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Meister Eckhart von Hochheim (* 1260; † 1328) war ein bedeutender deutscher Mystiker, Theologe und Philosoph des Spätmittelalters. Geboren wurde er in Diehtharz (Tambach-Dietharz) auf der Burg Altenfels in Thüringen. Andere vermuten - nach seinem Vater Eckehard, Ritter von Hochheim - Hochheim (bei Gotha) als Herkunftsort.

Geschichte

Eckhart von Hochheim stammte aus ritterlichem Geschlecht und wurde um 1260 in Thüringen geboren. Schon als Jugendlicher trat er in den Orden der Dominikaner ein, in dem er später hohe Ämter erlangte.

Er studierte in Köln und lehrte um ca. 1293-1300 in Paris Theologie. Danach übernahm er die Verwaltung der thüringischen Ordensprovinz, ehe er zehn Jahre später erneut in Paris tätig war. 1302 wurde Eckhart von Papst Bonifaz VIII. zum Dr. ernannt. 1307-11 wurde er Generalvikar seines Ordens, und so lehrte und predigte Meister Eckhart in ganz Deutschland mit größtem Ruhm, zuletzt in Köln.

Von 1314 bis 1322 war Eckhart Vorsteher des Dominikaner-Konvents in Straßburg und leitete danach die Ordenshochschule in Köln. Dennoch wurde schließlich ein Prozeß in Glaubenssachen gegen ihn eingeleitet; er verstand sich zu einem bedingten Widerruf. Ehe das Endurteil, die 28 seiner Sätze verdammende päpstliche Bulle erschien, starb er 1327/28.

Wirken

Vor allem als Prediger erzielte Eckhart von Hochheim eine starke Wirkung, seine Formulierungskraft beeindruckte Zeitgenossen und Nachwelt. Zur Gestaltung der deutschen philosophischen Fachsprache leistete er einen wichtigen Beitrag. Sein Hauptanliegen war die Verbreitung von Grundsätzen für eine konsequent spirituelle Lebenspraxis im Alltag. Mit unkonventionellen, teils provozierend formulierten Behauptungen und schroffem Widerspruch zu verbreiteten Überzeugungen erregte er Aufsehen. Umstritten war beispielsweise seine Behauptung, der „Seelengrund“ sei nicht wie alles Geschöpfliche von Gott erschaffen worden, sondern sei göttlich und ungeschaffen. Im Seelengrund sei die Gottheit stets unmittelbar anwesend. Die katholische Kirche verurteilte einen Teil seiner Thesen.

Philosophische Lehren

Eckhart schloss sich zunächst an die philosophische Lehre seiner Ordensgenossen Albertus Magnus und Thomas von Aquin an; besonders seine lateinischen Schriften zeigten ihn von letzterem sehr abhängig [1]. Seine Eigentümlichkeit tritt jedoch weit lebendiger in den deutschen Schriften hervor, in denen er sich an die Gemeinde wendet. Er war der erste bedeutendere deutschsprachige Philosoph.

Zwar brachte er inhaltlich nicht besonders viel Neues, wenn man an Plotin, Eriugena und die Reihe der anderen Mystiker denkt, aber er predigte volksnah und verband seine Lehren mit Alltagstauglichkeit. Dabei bildete er zum ersten Mal eine deutsche Kunstsprache für die Philosophie. Sein Hauptanliegen dabei war natürlich die Wirkung auf das religiöse und sittliche Leben seiner Hörer und Leser.

Realismus

Wie Albertus Magnus und Thomas von Aquin, war auch Eckhart einerseits Realist; das Allgemeine war für ihn das wahrhaft Seiende; anderseits war aber auch Intellektualist. Sein bedeutete für ihn Erkenntnis. Letztere aber fand ihre Befriedigung nur in dem unbegreiflichen und unaussprechlichen göttlichen Urgrund aller Dinge.

Dieser, die Gottheit, muss, um aus dem dunklen Abgrund der göttlichen Natur zum wirklichen, lebendigen "Gott" zu werden, "sich bekennen und sein Wort sprechen”. So gebiert er das göttliche Wort, seinen Sohn und, indem er sich selbst in dem Sohne liebt, "geistet" er die "Minne", die ihn und den Sohn miteinander verbindet, den heiligen Geist. Wie den Sohn, so erzeugt Gott aus dem Nichts auch alle Kreatur, deren Idee er in sich vorgebildet sah. Er bleibt in ihnen und sie in ihm, die "ungenaturte" Natur in der "genaturten" Natur und umgekehrt.

Alle Dinge hatten in Eckarths Sicht nur ein Wesen, insofern sie in Gott sind. Er ist allerorten, denn er ist ungeteilt. Das "Hie und Nu", d. h. ihre räumliche und zeitliche Bestimmung, ist eigentlich Nichts, für Gott nicht da. Alles Sinnliche, alles Mangelhafte, alles, was sich in der Kreatur gegen Gott behaupten will, alles Übel und alle Schranke ist also ein Nichts, ein Abfall von Gottes Wesen. Alle Dinge gehen von Gott aus und wollen zu ihm, ihrem Ursprung und wahren Sein zurück, wollen "entwerden".

Die menschliche Seele

Für Eckhart gehen alle Dinge von Gott aus und wollen zu ihm, zu ihrem Ursprung und wahren Sein zurück, wollen "entwerden". So auch das Beste unter dem Geschaffenen, um dessentwillen alles Übrige da ist, die menschliche Seele, deren Entdecker dieser deutsche Mystiker recht eigentlich gewesen ist. Sie trägt ein doppeltes Antlitz: das eine dieser Welt und dem Körper zugekehrt, den sie zu seiner ganzen Wirksamkeit befähigt, das andere unmittelbar auf Gott gerichtet.

Auf dem Grund der Seele ruhte für Eckhart das "Fünklein" oder "Gemüt", in dem das Göttliche ohne Mittel und Hülle erscheint. "Warum bleibt ihr nicht bei euch selbst und greift in euer eigen Gut? Ihr tragt doch alle Wahrheit wesentlich in euch." Diesem nachgehend, muss der Mensch, wenn er zu Gott kommen will, sich selbst sterben, seine Eigenheit aufgeben, ohne Willen sein, damit das Göttliche in ihm zur Herrschaft komme.

Das ist der Zustand der Abgeschiedenheit, d. h. der Freiheit von allen Affekten, der Gelassenheit, der alles recht ist, was Gott tut, ihr höchster Grad die Armut, die nichts weiß, nichts will, nichts hat. "Befinde ich mich in diesem Zustand, dann gebiert Gott seinen Sohn in mich. Alles sittliche Tun geht aus von diesem Geborenwerden Gottes in meiner Seele, und nun kann ich nicht mehr fallen, denn Gott ist in mir. Ein solcher Mensch kann selbst Christus, ja Gott genannt werden, nur dass er aus Gnaden wurde, was Gott von Natur ewig ist. In diesem Sinne sind alle Menschen ein Sohn Gottes, ein einziger Ausfluß des ewigen Wortes."

Tugenden

Tugendhaftes Handeln war für Eckhart also ein Wirkenlassen des Göttlichen in sich selbst, ein zweckloses Handeln. Selbst das ewige Leben und die ewige Seligkeit, die hier schon ihren Anfang nahmen, waren keine berechtigten Zwecke. Sittlichkeit war nicht Tun, sondern Sein, das mühelos aus der Seele floss, wie der Buchstabe aus der Feder des geübten Schreibers. Alle Tugenden waren daher im Grunde nur eine; die Harmonie der Seele in der Unterordnung ihrer niederen Kräfte (Sinn, Verstand, Begierde) unter die höheren (Erkenntnis, Vernunft, Wille) macht ihre Schönheit aus; Liebe (“Minne”) war ihr Prinzip.

Eckhart lehrte, dass Liebe alle Furcht vertrieb und alle Sünde bedeckte; sie wusste nichts von Sünde, sie war stark wie der Tod, fest wie die Hölle. Darum sollte der Mensch also sein, dass all sein Leben Liebe wäre. Die äußeren Werke (Fasten, Beten, Wachen, Kasteiung) schätzte Eckhart nur insoweit, als sie zur Sammlung und Einkehr in sich selbst dienten; nur auf das innere Werk, das Aufgehen der Seele in Gott, kam es an. Wollte die Seele "Frieden und Freiheit des Herzens in einer stillen Ruhe" finden, so musste sie "wieder heimrufen allen ihren Kräften und sie sammeln von allen zerstreuten Dingen in ein inwendiges Wirken". Das wahre Gebet war für ihn wortlos.

Selbstveredelung

Seine Ausbildung des mystischen Standpunktes hielt Meister Eckhart trotzdem nicht von einer gesunden Anschauung über die Pflichten des täglichen Lebens ab. Er gestand nicht nur zu, dass beim visionären Schauen Gottes Selbsttäuschung möglich sei, und dass der Mensch in jener Ekstase nicht beständig verharren könne, sondern er gestattete jene Freiheit vom Gesetz und von aller Tätigkeit nur dem Innersten Gemüte, jenem göttlichen "Fünklein".

Von diesem Fünklein als Zentrum aus sollten alle Seelenkräfte zu fruchtbarem Wirken bestimmt, das Ewige ins Zeitliche übertragen werden. Bloße Beschaulichkeit war für Eckhart Selbstsucht. Der Mensch sollte nicht die Dinge fliehen und sich in eine Einöde kehren, vielmehr eine innere Leere lernen, die Dinge aber durchbrechen und darin wachsen ohne Unterlass, "ordentlich, redlich und wissenlich" alles zeitliche Werk zu vollführen suchen.

"Wäre der Mensch in Verzückung, wie St. Paulus war, und wüsste einen siechen Menschen, der eines Süppleins von ihm bedürfte, ich achte es weit besser, dass du ließest aus Minne von der Verzückung und dientest dem Dürftigen in größerer Minne." Nicht die Werke heiligten den Menschen, der Mensch sollte die Werke heiligen. Aus dem rechten Grund flossen die rechten Handlungen von selbst. "Tue ein jeder das, wozu er sich am meisten von Gott gedrungen fühlt, und übe Entsagung da, wohin es ihn am meisten zieht. Es gibt viele Wege zu Gott, du kannst ihn beim Feuer oder im Stall ebenso gegenwärtig haben als in der Einöde oder in der Zelle."

Vergottung

Da Gott den Prozess der Wiedereinbildung alles außer ihm Seienden in sich mittels der menschlichen Seele vollzog, so bedurfte er ihrer und stellte ihr nach, um sie zu sich zu ziehen. "Gott mag mich nicht entbehren; wäre ich nicht, so wäre Gott nicht. Gott ist Mensch geworden, damit ich Gott werde." ("Vergottung", vgl. Areopagita, Maximus, Eriugena u. a.) Und der Mensch, der sich nach der Einheit mit Gott sehnte, brauchte ihn nicht zu "suchen, weder hie noch da; er war nicht ferner als vor der Tür des Herzens, da stand er und wartete, wen er bereit fand, der ihm auftat und ihn einließ". Auch das Böse war für Eckhart schließlich nur ein Mittel für die Verwirklichung des ewigen Weltzwecks.

Theologische Lehren

Auch auf dem Gebiet der Theologie versuchte Eckhart spekulativ zu vergeistigen und verinnerlichen. So bezog er Stellung zu den Dogmen der Menschwerdung, Genugtuung, den Sakramenten, Tod, Hölle und Auferstehung. Ihn band keinerlei Dogma, überhaupt kein geschriebenes oder gesprochenes Wort. Im jüngsten Gericht z.B. sprach nach seiner Vorstellung nicht Gott, sondern jeder Mensch sich selbst sein Urteil; wie er dann erschient, so würde er bleiben.

Begreiflich genug, dass die Kirche gegen einen solchen “Freigeist” einschritt, zumal da seine Lehre die schroffe Scheidung zwischen Klerus und Laien bewußt durchbrach und eine tiefe Wirkung auf die letzteren übte. Dagegen bereitete seine religiöse und sittliche Verinnerlichung den Boden für die Reformation des 16. Jhs., ja in seiner kräftigen Betonung der Individualität steckte bei allem sonstigen Gegensatz schon ein Stück Renaissance.

Quellen

Literatur

  • J. Bach, Meister Eckart, der Vater der deutschen Spekulation. Wien 1864.
  • A. Lasson, Meiser Eckart der Mystiker. Berlin 1868.
  • Strauch, Eckhart-Probleme (Rede), Halle 1912.

Einzelnachweise

  1. Denifle, Archiv für Literatur- und Kirchengeschichte des Mittelalters. Bd. II, S. 417-652.

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