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Ostertafeln wurden im Mittelalter häufig den Kalendern als Ergänzung beigegeben. Sie enthielten nebeneinander die Tagesbuchstaben, an deren Stelle mitunter auch die Ziffern I-VII traten, die Bezeichnung der Monatstage nach dem julianischen Kalender und die in der betreffenden Diözese gefeierten Kirchenfeste. Unter den Heiligentagen, deren Zahl natürlich im Laufe der Jahrhunderte immer zunahm, lassen sich verschiedene Schichten unterscheiden. Abgefaßt wurden die Kalender fast ausnahmslos in lateinischer Sprache. [1]

Beschreibung

Obwohl das Konzil von Nicäa im Jahre 325 das Datum des Ostersonntags verbindlich auf den ersten Vollmond nach der Frühlingsnachtgleiche (am 21. März) festlegte, blieb eine Anzahl von Differenzen zwischen dem Ritus der römischen und dem der alexandrinischen Kirche, die wiederholt zu ärgerlichen Streitigkeiten über den richtigen Tag der Osterfeier führten. Der Vollmond nach der Frühlingsnachtgleiche wurde nach einem 19-jährigen Zyklus zu berechnet, doch diese alexandrinische Methode litt an zwei Fehlern.

Erstens, indem sie die Frühlingsnachtgleiche am 21. März annnahm, schloss sie sich an den Julianischen Kalender und dessen Schaltordnung an, wonach die Länge des Jahres zu 365 1/4 Tagen angenommen und alle 4 Jahre ein Tag eingeschaltet wurde. Das Jahr ist aber in der Wirklichkeit um mehr als 11 Minuten kleiner, was alle 128 Jahre einen Tag ausmacht, der also zuviel eingeschaltet wurde. Zweitens, indem sie den Frühlingsvollmond nach dem 19-jährigen Zyklus von 235 Monaten berechnete, nahm sie diese zu 19 × 365 1/4 = 6938 3/4 Tagen. Aber dieser Zyklus von Monaten ist in Wirklichkeit um mehr als eine Stunde kürzer, was etwa alle 310 Jahre einen Tag ausmacht, um den also der Vollmond zu spät angesetzt wurde.

Victorianische Tafel

Papst Leo I. (um 400-461) versuchte diese beizulegen, indem er durch den berühmten aquitanischen Rechenmeister Victorius (bzw. Victurius) eine Ostertafel aufstellen ließ, die auf einer Kombination des Sonnen- und Mondzirkels beruhte und dadurch ein sogenanntes annus magnus (Großes Jahr), d. h. eine Periode von 532 Jahren (Victorianische Periode) konstituierte. Nach deren Ablauf mußte der Vollmond (luna XIV) zu denselben Monatstagen und denselben Wochentagen zurückkehren, und die Monatstage des Ostersonntages mussten sich in derselben Reihenfolge erneuern. Nach dieser Victorianischen Tafel (s. MG. Auct. ant. IX 667 ff.[2]) wurde lange gerechnet; allerdings stimmte auch sie nicht immer mit dem alexandrinischen Ansatz überein. Da die Grundlagen der Rechnung nicht ganz dieselben waren, wich die victorianische Tafel in jedem "Großen Jahr" 32 mal von der alexandrinischen Osterrechnung ab.

Dionysische Tafel

Die Übereinstimmung mit der alexandrinischen Osterberechnung wurde erst im Jahre 525 durch eine Ostertafel herbeigeführt, die von dem römischen Abt Dionysius Exiguus aufgestellt wurde. - Einem Mann aus dem skythischen Volke, jedoch insgesamt von römischen Charakter (Scytha natione, sed moribus omnino Romanus), wie ihn Cassiodor (Institutiones, c. 23) nennt, also wahrscheinlich einem katholischen Goten. Dionysius schloß sich einfach an die alexandrinische Berechnungsweise an, indem er die dort maßgebende Ostertafel des Kirchenvaters Kyrill von Alexandria (375/80-444) fortsetzte und nur die Jahre Kaiser Diocletians, nach denen Kyrillos gerechnet hatte, durch Jahre nach Christi Geburt ersetzte (s. 'Zeitmessung').

Als frühesten Ostertermin bestimmte Dionysius Exiguus den 22. März, als spätesten den 25. April; Ostern hatte danach also einen Spielraum von 35 Tagen. Die dionysische Tafel drang zwar in Italien schon am Ende des 6. Jhds. vollständig durch, dagegen blieb bei den Westgoten der Kanon des Victorius während der ganzen Dauer ihres Reiches vorherrschend. Ebenso hielt sich die Victorianische Berechnung lange in Gallien, von wo sie mit fränkischen Mönchen auch nach Oberitalien, z.B. nach Bobbio, und nach Britannien kam. Erst um das Jahr 737 gelang es infolge des großen Ansehens, das sich Beda Venerabilis, als einer der Hauptverfechter des Dionysius, erworben hatte, und mglw. unter Mitwirkung von Bonifatius, die Dionysische Osterrechnung im Frankenreich einzuführen. [3]

Britische Osterberechnung

Bei den Briten herrschte lange Zeit eine viel ältere und einfachere Art der Osterberechnung, die sogenannte Romana Supputatio, während die Angelsachsen vom Anfang ihrer Bekehrung an die dionysischen Osterregeln befolgten, die allerdings zuweilen mit denen des Victorius verwechselt wurden. Erst gegen Ende des 8. Jhds. nahmen Briten und Iren die Rechnung des Dionysius an.

Epakte und Goldene Zahl

Fiel der Ostervollmond auf einen Sonntag, so wurde Ostern am nächsten Sonntag gefeiert. Die Berechnung des Ostervollmondes geschah auf den Ostertafeln mittels der Epakten. Diese beschrieben das Alter des Dezembermondes am 1. Januar. Dieses wuchst von einem Jahr zum anderen um 11 Tage.

Da 19 Jahre des Julianischen Kalenders von 365 ¼ Tagen nur um 1 ½ Stunde größer sind als 235 synodische Monate, so fallen nach 19 Jahren die Mondphasen wieder auf dieselben Monatstage; weil aber andererseits 12 synodische Monate (354 Tage 8 Stunden 48 Minuten 36 Sekunden) um 10 Tage 21 Stunden kleiner sind als ein Jahr, so rückt jede Mondphase im nächsten Jahr um 11 Tage zurück. Sechsmal wird 30 weggeworfen, wenn die durch Addition von 11 entstandene Summe 30 übersteigt. Nach der XIX. Epakte fallen 29 Tage weg (Sprung der Epakte), damit man wieder auf die erste kommt. Dieser 19jährige Zyklus heißt der Mondzirkel, und die Zahl, die angibt, das wievielte in einem solchen Zyklus ein bestimmtes Jahr ist, wird die Goldene Zahl genannt.

Goldene Zahl

Die Goldene Zahl ergibt sich aus dem Rest, der um 1 vermehrten Jahreszahl und ihrer Division durch 19. Geht die Division auf, so ist 19 die Goldene Zahl. Bei den Epakten, die in unserem Kalender als julianische verzeichnet sind, gehört zur Goldenen Zahl 1 die Epakte XI. Als aber bei der Kalenderreform 1582: 10 Tage ausfielen, reduzierte sich diese Epakte auf I, und als 1700 ein Schalttag ausfiel, wurde sie = 0, wofür man gewöhnlich * schreibt; diese Korrektur infolge des Ausfallens des Schalttags nennt man die Sonnengleichung.

1800 dagegen wurde die Epakte nicht geändert, trotzdem daß auch hier ein Schalttag ausfiel: Weil 235 synodische Monate um 1 ½ Stunde = ½ Tag kleiner sind als 19 Jahre, was in 16 x 19 = 304 Jahren einen Tag ausmacht, so muß die Epakte alle 300 Jahre um 1 vergrößert werden. Man nennt diese Korrektur die Mondgleichung. Die sog. julianischen Epakten können hiernach nicht richtig bleiben; sie stimmten aber zur Zeit der Kalenderreform mit Sonnen- und Mondlauf überein. Im Jahr 1800 trat nun die Mondgleichung hinzu, die aber durch den Ausfall des Schalttages aufgehoben wurde. 1900 ist nur die Sonnengleichung aufgetreten, 2100 wird diese und die Mondgleichung auftreten.

Nachstehende Tafel enthält die Goldene Zahl, die julianische und die gregorianische Epakte für die Zeit von 1700–2200:

Goldene Zahl MgKvL 100457a

Alternative Tafel zur Berechnung des Ostervollmondes mit der Goldenen Zahl anhand des Gregorianischen Kalenders (1701-1900):

Goldene Zahl Brockhaus 02 0532a

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Hoops, J. aaO. Bd. III, S. 4 (Art. Kalender)
  2. Monumenta Germaniae Historica (MGH). Auctores antiquissimi (Auct. ant.) IX 667 ff.
  3. Hoops, J. aaO. Bd. III, S. 384 (Art. Ostern)

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