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Das Nydamschiff oder auch Nydamboot (dänisch: Nydambåden) ist ein Ruderboot, das etwa 320 n. Chr. im Nydamer Moor (Südjütland) geopfert und im Jahre 1863 wieder ausgegraben wurde. Es war ein hochseetaugliches Kriegsfahrzeug, welches als schneller Truppentransporter bis zu 45 Mann aufnehmen konnte. Das Nydam-Schiff ist in der Nydam-Halle des Archäologischen Landesmuseums in Schloss Gottorf, in Schleswig im Rahmen einer Sonderausstellung über die Geschichte des Nydambootes für Besucher ausgestellt. [1]

Allgemeines

Die Boote, die 1863 im Moor von Nydam (damals zu Schleswig-Holstein gehörend) entdeckt wurden, sind ein Zeugnis für die hohe Entwicklung des Schiffbaus in der nachrömischen Eisenzeit. Abgesehen von den Resten eines Fichtenbootes, waren es zwei vollständig erhaltene Fahrzeuge, eines aus Eichen-, das andere aus Fichtenholz, von denen ersteres in der Nydam-Halle des Archäologischen Landesmuseums in Schloss Gottorf (Schleswig) steht, während das Fichtenboot während des Deutsch-Dänischen Krieges 1864 zugrunde ging. Sie entstammen nach beiliegenden römischen Münzen dem 3. oder 4. Jh. n. Chr. und waren offenbar absichtlich, vielleicht als Weiheopfer nach siegreichem Kampf, versenkt worden.

Beschreibung

Das erhaltene Eichenboot (Tafel 11, Fig. 8) ist ein prächtiges Ruderboot von ca. 24 m größter Länge (zwischen den Stevenspitzen), 3,4 m größter Breite, 1,28 m Seitenhöhe von Kiel Unterkante bis Reling mitschiffs und 2,14 m Seitenhöhe an den Enden, also nicht weniger als 1,14 m Sprung. Bei 40 Mann Besatzung Tiefgang 0,7 m, Deplacement ca. 14 Tonnen.

Das Schiff besteht in der Hauptsache aus 11 mächtigen Planken, die klinkerweise zusammengefügt sind, d. h. in der Weise, dass jede Planke dachziegelartig über den oberen Rand der nächstunteren hinweggreift, eine Bauweise, die, wie oben bemerkt, vermutlich aus dem ehemaligen Aneinandernähen von Rindenstreifen entstanden ist. Die Verbindung der Planken erfolgt durch Eisennägel, die inwendig durch viereckige Eisenplättchen vernietet sind, die Dichtung durch wollenes Zeug und eine klebrige Masse. Ein eigentlicher Kiel ist nicht vorhanden, sondern nur eine Bodenplanke von 14,32 m Länge, aus der ein flaches Kielstück herausgearbeitet ist.

An die Enden der Bodenplanke sind beiderseits die weitvorschießenden, gekrümmten Steven mittels einer Überlappung und mit Holznägeln angelascht. Den inneren Halt in der Querrichtung gewähren in Abständen von ca. 1 m insgesamt 19 Spanten aus natürlich gekrümmtem Eichenholz, deren beide obere Enden jeweils durch eine aufliegende Ducht (Sitzbrett) verbunden sind; senkrechte Streben zwischen Spant und Ducht stützen letztere außerdem. Eigenartig ist die Verbindung der Spanten mit den Planken (Abb. 4).

In jeder Planke befinden sich da, wo ein Spant anliegt, je 2 quer unter dem Spant verlaufende Klampen, die nicht an die Planke angenagelt, sondern aus dem Holz der Planke herausgearbeitet sind. Klampen und Spanten sind mit entsprechenden Löchern versehen und durch Baststricke fest aneinander gebunden. Diese Verbindung erfüllt ihren Zweck völlig ausreichend, da die Stärke eines klinkergebauten Fahrzeugs sowieso hauptsächlich von der Außenbekleidung und deren festem Zusammenhalt verbürgt wird.

Funktion

Die Fortbewegung des Schiffes geschah ausschließlich durch Remen, 14 an jeder Seite, die von insgesamt 28 Rojern gehandhabt wurden. Segel und Mast waren nicht vorhanden. Aufgrund seiner langgestreckten Form (Länge : Breite = 7:1) sowie des flachen Kiels wäre das Schiff auch wenig zum Segeln geeignet gewesen. Gesteuert wurde mit einem Seitensteuerruder. In seiner Form zeigt das Nydamer Fahrzeug einen wesentlichen Unterschied gegenüber den Schiffen der Hällristningarzeit: es ist vorn und hinten völlig gleich gebaut und bestätigt hierdurch wie auch sonst die Schilderung, die Tacitus (Germ. c. 44) von den Schiffen der Suionen (Schweden) gibt: [2]

„Die Form ihrer Schiffe ist dadurch eigen, daß ein Vorderteil an beiden Enden die zur Landung stets bereite Stirne bietet. Sie werden nicht mit Segeln bedient und haben ihre Ruder nicht in einer Reihe den Norden angefügt: ein loses Ruderwerk, wie auf manchen Flüssen, und nach Erfordernis von beiden Seiten wechselbar.“

Tacitus: Germania, c. 44

Das (zugrunde gegangene) Fichtenboot zeigte eine bemerkenswerte Eigentümlichkeit: der Kiel lief vorn und hinten in eine etwas aufgebogene, über die Steven hinausschießende Spitze aus, die, vermutlich mit einem spitzen Eisenbeschlag versehen, zum Rammen bestimmt war und vielleicht ein Rudiment des Doppelstevens der Hällristningar-Schiffe darstellte.

Welchem Volksstamm die Nydamer Boote angehörten, läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen; doch weist der hervorragende Bau auf eine erhebliche Seetüchtigkeit und lange nautische Entwicklung hin. Dass ähnliche Fahrzeuge allgemein im germanischen Ostseegebiet verbreitet waren, darauf deutet außer der oben erwähnten Notiz des Tacitus auch der dem Nydamer Fund ungefähr gleichzeitige Bildstein von Häggeby in Schweden mit einem Ruderschiff gleichen Typs (Bild).

Galerie

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Nydam-Schiff
  2. Tacitus, De origine et situ Germanorum (Germania). Übersetzung "Die Germania des Tacitus". Anton Baumstark: Freiburg 1876. Digitalisat auf Wikisource.
  3. Conrad Engelhardt, 1865
  4. nach einer Zeichnung von L. Arenhold

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