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Der Genuß der Milch ihrer Haustiere war für die Menschen im Altertum genauso selbstverständlich, wie die Bestellung des Ackerlandes mithilfe ihrer Tiere und dem Pflug.

Allgemeines

Verbreitet war unter Forschern die vorherrschende Nomadentheorie, daß der urzeitliche Mensch als Jäger dazu überging, seine Beutetiere zu zähmen und ihre Milch zu benutzen, statt daß er sie wie früher nur tötete und verzehrte. Allerdings musste die spätere moderne ethnologische Forschung feststellen, daß diese Entwicklung so nicht stimmte. Sie fanden heraus, dass die Milch vielmehr über Umwege als Opferspende, die die Götter erfreuen oder stärken sollte, erst verhältnismäßig spät in die menschliche Wirtschaft hineingekommen ist; und zwar von Anfang an in Verbindung mit den Dingen, die zur Weiterentwicklung des Ackerbaus führten, also besonders mit der Einführung des Rindes in die menschliche Wirtschaft.

Auch für die germanischen Völker wurde das Überwiegen der Rindermilch bewiesen. Allerdings nahm im Altertum weder die Milchwirtschaft noch die Käsegewinnung derart große Ausmaße an, dass sie den Getreideanbau beiseite gedrängt hätte, wie das in der Neuzeit in manchen Landschaften, wie z.B. der Schweiz (die Marschen), geschah. Jedoch nehmen Forscher für die Zeit des Mittelalters an, daß Großbauern, besonders aber auch Großbesitzer (die Klöster) ihre Wiesen und das Weideland mit Einziehung der Auwälder von Einzelhöfen aus mit verhältnismäßig geringem Ackerbau und mit verhältnismäßig starker Viehbesetzung auf die Dauerprodukte der Milch, Butter und Käse, hin nutzen ließen. Diese Entwicklung vollzog sich nicht nur in den Anfängen der Sennerei im Gebirge, sondern auch in der Schwaigewirtschaft im Flachland Bayerns.

Tierarten

Neben der Kuh wurden auch in Mitteleuropa schon seit der Steinzeit Ziegen und Schafe als Milchtiere genutzt. Gerade die Ziege war - mehr als heute - ein Milchtier auch größerer Besitzungen, da sie damals in größerer Zahl gehalten wurde. Zumal Ziegenkäse höher als Kuhkäse geschätzt wurde. Ob die Ziege allerdings darüber hinaus jemals eine größere Bedeutung als Hauptwirtschaftstier bei den germanischen Völkern Mitteleuropas hatte, erscheint zweifelhaft. Schafkäse war vergleichsweise selten und wurde deshalb schon damals hoch geschätzt, genau wie heute.

Die Verwendung von Pferdemilch in Mitteleuropa ist so gut wie nicht bezeugt. Doch wird von den osteuropäischen Völkern in älteren und jüngeren Nachrichten überliefert, dass sie Stutenmilch nutzten und nach asiatischer Analogie daraus ein berauschendes Getränk zubereiteten. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass das Pferd zu irgend einer Zeit als Milchtier irgendeine größere Bedeutung hatte... Weiterlesen.

Berauschende Milch

Die Überlieferung, dass sich die osteuropäischen und asiatischen Völker an Stutenmilch berauschten, führt zu einem recht vernachlässigten Themengebiet, zur Verwendung von Milch für berauschende Getränke, auch in der älteren mitteleuropäischen Wirtschaft. Anders als im Altertum ist in der Moderne der direkte Genuß der frisch gemolkenen Milch kaum gebräuchlich, zumeist vielmehr geradezu verpönt. Doch auch aus der Bronzezeit lassen Funde in Nordeuropa und Schottland auf den Verzehr von dünnflüssiger, saurer Milch schließen, wie es heute noch in Finnland und in Island gebräuchlich ist. Diese Milch enthält Hefen, die alkoholische Gärung bewirken. Auch die schäumende Buttermilch, die der deutsche Reiseschriftsteller Johann Georg Kohl (1808–1878) aus dem Bremer Teufelsmoor erwähnt, war vielleicht etwas ähnliches. Ebenso kannte man bis in die Neuzeit hinein in der Steiermark, so wie früher in Schottland, die Buttermilch als Dauergetränk.

Archäologische Forschungen

Das gesamte Gebiet der Milchwirtschaftsgeschichte ist ein recht schwieriges, da kaum archäologische Daten vorhanden sind und Forscher größtenteils auf den mühsamen wirtschaftlichen Vergleich von ethnographischen und wirtschaftsgeographischen Material angewiesen sind. Bahnbrechend waren auf diesem Gebiet die Forschungen von Benno Martiny, der 1870 das erste umfassende Buch über Milchwirtschaft in Deutschland herausgab.

Geschichtliches

Die Milch (got. miluks, anord. mjólk, ags. meolc, altfries. melok, as. miluk, ahd. miluh, zu verb. anord. mjólka, ags. melcan, fries. melka, ahd. melchan) war eines der ältesten und wichtigsten Nahrungsmittel der germanischen Völker, wie bereits Caesar im De bello Gallico (VI, 22) von den Sueben berichtet. Tacitus (Germ. 23.) schreibt, dass die Germanen außer der frischen auch die gestandene, dicke, saure Milch (lat. lac concretum) gern genossen. Gefäße zum Melken resp. zum Sammeln der gemolkenen Milch waren: ahd. melckubile, milchkubili (zu spätlat. cubellus), gellita, gellida, gelta (zu mittell. galida). Vor dem Genuß wurde die Milch geseiht; ein solches Seihgefäß (colum, colatorium) heißt ahd. síha, ags. seohhe, anord. sía.

Im Altnordischen heißt die geronnene Milch skyr; sie wurde besonders in Norwegen getrunken, während in Island als gewöhnliche Morgen- und Abendspeise im Sommer der Quark diente, der mit süßer Milch begossen wurde. Da an mehreren Stellen der Sagas das Skyr als Getränk erwähnt wird, so müssen darunter wohl auch die Molken verstanden werden. Im Angelsächsischen heißt die gestandene Milch súr meolc.

Gesundheitliches

Eine besondere Art, die Milch durch Kochen zuzubereiten, oder sie durch Zusatz von Honig, Wein, Met oder Salz verdaulicher zu machen, empfahl der griechische Arzt Anthimus um 500 n.Chr. (De Obs. Cib. 75, 76). Ihm zufolge wurde hauptsächlich die Milch der Kühe und Ziegen als Medizin gegen Dysenterie (Ruhr) und Schwindsucht genossen, während die Schafsmilch fast ausschließlich zu Käse und Butter verarbeitet wurde:

„Dysenteriekranken verabreiche man Milch von Ziegen. Man erhitze die Milch mit runden Steinen, die man im Feuer glühend gemacht hat. Wenn sie kocht, nehme man die Steine heraus und zerrupfe kleine Stücklein von gut gebackenem und gut gesäuertem Weißbrot und tu die Brösel in die Milch.“

„Milch von Kühen aber ist für gesunde Menschen. Wenn einer rohe Kuhmilch trinken will, mische er Honig, Wein oder Met hinzu. Ist keines dieser Getränke zur Hand, gebe man ein wenig Salz an die Milch; so gerinnt sie nicht im Innern des Menschen. Denn wenn man sie pur zu sich nimmt, gerinnt sie in der Leber und im Magen und pflegt schwer zu schaden. Wenn sie aber gleich nach dem Melken noch warm getrunken wird, schadet sie nicht. Doch wird sie auch besser aufgenommen, wenn Honig oder Wein beigemischt ist. Sie ist Schwindsüchtigen förderlich, wenn sie nach dem Melken warm getrunken wird und der Kranke sich auf den Rücken legt.“

Oxygala (so sagen die Griechen, wenn sie 'Sauermilch' meinen; bei den Lateinern heißt sie melca - geronnene Milch) ist gesunden Menschen zuträglich, weil sie im Darm nicht gerinnt. Doch mische man auch ihr Honig oder Brennöl bei.“

Lorscher Arzneibuch; Fol. 74v: Epistula Anthimi ad Theodoricum regem [1]

Mythologisches

In der germanischen Mythologie bot die Ziege Heidrun den Helden in Walhalla den täglichen Trunk aus ihrem Euter. Auch der norwegische König Sigurd Syr ließ laut Überlieferung seinen Mannen jeden zweiten Tag Milch vorsetzen. [2]

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Epistula Anthimi ad Theodoricum regem (Fol. 74v) im Lorscher Arzneibuch (Digitalisat mit deutscher Übersetzung der Staatsbibliothek Bamberg; Kaiser-Heinrich-Bibliothek)
  2. Altnordisches Leben (Internet Archive). Karl Weinhold. 1856. S. 151/5

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