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Disambig Dieser Artikel behandelt den fränkischen Historiker Nithard (9. Jh.). Für den Minnesänger Neidhart von Reuental aus dem 13. Jh., der auch "Nithard" genannt wurde, siehe Diesen Artikel.

Nithard (* um 795; † 843/844/845) war ein fränkischer Historiker. Seine "Historiarum libri IV" stellen eine wichtige Geschichtsquelle für das Frankenreich im frühen 9. Jh. dar. [1]

Beschreibung

Nithard war ein Enkel Karls des Großen; Sohn von dessen Tochter Bertha und deren Geliebten Abt Angilbert von St. Riquier, der Dichter und Vertrauter Karls war. Nithard selbst diente als Staatsmann und Feldherr Ludwig dem Frommen und Karl dem Kahlen, für den er sich bei den Streitigkeiten zwischen den Söhnen Ludwigs des Frommen beteiligte und bei Fontenoy 841 mitkämpfte. Sein genaues Todesdatum ist umstritten. Einer Version zufolge fiel Nithard in einem Gefecht gegen die Normannen am 15. Mai 843; eine andere Version besagt den 14. Juni 844 als Todestag.

Nithard spielte als Staatsmann und Krieger in den Bruderkämpfen, die dem Tode Ludwigs des Frommen folgten, auf Seiten seines Vetters Karl des Kahlen eine nicht unbedeutende Rolle. Danach stand er noch kurze Zeit als Laienabt dem Kloster S. Riquier vor, aber fand bald, mglw. am 14. Juni 844, seinen Tod auf dem Schlachtfeld, wohl im Kampf am Fluß Agout gegen den jüngeren Pippin. (Hierbei stellt sich die Frage, ob in den Annalen von St. Bertin (Annales Bertiniani) zu 844 die Nennung des vorhergehenden Abtes Richbodo von S. Riquier, der ebenfalls als Sohn einer Tochter Karls des Großen bezeichnet wird, nicht auf einer Verwechselung beruht, wenn auch die beiden gleichzeitig gefallen sein können).

Charakter

Ruhige Ausgereiftheit und über den Dingen stehende Objektivität waren bei Nithard kaum nicht zu verlangen. Obwohl er sicherlich ein hochgebildeter Mann war, fehlte seiner Sprache Korrektheit und Eleganz; die letzte Hand hat er an sein Werk wohl nicht mehr anlegen können, woraus sich vielleicht auch einige Lücken in der einzigen handschriftlichen Überlieferung erklären. Die Parteinahme für Karl den Kahlen ist offenkundig, wenn sich auch Nithard selbst ihm gegenüber die Eigenheit seines Urteils durchaus bewahrt. Aber dieser in der Sache liegenden Begrenztheit seines Werkes stehen hohe, einzigartige Vorzüge gegenüber.

Die Hauptforderung an einen guten Historiker, daß er aus dem Grunde kenne, was er darstellt, erfüllt Nithard wie nur ganz wenige Geschichtschreiber des Mittelalters. Als kriegs- und staatskundiger, mit beiden Füßen in der Weltlichkeit stehender und darum von der geistlichen Anschauungsweise der übrigen unangekränkelter Laie nimmt er in der Karolingerzeit fast eine Sonderstellung ein; höchstens den Aquitanier Ademar (s. unter "Der Astronom") könnte man in weiterem Abstände nach ihm nennen, im gewissen Sinne ja auch Einhard, der indes eine viel gelehrtere Bildung genossen hat und geistlichem Wesen näher stand.

In den Gang der kriegerischen Operationen und diplomatischen Verhandlungen gewährt keiner so tiefe, wahre und lebensvolle Einblicke wie Nithard. Ein Geistlicher hätte auch kaum die berühmten Straßburger Eide vom 14. Februar 842 (III, 5) in der altfranzösischen und althochdeutschen Nationalsprache aufbewahrt. Die ernste, kernige, grundehrliche Art des Mannes erhöht noch den Wert und Reiz seiner Schrift.

Historiarum libri IV

Auf Befehl Karls des Kahlen tauschte Nithard mitten zwischen den Kämpfen das Schwert gegen die Feder, um die bedeutsamen Ereignisse der Nachwelt aufzubewahren und Karls Recht darzutun. So entstanden in mehreren Absätzen in den Jahren 841 bis 843 in vier Büchern sein wertvolles Geschichtswerk "De dissensionibus filiorum Ludovici Pii ad annum usque 843", in neuerer Zeit eher als Historiae („Historien“) oder "Nithardi Historiarum libri IV" („4 Bücher Geschichten“) bezeichnet.

Die Vier Bücher Geschichten schieben sich als kleines Geschichtswerk zwischen den dahin einheitlichen Strom der Reichsannalen, der sich mit der endgültigen Teilung des Frankenreiches (843) in den westlichen und östlichen Arm spaltete. Auch wenn es eine offiziös gefärbte Darstellung von einem Enkel Karls des Großen aus dem Lager Karls des Kahlen (823-877) ist, so wächst dieses Werk doch über die Reichsannalen hinaus. In ihm verbindet sich ein kausal verknüpfendes und künstlerisch ordnendes Verständnis mit einem unabhängigerem Urteil und dem frischen Temperament des Verfassers.

Die Vier Bücher Geschichten behandeln die Bruderkämpfe behandelt, die mit dem Tode Ludwigs des Frommen ausbrachen. Sie schildern zunächst in einem einleitenden Überblick vom Tod Karls des Großen an treffsicher diejenigen Momente der Regierung Ludwigs des Frommen, welche zum Verständnis der folgenden Wirren wesentlich sind. Diese reichen bis in den März 843, wo sie unvermittelt abbrechen. Eine Geschichtsschreibung der Karolingerzeit aus dem Feldlager!

Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Nithard

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