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Die Nixe, oder der Nek, ndl. Necker, gehört in der germanischen Glaubensvorstellung zu den Alben. Die Nixe ist immer an das Wasser gebunden und dabei immer an ein bestimmtes Gewässer.

Man kann sagen: soviele Gewässer es gibt, soviele Nixe existieren auch, denn der Begriff Nixe bezeichnet zwar grundsätzlich die Charakteristik eines Gewässers, doch je nachdem welchen Charakter etwa ein See hat, so bezeichnet dies eigentlich in einem philosophischen Sinne den Charakter der Nixe.

Beschreibung

Nixe ist die allgemeine, allen germanischen Stämmen eigne Bezeichnung der Wassergeister, die mal als Alben (Elben), mal als Dämonen, mal in Tier-, mal in Menschengestalt, mal als männliche, mal als weibliche Wesen begegnen. Übereinstimmende in allen Zügen des Nixen-Glaubens ist, dass sie als Wassergeister auf das Element Wasser beschränkt sind.

Männliche und weibliche Nixen wohnen in der Tiefe der Ströme, Flüsse und Landseen. Tanz, Gesang und Musik sind die Freude der Nixen, wie der Elfen; der schwedische Strömkarl (in Norwegen Fossegrim genannt) lehrt sogar Menschen sein Spiel, durch das er lockt und bezaubert. Nixen weisen manche Ähnlichkeit mit den Najaden der griechischen Mythologie auf, die Töchter des Zeus oder des Okeanos waren. Die deutschen Nixen werden mit Wodan in Zusammenhang gebracht, der als "Wolkenwesen" auch gleichzeitig über das Meer gebietet.

Namensgebung

Aus neueren Dichtungen kennen wir die Nixen gewöhnlich nur als weibliche Wesen, gleich den Nymphen der Griechen, nur mit stärkerem Hervortreten der Vorstellung, dass ihre Nähe für den Menschen verderblich sei, was bei den Nymphen nur selten erscheint. Ursprünglich wurde dieser Name im Volksglauben jedoch überwiegend für männliche Wassergeister gebraucht.

Die älteste Form des Namens war ahd. Nihhus ('Krokodil') oder ahd. Nichus (m.) neben nichessa (f.), die sich dann z.B. in Nicker, Nickel, Nickelmann, Neck, Necker (vgl. der Fluss Neckar) abwandelten. Nöcken in den nördlichen Sprachen (anord. nykr, dän. nok, nák, schwed. näck). Allerdings bezeichneten das ahd. nichus oder das ags. niceras im Beowulf-Epos, genau wie das anord. nykr wirkliche Seetiere, die dann Veranlassung zu den mythischen Wasserdämonen in Tiergestalt, die Meere und größere Binnenseen bergen, gegeben haben. Denn als mythisches Wesen muss der nordische nykr aus der Snorra-Edda aufgefasst werden, wenn von seinem Gestaltenwechsel die Rede ist und wenn die niceras für die dämonischen orcneas stehen.

Die Nixen oder Wassergeister begegnen unter mancherlei Namen. Die männlichen im Norden als marmennill, hafsman, strömkarl oder fossegrim. Außerdem Wassermann, Hakemann und Seemensch. Schon früh tauchten jedoch auch weibliche Nixen in den Märchen und Sagen auf. Sie werden auch als wazzerholde, merminne, merwunder, merwip, haffrú, hafgygr oder margygr bezeichnet. Außerdem als: Wasserjungfern, Wasserfräulein, Wasserfrauen, Seejungfern, Seeweibel und Wasserlissen.

Charakterzüge

Gemäß der Vita Sancti Galli von Walahfrid Strabo [1] aus dem 9. Jh. wichen die Nixen vor den Gebeten und Kreuzen der christlichen Missionen zurück; wer den Segen des Priesters hatte, der war vor ihnen sicher. Besonders häufig wird ihre prophetische Gabe hervorgehoben. So prophezeite laut der Hallfreðar saga (7) eines der gefangenen Marmennil dem König Hjörleif sein Geschick, im Nibelungenlied das merwip Sigelint dem Hagen den Untergang der Burgunden und in der Gudrunsage die Nixe in Vogelgestalt der Kudrun die baldige Rettung.

Wie andere elfische Wesen haben auch die Nixen die Proteusnatur und berühren sich, wie der der Vogel der Gudrunsage und die merwip des Nibelungenliedes, mit den Schwanenjungfrauen. Auch in Hechtsgestalt und als Besitzer großer Reichtümer trifft man den Nix, so z.B. im Reginsmál den Andvari, der im Andvarafors hauste und über den Schatzring den Fluch aussprach. Am Meer und an größeren Seen erscheint der Nix besonders in Ross- oder Stiergestalt.

Männliche Nixer

Nök vom Meeresgrunde Berlin, Treptower Park

Nök vom Meeresgrunde Berlin, Treptower Park

Der männliche Nix (Neck) oder Wassermann ist in Menschengestalt gewöhnlich klein, ältlich und langbärtig. Er trägt einen grünen Hut, und wenn er den Mund bleckt, sieht man seine grünen Zähne. Zuweilen hat er die Gestalt eines rauhhaarigen wilden Knaben, zuweilen die eines gelblockigen, mit roter Mütze auf dem Haupt. Dem finnischen Näcki werden eiserne Zähne beigelegt. Die Haar- und Bartfarbe ist mitunter auch grün.

Der männliche Nix lebt meist einzeln und ist sehr grausam und bösartig, wie die nordische Rán; seine klagende Stimme lässt sich besonders des Abends hören, oft wie der Hilferuf eines Ertrinkenden, um Menschen heranzulocken.

Seine Stimme ist oft so verlockend, dass der Mensch unwiderstehlich zum Wasser hingezogen wird und sich hineinstürzt. Sein blosser Blick ist gefährlich und zieht Kinder ins Wasser. Er hat Liebschaften mit menschlichen Frauen und zieht sie ins Wasser, wo sie in der Wassertiefe in einem Kristallpalast leben und mit dem Nix Kinder zeugen. Noch bis heute hat sich der Volksglaube erhalten, dass der Nix, gegen den man sich schon in frühchristlicher Zeit durch christlichen Segen feite, zu bestimmten Zeiten sein Opfer fordere.

Weibliche Nixen

In Mitteldeutschland herrscht der Glaube an weibliche Nixen vor. Sie sind freundlicher als die männlichen Nixer und erscheinen in der zwölften Stunde im Sonnenschein sitzend am grünen Ufer. Weibliche Nixen zeichnen sich durch ihre Schönheit aus, haben oft den Fischschwanz, lieben Musik, Gesang und Tanz und locken durch ihr Lied die Jünglinge in die Tiefe.

Andere Sagen berichten von ihrem nächtlichen Auftauchen unter Brücken. Feengleich kämmen sie ihre langen meerfarbenen Haare, oder tauchen mit dem Oberkörper, der von hoher Schönheit ist, aus Wellen auf. Den Unterteil soll, wie bei Sirenen, ein fischartiger Schwanz oder eine Schlange bilden. Allerdings wurde diese Vorstellung wahrscheinlich aus anderen mythologischen Kreisen entlehnt.

Wenn die Nixen an Land unter Menschen gehen, gleichen sie menschlichen Jungfrauen in Gestalt und Kleidung und sind lediglich am nassen Kleidersaum und dem nassen Zipfel der Schürze als Nixen erkennbar. In menschlicher Gestalt erscheinen sie z.B. bei ländlichen Tänzen auf Hochzeiten, da sie Tanz, Gesang und Musik lieben. Bisweilen leben sie auch längere Zeit unter den Menschen verheiratet und gebären ihren Männern Kinder, von denen das siebente dem Wasser gehört.

Durch ihren betörenden Gesang und unverhüllte Reize locken die Nixen ahnungslose Wanderer und schöne Jünglinge an, die ihrer Stimme lauschen. So werden sie Opfer der Nixen und von ihnen hinab in die Tiefe gezogen. Manchmal ziehen sie auch ihre Geliebten mit ins Wasser, wo sie mit ihnen Kinder erzeugen, die aber immer Schwimmhäute zwischen den Zehen haben. Ihre so entführten Männer lassen sie auch nach einiger Zeit wieder auf die Erde zurückkehren und bringen auch ihr neugeborenes Kind hinauf zu den Menschen, um es von diesen aufziehen zu lassen. Ist es jedoch erwachsen, so fordern sie es zurück oder ziehen es gewaltsam ins Wasser.

Bösartige Charakterzüge

Durch die Nixensagen zieht sich häufig ein Zug von Grausamkeit und Blutdurst, der bei den Geistern der Berge, Wälder und Häuser eher selten vorkommt. Nicht nur Menschen tötet der Nix, sondern übt auch blutige Rache an seinen eigenen Leuten, die an Land gestiegen waren, mit den Menschen Umgang hatten und dann wieder zurückkehrten. Gern saugen sie Kindern das Blut aus und sperren ihre Seele unter umgekehrte Töpfe, die ins Wasser geworfen wurden, und zwingen sie, selbst Nixe zu werden. Oft fordern sie alljährlich ein Menschenleben. Auch haben sie selbst Händel untereinander. Wasserfrauen werden von Wassermännern in andere Gewässer entfuhrt. Sie können sich in grosse Kröten verwandeln. [2]

Sagen

Von männlichen und weiblichen Nixen gibt es hunderte Sagen und Mythen, die sich bis in die Gegenwart erhalten haben. Donau, Elbe, Ilm, Saale, Unstrut und viele andere Flüsse haben ihre Nixen, die alle paar Jahre ein Menschenleben fordern. Die weißen und gelben Seerosen, Nymphäen, heißen an vielen Orten Nixenblumen, Mühmchen, Mümmlein, wie die Nixen selbst Mummeln, daher in Deutschland und der Schweiz die vielen Mummelseen.

Beispiele

Eine niederländische Sage über Nixer berichtet, dass man häufig an Flüssen und Quellen Geister sah, die Niederländer Neckers nennen. Mal waren solche Geister in Chören vereint und sangen wunderliebe Weisen, Mal ordneten einzelne nach der Weise der Frauen das Haar auf der Flut. Einige Male redeten sie auch mit Menschen und spielten Spiele aller Art. [3]

Auch aus Gent (Flandern) wird berichtet, dass sich oftmals auf dem Wasser der Schelde ein altes Männchen hat sehen lassen, der ein Necker (Nix) war. Dieser seufzte und klagte immer. Einmal sahen ihn zwei Kinder, die am Ufer einmal spielten, auf sich zukommen und liefen weg, worauf der Necker wiederum jämmerlich weine. Er tat keinem Menschen etwas zu Leide. Wenn man ihn fragte, was ihm fehlte, dann holte er einen tiefen Seufzer und verschwand. [4]

Eine andere Sage erzählt von zwei Knaben, die an einem Fluss spielten. Dort saß ein Nix und schlug seine Harfe; die Kinder riefen ihm zu: "Was sitzest du Nix hier und spielst? Du wirst doch nicht selig." Da fing der Nix bitterlich zu weinen an, warf die Harfe weg und versank in die Tiefe. Als die Knaben nach Hause kamen, erzählten sie ihrem Vater, der ein Priester war, was sich zugetragen hatte. Der Vater sagte: "Ihr habt euch an dem Nix versündigt; geht zu ihm, tröstet ihn und sagt ihm die Erlösung zu." Als sie zum Strom zurückkehrten, saß der Nix am Ufer, trauerte und weinte. Die Kinder sagten: "Weine nicht so, du Nix! Unser Vater hat gesagt, dass auch dein Erlöser lebt." Da nahm der Nix froh seine Harfe und spielte lieblich bis lange nach Sonnen - Untergang.

Sprichwörter

Sprichwörter über Nixen aus dem Volksglauben sind uralt. So sagte man z.B. von Ertrunkenen: "Der Nix hat sie an sich gezogen" oder "Das Wasser will ein Opfer haben".

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Vita St. Galli in der Monumenta Germaniae Historica. II 7; 9
  2. Götzinger, E.: Reallexicon der Deutschen Altertümer. Leipzig 1885., S. 733-734.
  3. J. W. Wolf, aaO, S. 320-321.
  4. J. W. Wolf, aaO, S. 320-321.