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Musik

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Musik
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Art: Kunst
Zugehörigkeit: Freie Künste
Einordnung : Kategorie:Musik

Als mittelalterliche Musik wird europäische Musik bezeichnet, wie sie seit dem 9. Jahrhundert aufgeschrieben wurde und in der Folgezeit bis etwa 1430 entstanden ist. Parallel zur kirchlichen Musik entwickelten sich bereits früh Volkslieder, Volkstanz und Spielmannsmusik.

Allgemeines Bearbeiten

Das musikalische Mittelalter wird in drei Epochen unterteilt:

  • 1.) Die Zeit der Gregorianik bis etwa 1100 mit vorwiegend einstimmiger Musik.
  • 2.) Die Musik des 12. und 13. Jahrhunderts (Notre-Dame-Schule) mit der Entwicklung mehrstimmiger Musik.
  • 3.) Die Musik von etwa 1300 bis 1450 (Ars Nova, Trecento) mit einer zunehmenden Ausdifferenzierung unterschiedlicher Stile in verschiedenen Ländern. [1]

Geschichte Bearbeiten

Daß es bereits bei den Germanen in der Antike eine gut ausgebildete Tonkunst gegeben hat, beweisen die Funde zahlreicher und ausgereifter Musikinstrumente schon in weit vorgeschichtlicher Zeit. Aber auch die Gesangsmusik bildete schon im Altertum verschiedenartige Formen aus (s. Gesang). Daß die deutsche Volksmusik im Wesentlichen einheimisch ist und sich auf germanischen Boden reich ausgestaltete, bezeugt auch insbesondere der musikalische Wortschatz. Die meisten Namen für Instrumente: Fidel (fidula), Geige (mhd. gíge), Harfe (harpa, hearpa, harpha), Schwegel (swégala), Zink (mhd. zint), der ahd. Name trumba für Trompete, Trommel, Schelle, anord. lúðr, mhd. bunge - 'Trommel' und andere musikalische Wörter lassen sich ohne Zwang aus den germanischen Sprachen herleiten. Selbst die Namen Horn, Pfeife, Pauke sind höchstens Entlehnungen aus der Zeit vor dem eigentlichen Mittelalter. Auch die Bezeichnungen für singen, klingen, gellen, blasen, Stimme, Schall, Laut, Lied, Weise, Saite, und v. ä. sind alte germanische Wörter (vgl. auch Gesang).

Der frühere Reichtum an eignen musikalischen Bezeichnungen, die Auffindung vieler Instrumente in Original und Abbildung, die ausgesprochene Neigung der deutschen Volksstämme zur Musik, ihre zum Teil erstaunliche Anlage zur Komposition, die neben den Griechen fast vollständig ausschlaggebende Stellung in der Musikgeschichte im Frühmittelalter auch wie im Spätmittelalter, all dies setzt eine Jahrtausende lange Entwicklung voraus. Natürlich fehlt es an schriftlichen Notationen von Musik aus altgermanischer Zeit; die Geistlichen fingen erst in der Karolingerzeit an, ihre Gesänge schriftlich niederzulegen. Aber in der vergleichenden Musikwissenschaft hat man ein Mittel, aus der Zusammenstellung gleicher oder ähnlicher Volksweisen der verschiedensten Völker sozusagen die Wurzelmelodien bloßzulegen und damit - ähnlich dem Sprachvergleich - das gemeinsame musikaliche Gut der germanischen Völker festzustellen.

Frühmittelalter Bearbeiten

Im Althochdeutsch des Frühmittelalters finden sich eine große Zahl musikalischer Fachausdrücke, die bezeugen, daß die Musik dieser Zeit auch in Mittel- u. Nordeuropa bereits zur Kunst ausgeprägt war; z. B.:

  • katroc für Phantasie,
  • suazzaz sanc für Melodie,
  • máz (camez, kimez) für Metrum,
  • kestimmida für Harmonie,
  • spil für instrumentale und * sanc für vokale Musik,
  • spilolih für musikalisch,
  • spilari und sisomo für Musikus (sogar auch spilarra - 'Musikantin').

Selbst für Begriffe wie „Vortrag" (relatus) hatte man eigene Bezeichnungen, z. B. bardit (Tacitus); man unterschied zwischen Lärm (galm), Schall (scal), Laut (hluti) und Ton (gala) ebenso scharf wie die griechischen und lateinischen Musiktheoretiker mitsamt den modernen Akustikern zwischen tonus und sonus usw. Die klassischen Sprachen hatten keine besonderen Bezeichnungen für eine gespielte und eine gesungene Melodie (wie auch wir heutzutage nicht mehr), die Germanen aber unterschieden sehr genau zwischen der Spielmelodie (got. laiks, ahd. leich) und Gesangsmelodie (leod - 'Lied') und hatten zudem noch einen Gesamtnamen für Melodie überhaupt, nämlich wísa - 'die Weise'. Der noch heute auffällige Reichtum an Wörtern für alles Hörbare (tönen, klingen, schallen, gellen, dröhnen, rufen, schreien, singen, lärmen, tosen, klirren, summen, brummen, jauchzen, sausen, brausen, girren schluchzen usf.) ist erheblich größer, als in allen anderen Sprachen, wie auch musikalische Faktoren bei der Bildung der germanischen Sprachen (Ablaut, Onomatopoesie u. ä.) stark mitgewirkt haben.

Wandel im Christentum Bearbeiten

Mit der Einführung des Christentums verarmte die deutsche Sprache in ihrem Schatz altererbter musikalischer Ausdrücke. An die Stelle der deutschen Wörter traten griechisch-lateinische, wie tón für gala, kór für gart, germinón (carminare) für galstar. So wurden schließlich die meisten musikalischen Fachausdrücke zu Fremdwörtern: Musik, Melodie, Harmonie, Akkord, Rhythmus, Instrumente usw., während alteinheimische germanische Wörter eine minderwertige Bedeutung erhielten, wie scoph urspr. „"Liedtext, Poesie", dann „Posse" und zuletzt zur „Lüge" wurde.

Das Tonartensystem, das den Kirchengesängen zugrunde liegt, wurde direkt aus dem antiken heraus entwickelt, jedoch vereinfacht (ohne Transpositionen). Die Tradition schreibt die Einführung des neuen Tonartensystems dem heiligen Ambrosius, Erzbischof von Mailand († 397), und Papst Gregor I. dem Großen († 604) zu. Ambrosius' Wechselgesänge blieben lange Zeit in den abendländischen Kirchen vorherrschend. Er regelte den Gesang durch bestimmte angepaßte Melodien, indem er von den Griechen vier Tonarten entlehnte und so einen Figuralgesang schuf, der sich in bestimmten Noten von verschiedener Länge fortbewegte und an dem sich die ganze Gemeinde beteiligte. Das Hauptverdienst im ersten Drittel des Mittelalters erwarb sich jedoch Gregor der Große (590–604), der zu den vier ambrosischen Tonarten noch vier hinzufügte. Er soll den bis heute bis auf vereinzelte Zutaten unverändert gebliebenen Gesamtbestand der Kirchengesänge für das gesamte Jahr festgestellt haben. Doch wurde diese Tradition mit schwerwiegenden Gründen von Gevaert [2] angefochten worden, der nachzuweisen versuchte, dass die einfachen Elemente, der mehr syllabische Gesang,. entschieden älter, die komplizierten jedoch (der verzierte Gesang) mehr als 100 Jahre jünger als Gregor I. sind. Für die ersten Jahrhunderte des Christentums muss tatsächlich eine Übereinstimmung der kirchlichen Gesänge der griechischen und der römischen Kirche angenommen werden, die sich später immer mehr voneinander entfernten. Das gilt auch für die Aufzeichnungsweise der Melodien, für die die byzantinische Kirche durch Aufnahme von Zeichen für Rhythmus und Melodieintervalle allmählich ein äußerst kompliziertes System auf Grundlage der einfachen Neumen entwickelte.

Im 9. Jh. war das Verständnis der Struktur der alten Melodien bereits soweit in Vergessenheit geraten, daß man insbesondere mit den ausgedehnten Neumierungen der Schluß-Halleluja der Psalmenverse nichts Rechtes mehr anzufangen wußte. Immerhin aber hatte man noch ein Gefühl von ihrem melodischen Wert, wie daraus hervorgeht, daß man nun anfing, sie durch freie Bearbeitung mit Unterlegung umfangreicher Texte neu zu beleben. So entstanden die Sequenzen (auch Prosen genannt), deren erste Komponisten die St. Gallener Mönche Notker Balbulus, Tutilo und der Reichenauer Mönch Hermann von Vehringen (Hermannus Contractus) sind. Damit wurde ein neuer Ausgangspunkt für eine zumindest teilweise selbständige musikalische Entwicklung geschaffen. Papst Nikolaus I. bestätigte die Aufnahme der Sequenzen in den Gottesdienst, doch nahm später das Sequenzensingen so überhand, daß Pius V. 1568 diese bis auf fünf wieder abschaffte.

Ein neues Element entstand im 9. Jh. durch die ersten Versuche mehrstimmigen Musizierens, die unter dem Namen Organum bekannt sind. Diese bestanden in einem Auseinandertreten der (zwei) Stimmen aus dem Einklang bis zur Entfernung einer Quarte und Wiederzusammenlaufen in den Einklang bei allen Melodieabschnitten, wurde aber durch den 840–930 lebenden flandrischen Benediktinermönch Hucbald von St. Amand mehr und mehr zu einem Parallelgesang in Quarten, bzw. in Quinten mit Verdoppelung einer der beiden Stimmen in Oktaven schematisiert. In seinem Werk stellte er Regeln über die Intervalle auf, die durch den deutschen Mönch Reginus (um 920) und den Abt Odo in Clugny vervollständigt wurden. Guido von Arezzo stellte dann um 1026 die ältere Art des Organums wieder her. Den Abschluß dieser musikalischen Epoche bilden die Versuche von Hucbald und Hermann von Vehringen, die Tonhöhenveränderungen durch eine eindeutig ausdrückende Notenschrift zu beschreiben.

Gregorianischer Choral Bearbeiten

Unter Gregorianischem Choral, Gregorianischem Gesang bzw. Römischem Gesang versteht man den einstimmigen, ursprünglich unbegleiteten, liturgischen Gesang der Römisch-katholischen Kirche in lateinischer Sprache (cantus Romanus). Als gesungenes Wort Gottes ist er ein wesentlicher Bestandteil der liturgischen Handlung. Das Kernrepertoire des Gregorianischen Gesangs besteht aus Proprium und Ordinarium der Heiligen Messe sowie dem Stundengebet. Die Gesänge der Messe stehen im Graduale (auch Choralbuch), die des Stundengebets im Antiphonale. In karolingischer Zeit entstanden verschiedene Erweiterungen des Gregorianischen Chorals, die sich allmählich verselbständigten. Mit Geschichte, Theorie und Praxis des Gregorianischen Chorals beschäftigt sich die Gregorianik. [3]

Der Gregorianische Gesang bestand aus Noten von gleicher Länge, ohne das Metrum zu berücksichtigen. Die Hymnen, von denen jede ihre bestimmte, unveränderlich feststehende Melodie (Canon, daher Canonischer Gesang oder Cantus firmus) erhielt, wurden einstimmig und nicht von der Gemeinde, sondern vom gesammten Sängerchor gesungen. Auch erfand Gregor der Große eine Art Notenschrift, die sogenannten Neumen. Von ihm, der alte Gesänge mit den umgeänderten Melodien zusammenstellte, wurde in Rom zudem eine Gesangschule zur Bildung von Sängern errichtet, und so verbreitete sich der Gregorianische Kirchengesang bald über das ganze Abendland.

Heute weiß man, daß die Melodien dieser Gesänge unabhängig vom Text stehen, da viele Melodien mit einer größeren Anzahl verschiedener Texte nachweisbar sind und nur die Verteilung der Melodie auf mehr oder weniger Silben scheinbare Unterschiede der Notierung bedingt. Lange hat man nach einem verloren gegangenen Schlüssel für die rhythmische Geltung der Neumenzeichen wie auch für ihre Intervallbedeutung gesucht. Doch die Neumenschrift war niemals eine eigentliche Notenschrift, sondern vielmehr nur ein Umriß der Melodie, eine Gedächtnishilfe für den, der die Melodie kannte, ursprünglich wohl nur eingeführt, um die verschiedene Verteilung der bereits bekannten Melodien auf die jeweilige Textunterlage deutlich zu machen.

Seit im Fränkischen Reich Mitte des 8. Jhs. unter Pipin durch Bischof Chrodegang der Gregorianische Kirchengesang in Metz eingeführt worden war und Karl der Große noch mehr Aufmerksamkeit auf die Verbesserung des Kirchengesanges verwendete, wurden nach dem Muster der zu Metz, Gesangschulen in mehren Städten des Frankenreichs errichtet; in Deutschland wurde als Bildungsanstalt für Sänger besonders Fulda berühmt, die wiederum denen in Reichenau, Korvey, Mainz, Trier und Hersfeld zum Vorbild diente. Großen Einfluß übte auch das Kloster St. Gallen, in dem auch viele Adlige der Umgegend Unterricht im Gesang erhielten. [4] Da nicht nur von den Geistlichen tüchtige Leistungen in der Musik verlangt wurden, sondern diese auch als eine der Sieben freien Künste auf den höheren Schulen gelehrt wurde, so fand sie vielfach Förderung.

Hochmittelalter Bearbeiten

Einen wichtigen Fortschritt in der Musik machte im 11. Jh. Guido von Arezzo, dem außer einer neuen Gesanglehrmethode die Erweiterung des Tonsystems und die Verbesserung der Notenschrift durch das Liniensystem, seinen Nachfolgern die Erfindung des Hexachords und der Solmisation zugeschrieben wird. Die Pflege der Kunstmusik war damals und noch lange (bis zum großen Wendepunkt der Musikgeschichte um 1600) fast ausschließlich Sache der kirchlichen Kreise (Mönche, Kapellsänger, zuletzt auch Organisten). Doch reichen auch die fahrenden Spielleute tief ins frühe Mittelalter zurück. Im Hochmittelalter, gegen Ende des 11. Jhs., erlebte die Spielmannskultur einen Aufschwung. Zudem mehren sich die Beweise, dass auch der Adel die Kunst der Musik auf ihre Weise hoch schätzten; so zeigen Reliefs aus dieser Zeit Damen, welche die Drehleier spielen; im Nibelungenlied ist Volker ein ritterlicher Spielmann. Welcher Art diese weltliche Musik war kann man z.B. noch aus den Melodien der Volkslieder schließen, die die Kontrapunktisten seit dem 12. Jh. bis in das 15. und 16. Jh. hinein als Tenore ihrer künstlichen Sätze erhalten haben.

Im 12. Jh. brachte die Weiterentwicklung der Notenschrift die Möglichkeit genauer Bestimmung der Tondauerverhältnisse, des Rhythmus. So entstand im 12. Jh. die Mensuralnotenschrift. Die ersten Meister des Satzes mit 2–4 selbständig rhythmisierten Stimmen waren Leoninus, Perotinus, Robert von Sabilon, Petrus de Cruce, Johannes de Garlandia, Franco von Paris und Franco von Köln. Die ersten Kompositionsformen dieser Zeit waren das Organum, der dreistimmige M: detus, die Copula, der Hoquetus, der Conductus und der Rondellus. Das 12. bis 14. Jh. brachte mit einer neuen Blüte der Poesie zugleich ein neues Aufblühen der weltlichen Musik in den Gesängen der provenzalischen und französischen Troubadoure (Chatelain de Coucy, Adam de la Halle u.a.) und der deutschen Minnesänger, deren Melodien in großer Zahl erhalten sind.

Große Bedeutung erlangte der im 13. Jh. sich von England ausbreitende Gesang in parallelen Sexten (gymel), oder dreistimmig in parallelen Terzen und Sexten (faux-bourdon). Anfang des 13. Jhs. erfolgte außerdem der Aufschwung der Städte, die „Stadtpifer“ oder -„dromper“ in ihre Dienste nahmen. Musikantenzünfte fanden sich seit 1288; die älteste bekannte war die Wiener Nikolaibruderschaft. In der ersten Hälfte des 13. Jhs. wird Franco von Köln als erster Verbesserer des musikalischen Zeitmaßes und der für die Ausbildung der neueren Musik so wichtigen, im 12. Jh. erfundenen Mensuralmusik genannt; seine Mensurlehre wurde durch den Benediktiner Walter Odington († 1240) weiter ausgefeilt.

Spätmittelalter Bearbeiten

Im 14. Jh. erfuhr die weltliche Kunstmusik, die den Gesang mit der Instrumentalbegleitung verband in Italien (Florenz, Padua) einen plötzlichen Aufschwung. Diese Entwicklung setzt sich auch in Frankreich (durch Philippe de Vitry, Binchois), den Niederlanden und England (Dunstaple) durch. Diese neue Epoche der Musikgeschichte durchbrach die strenge kirchliche Regulierung der parallelen Oktaven und Quinten; gleichzeitig trat an die Stelle des alten Terminus Discantus der neue Contrapunctus. Als Musiktheoretiker traten in dieser Zeit der Italiener Marchettus von Padua, der die freie Einführung chromatischer Fortschreitungen lehrte, und zwei Johannes de Muris († um 1360) hervor.

Im 15. Jh. bildeten sich in den Landsknechtsheeren militärische Spielmannszüge. Zudem beginnt, zunächst bei den Niederländern, die wissenschaftliche Bearbeitung der Musik, u.a. durch Wilhelm Dufay, der den Figuralgesang in der römischen Kapelle einführte, Ockenheim, Jodocus Pratensis (Josquin Desprez), Willaert u.a.m.. [5] Der eigentliche wissenschaftlich gebildete Musiker war jedoch nur Sänger; die Instrumentisten waren entweder fahrende Musikanten oder sie bildeten eine eigene Zunft unter dem Namen von Stadtpfeifern, Kunstpfeifern und Thürmern.

Verwandte Themen Bearbeiten

Quellen Bearbeiten

Einzelnachweise Bearbeiten

  1. Wikipedia: Musik des Mittelalters
  2. François Auguste Gevaert, Le origines du chant liturgique, 1890
  3. Wikipedia: Gregorianischer Choral
  4. vgl. Schubiger, Die Sängerschule St. Gallens vom 8. bis 12. Jahrh., Einsiedeln 1858
  5. Vgl. Bellermann, Die Mensuralnoten und Taktzeichen des 15. u. 16. Jh.. Berlin, 1858.

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