemeines

Um 71 v.Chr. überschritt der Heerkönig der Sueben, Ariovist († 54 v.Chr.), mit Unterstützung weiterer germanischer Stämme (ca. 120.000 Mann) den Rhein, besiedelte Elsass, Pfalz und Rheinhessen - das Gebiet der keltischen Gallier. Diese riefen nun die Römer zu Hilfe, aber gelangten dadurch (Sieg Caesars 54 v.Chr.) unter römische Herrschaft. Römische Vorstöße durch Drusus und Tiberius zwischen 12 und 8 v.Chr. führten zur Unterwerfung der Germanenstämme bis zur Elbe (die durch die Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9 n. Chr. beendet wurde).

Ab 375 n.Chr. beginnt die Völkerwanderungszeit: Nomadenstämme der Hunnen flüchten vor den Mongolen und lösen durch ihre Raubzüge nach Westen die Wanderung der Germanenstämme aus. Am Beginn der Hunnenkriege (375-450) werden die Ostgoten unterworfen. Mit dem Untergang des Weströmischen Reiches (476 n.Chr.) zerfallen die Verwaltungsstrukturen und kulturellen Einrichtungen; die römischen Siedlungen werden verlassen und markieren das Ende von Magna Germania. [1]

Römisches Germanien

Tacitus sagte in seiner Germania (cap. 37): „Unsere Stadt lebte das Jahr 640, als zum ersten Male die Waffen der Kimbern gehört wurden, da Cäcilius Metellus und Papirius Carbo Consuln waren, so daß, wenn wir bis zu des Kaisers Trajanus zweitem Konsulat rechnen, gerade 210 Jahre zusammen kommen. So lange schon wird Germanien besiegt ... Schärfer freilich als Arsaces’ königliche Macht, ist die Freiheit der Germanen." Schon die Römen hatte das Gefühl, daß die Germanen „in der nächsten Zeit mehr vom Triumph besiegt wurden als in der Schlacht" (Germ, 37). [2]

Eroberung durch die Römer

Triumphzeichen römischer Siege über Germanen erhoben sich zwar in den verschiedensten Gegenden der römischen Welt in nicht geringer Zahl. An den Donaumündungen kündet heute noch das Siegesdenkmal Tropaeum Traiani wp von Adamklissi (Rumänien), wie hier römische Legionen den germanischen Bastarnern, den Vorläufern der Goten, den Weg über die Donau nach Süden zu verwehren suchten.

Auf der Piazza Colonna in Rom erzählt die Mark-Aurel-Säule wp von den Siegen des Kaisers Mark Aurel an der mittleren Donau über Markomannen und Langobarden. Und über dem Rhein bei Mainz ragt das gewaltige Grab- und Triumphalmonument des Drusus (Drususstein wp) als "Bändiger" der Rheingermanen.

Das Ergebnis der Kämpfe an Donau und Rhein war, dass es Kaiser Augustus glückte, Rhein und Donau von ihren Quellen bis zu den Mündungen zu gesicherten Grenzen des Römischen Reiches zu machen und auch das nächste Vorland zu beherrschen. Die flavischen Kaiser und Traian haben darüber hinaus durch Einverleibung der agri decumates (Dekumatland, ein Gebiet östlich bzw. nördlich von Rhein und Donau) und Dazien die beiden Provinzen als Vorposten des Reiches angegliedert.

Das innere Germanien jedoch blieb frei, auch frei von römischem Militär- und Steuerdienst. Ebenso erfolgte die Besitzergreifung und Romanisierung des schmalen rheinischen Grenzgebiets nur ganz allmählich und war mehrfach mit großen Schwierigkeiten verbunden, je nach der Art der germanischen Stämme, die es bisher innehatten oder streitig machten.

Linksrheinische Germanenstämme

Die linksrheinischen Germanenstämme wurden schon von Cäsar unterworfen. Was Cäsar (Bell. Gall. II 4) von den keltischen Remern erfuhr und was von Tacitus (Germ. 2) bestätigt wurde, war dass: "... das Wort 'Germania' neu und erst vor einiger Zeit hinzugetan wurde, weil jene, die zuerst den Rhein überschritten und die Gallier vertrieben, und die nun Tungren heißen, damals 'Germanen' genannt worden. Also wurde der Name eines Stammes, nicht der des Volkes, allmählich auf alle übertragen, so dass sie Germanen genannt wurden." [2]

Ausgrabungen zeigten, daß im Gebiet der Belger und Treverer schon im 3. bis 2. Jh. v. Chr. eine der rechtsrheinischen germanischen sehr gleichende Kultur herrschte, die sich von der umgebenden keltischen vor allem durch andere Grabriten unterschied. Nun ist es zwar denkbar und durch Cäsars Nachrichten über die süddeutschen und böhmischen Tektosagen auch erwiesen, daß die über den Rhein vorgeschobenen gallischen Stämme allmählich Manches von der Kultur der Germanen annahmen; daß sie jedoch auf dem linken Rheinufer schon so früh von der allgemein üblichen Erdbestattung zu der germanischen Verbrennung übergingen, dafür fehlt es auf dem keltischen Gebiet an Rhein und Donau an Parallelen.

Ein großer Teil der belgischen Bevölkerung und auch noch ein Teil der Treverer zur römischen Zeit dürfte also von einer germanischen Invasion herrühren, die der des Ariovist um ca. 100 Jahre vorausging. Tatsächlich muten auch sehr viele der auf den Trierer Denkmälern dargestellten Gesichter der Moselbewohner germanisch an. Die Scharen des Ariovist (Vangiones, Nemetes, Triboci usw.) besetzten Rheinhessen, Rheinbayern und das untere Elsaß um das Jahr 72 v. Chr., wie auch die archäologischen Bodenfunde erkennen lassen, und behielten diesen Landstrich auch nach ihrer Besiegung durch Cäsar im Jahre 58 bei.

Nachdem auch die Ubier, von den Römern Agrippinenses genannt, 38 oder 19 v. Chr. auf das linke Ufer in die Gegend von Bonn und Köln umgesiedelt wurden, war zu Beginn des Römischen Kaiserreichs fast das gesamte linke Rheinufer von germanischen Stämmen bewohnt, die, abgesehen von einigen Aufständen in der zweiten Hälfte des 1. Jhds., treu zu Rom hielten. Als Bundesgenossen (lat. socii) zu wehrhaftem Grenzschutz angesiedelt, "auf daß sie wehrten, (und) nicht daß sie bewacht wurden" (Tacitus, Germ. 28), haben sie mehr als vier Jahrhunderte diese Aufgabe für Rom erfüllt und wurden dabei in der äußeren Kultur fast völlig romanisiert, die südlichen Stämme mehr als die nördlichen.

Die römischen Inschriften nennen nur sehr wenige germanische Namen, offenbar weil diese Germanen wie so viele andere ihren Stolz darin suchten, römische Namen zu tragen. Ihre Gräberinventare unterscheiden sich vom 2. Jh. ab kaum von denen der anderen römischen Provinzialen; nur einige Götterkulte (matres, matronae) usw. verraten den germanischen Ursprung. Als diese Gegenden im 5. Jh. nach dem Sturz der Römerherrschaft von Burgunden, Alamannen und Franken besetzt wurden, trafen diese am Mittel- und Oberrhein nur noch wenig ursprünglich rein germanische Kultur an, wenn auch die alte germanische Tradition speziell bei der ärmeren Bevölkerungsschicht zweifellos weiterbestand.

Rechtsrheinische Germanenstämme

Auch am rechten Rheinufer wurden schon vor der eigentlichen Okkupation dieses Gebietes durch die Römer in römischen Diensten stehende germanische Vasallenstaaten geschaffen; zwischen Neckar und Main die Neckarsueben (lat. Suebi Nicrenses) mit dem Hauptort Lopodunum (heutiges Ladenburg, Civitas Ulpia Sueborum Nicretum), zwischen Main und Lahn die Mattiaker, am Niederrhein die Bataver, von denen Tacitus (Germ. 29) sagte, dass: „keine Auflagen sie entwürdigen, kein Zoll sie erdrückt: von Lasten freigehalten und von Steuern, nur für Verwendung in den Schlachten zur Seite gestellt wie Wehr und Waffen, werden sie zum Kriee aufbewahrt".

Auch nach der Einverleibung des rechtsrheinischen Gebietes in das Imperium Romanum durch die Limesanlagen unter Domitian und Trajan scheinen sie, zum Teil gestützt auf die alte Gesellschaft (lat. societas), besondere Vorrechte genossen zu haben. Und auch nach Verlust des Limes um 260 n. Chr. haben die Neckarsueben und die Mattiaker wieder freiwillig die Grenzwacht für Rom übernommen.

Inneres Germanien

Die Absichten der Römer auf das innere Germanien galten in der ersten Hälfte des 1. Jhs. mehr dem Küstengebiet der Nordsee. Im "Monumentum Ancyranum" (Res gestae divi Augusti) sagt Kaiser Augustus: „Die Provinzen Galliens und Spaniens, ebenso Germanien habe ich befriedet, ein Gebiet, das der Ozean von Gades bis zur Mündung der Elbe umschließt" und weiter: "Meine Flotte fuhr von der Mündung des Rheins über den Ozean in östliche Richtung bis zum Land der Kimbern. Dorthin war zu Wasser und zu Lande bis zu diesem Zeitpunkt noch kein Römer gekommen." [3]

Tatsächlich verleibte Augustus auch den Küstenstrich von den Rheinmündungen bis zur Elbe, das Gebiet der Friesen, Ampsivarier, Chauken und der Angrivarier dem römischen Reich ein. Indess vermochte er die südlich davon wohnenden Brukterer, Cherusker, Marser, Chatten usw. ebensowenig wie seine Nachfolger dauerhaft zu bezwingen. Nach vielen Schwankungen, indem z. B. Claudius die römischen Garnisonen ganz vom rechten Rheinufer zurückzog, während Vespasian wieder energisch und siegreich gegen die Brukterer vorging, war um das Jahr 100, abgesehen vom Gebiet der Bataver, wieder das gesamte rechte Ufer am Niederrhein frei von Römerherrschaft und sollte es auch bleiben, wenngleich das nächste Vorland wie eine Art Festungsglacis behandelt wurde.

Auch am Mittelrhein wurde ursprünglich ein schmaler Schutzstreifen jenseits des Flusses von den Römern festgehalten, durch Zurückdrängung der Sugambrer und Chatten in das Gebirge. Zu Tacitus' Zeit reichten schon die Tenkterer und Usipier als freie Germanen bis an den Rhein heran, so daß die Römer von Castra Vetera aus den Kampf zwischen Brukterern und Chamavern wie in der Arena ein Gladiatorenschauspiel genießen konnten. „Über 60,000 fielen, nicht den römischen Waffen und Geschossen, sondern, was herrlicher ist, der Ergötzung und den Augen", sagt Tacitus (Germ. 33) und fährt als Römer fort: „So bleibe denn, ich bitte, und daure fort bei den Völkern, wenn nicht die Liebe zu uns, doch wenigstens der Haß gegen sich selbst." [2]

Bau der Limesanlage

Von dem Punkt an, wo das Gebiet der linksrheinischen Ubii-Agrippinenses und mit ihm die Germania inferior ('Niedergermanien') aufhörte, und ein schmaler Streifen der Provincia Belgica (Gallia Belgica) beiderseits der Mosel sich bis nahe an den Rhein herandrängt, wo auf dem rechten Rheinufer die verbündeten Mattiaci den Puffer gegen die gefährlichen Chatten bildeten, wo die Silbergruben an der Lahn, der fruchtbare Rheingau mit seinen heißen Quellen bei Wiesbaden und die dicht bevölkerte reiche Wetterau mit ihrer Salzstätte bei Nauheim zu schützen waren.

Von da an zogen die Römer eine stark befestigte Grenzwehr auf dem Kamm des Taunusgebirges bis an das große Mainknie und allmählich auch weiter nach Süden durch den Odenwald und die anderen süddeutschen Waldgebirge bis an die Donau. Am Anfang aber nur provisorisch und leicht beweglich, mit der Zeit immer starrer, wurde sie allmählich zur definitiven Reichsgrenze durch Wall oder Mauer weithin sichtbar gemacht. Wie am Niederrhein die Operationen hauptsächlich von Castra Vetera ausgingen, das gegenüber der Lippe (Lupia)-Einmündung liegt, gegen Brukterer, Cherusker usw., so waren sie am Mittelrhein auf das dem Maineinfluß gegenüberliegende Mogontiacum (Mainz) gestützt und gegen Chatten, Sueben und Markomannen gerichtet.

Wie am Niederrhein längs der Lippe, Ems usw. schon von Drusus feste Standlager und Etappenposten (Haltern, Oberaden usw.) angelegt wurden, so längs des Mains (Höchst, Frankfurt usw.) und an seinen Nebenflüssen, auch an wichtigen Straßenknotenpunkten inmitten der Ebene. Die eigentliche Grenzbefestigung (Limes) wurde erst unter Domitian begonnen, dessen Chattenkriege vom Jahre 83 und 89 ihm die Gefährlichkeit dieses Gegners, zumal in den unwegsamen Gebirgsgegenden, offenbarten.

Welcher Art die Schutzanlagen der Chatten waren, das zeigen deutlich die zahlreichen Ringwälle auf den Höhen des Taunus, die, wie Ausgrabungen lehrten, gerade in der germanischen Zeit um die Wende des Jahrtausends eine große Rolle gespielt haben. Der Limes war zu allen Zeiten nur als befestigte Vorpostenstellung gedacht für die Hauptarmee am Rhein und an der Donau. Dementsprechend lagen in den großen Garnisonen dieser Operationsbasis (Straßburg, Mainz, Bonn, Neuß usw.) nur Legionen, in den Kastellen am Limes nur Kohorten und Alen der Hilfsvölker (lat. auxilia), unter letzteren auch Germanen, wie in Jagsthausen.

Die Grenzsperre bestand ursprünglich nur aus einem Flechtwerk- oder Palisadenzaun und aus Holztürmen, die in regelmäßigen Abständen folgten, beide geeignet, herumschweifende, räubernde germanische Banden bis zur Ankunft der nächsten Kastellbesatzung aufzuhalten oder das Herannahen größerer feindlicher Heeresmassen rechtzeitig zu bemerken und rückwärts weiterzumelden. Erst allmählich, vorallem seit Hadrian, wurden die Holz- und Erdbauten durch steinerne ersetzt, seit Anfang des 3. Jhs., als die Alamanneneinfälle am Main begannen, wurde der Palisadenzaun durch Wall und Graben oder eine Mauer verstärkt.

Dieser „Pfahl" und die „Teufelsmauer" machten auf die Germanen augenscheinlich einen großen Eindruck, da sich heute noch die Erinnerung daran in Hunderten von Flurnamen und Sagen abspiegelt und heute noch der Pfahl in gewissen Gegenden eine Grenzscheide auch der Volkssitten bildet. Aber länger als bis zur Mitte des 3. Jhs. vermochte er den Chatten- und Alamannen-Ansturm nicht aufzuhalten. Die meisten Limeskastelle versanken um 260 n. Chr. in Schutt und Asche, wenn auch von einigen späteren römischen Kaisern gelegentlich noch erfolgreiche Vorstöße zum Limes gemacht wurden.

Handelswesen

Der Grund der geringen Kenntnis des römisch-germanischen Handelverkehrs im Inneren Germaniens zur Römischen Kaiserzeit (um 1 bis 375 n. Chr.) liegt hauptsächlich in der Dürftigkeit der schriftlichen Überlieferungen. Erst seit den Kriegen des Drusus und Tiberius kannte man die Entfernungen und Verkehrsverhältnisse Germaniens genauer. Tacitus nennt in der im Jahre 98 herausgegebenen Germania den Handel römischer Kaufleute im Inneren nicht direkt, setzt ihn aber an mehreren Stellen voraus... (weiterlesen). [4]

Karten

Quellen

Sonstige

Wikipedia lexikon3e
Dieses Dokument basiert in seiner ersten oder einer späteren Version auf dem Artikel „Magna_Germania“ aus der freien Enzyklopädie Wikipedia in der Version vom 2. Aug. 2012‎ und steht unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.


Einzelnachweise

  1. Geschichtsbaum Deutschland. National Geographic Deutschland. Britta Orgovanyi-Hanstein. Candor-Verlag, 2006. ISBN 3200005572, ISBN 9783200005570.
  2. 2,0 2,1 2,2 Tacitus, De origine et situ Germanorum (Germania). Übersetzung "Die Germania des Tacitus". Anton Baumstark: Freiburg 1876. Digitalisat auf Wikisource.
  3. Wikipedia: Res gestae divi Augusti: Der Text auf Deutsch und Latein (Alte Geschichte - TU Berlin)
  4. Hoops, aaO. Bd. II; S. 385 (Art. Handel)

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