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Eine Panzerrüstung ist eine aus Metall oder andern dichten Stoffen bestehende Bekleidung als Schutzwaffe von Menschen und Pferd. Ob damit anfänglich nur die Brust- oder die Bauchbedeckung bezeichnet worden, lässt sich aus den verschiedenen Angaben nicht genau nachweisen. Siehe auch Brünne, Harnisch und Kettenpanzer. [1] [2]

Geschichte

Antike

Der Panzer der Griechen (Thorax) war aus Metall und deckte als einfacher Panzer den vorderen Teil des Rumpfes vom Hals bis herab an die Beine. Der Doppelpanzer, der zugleich den Rücken deckte, bestand aus zwei Hälften (Gyala), die an den beiden Seiten des Leibes durch Schnallen (Ocheis) verbunden wurden. Als Prachtstück kommt ein leinener Panzer mit Stickereien vor, den der König Amasis von Ägypten nach Sparta schenkte.

Die Germanen lernten den Metallpanzer (als Brünne) zuerst bei ihren keltischen Nachbarn kennen. Darauf zumindest läßt die Ableitung des gemeingerm. Wortes Brünne von got. brunja, anord. brynja, ags. byrne, ahd. brunna von air. bruinne ('Brust') schließen. [3] [4] Übernommen haben sie ihn jedoch nicht. Bis in die römische Zeit fehlen Panzerfunde aus germanischen Boden. Noch zu Tacitus' Zeit ist er ein seltenes Ausrüstungsstück [5].

Römische Kaiserzeit

Der Panzer der Römer (Lorica) war gewöhnlich ein bloßes Bruststück (Pectorale), doch trugen die Wohlhabenden auch leichte, bequeme Schuppenpanzer, die den ganzen Oberleib bedeckten. Gemeiniglich war der römische Panzer auch ehern, später hatte man deren auch aus rohem Leder; die Teile wurden mit Riemen und Schnallen zusammengehalten. Die wenigen erhaltenen Bruchstücke germanischer Metallpanzer aus den ersten nachchristlichen Jahrhunderten, Fragmente von Ringbrünnen sind römische Fabrikate, die der Handel oder heimkehrende Söldner mitbrachten.

Eine wohlerhaltene Ringbrünne aus dem Vimoor vom Ende dieser Epoche (3./4. Jh.) darf als der gewöhnliche Typ dieser Schutzwaffe in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten gelten. Er besteht aus einem enganliegenden Hemd von ca. 1 m Länge mit kurzen, den Oberarm bedeckenden Ärmeln und einer Öffnung zum Durchstecken des Kopfes. Gefertigt ist er aus ca. 1 cm breiten und 2 mm dicken Eisenringen, die so zusammengekettet sind, daß vier ineinander greifen. Die Ringe sind entweder alle zusammengenietet, oder genietete und geschmiedete wechseln miteinander ab.

Die Arm- und Halslöcher sind bisweilen mit zwei Reihen von Bronzeringen eingefaßt. Mit einigen Fragmenten aus dem Vimoor - und andern Moorfunden - ist das etwa das erhaltene Panzermaterial aus der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends. Die tatsächlichen Verhältnisse werden so recht gut charakterisiert: der Panzer ist in dieser Zeit ein seltenes, nur von wohlhabenden zu erwerbendes Ausrüstungsstück. Man verwendet meist nur die die freie Bewegung am wenigsten hemmende Ringbrünne, die man seit den ersten nachchristlichen Jahrhunderten aus provinzialrömischen Fabriken empfängt [6].

Völkerwanderungszeit / Frühmittelalter

In der Folgezeit ändert sich das wenig. In der Lex Salica wird der Panzer noch gar nicht erwähnt. Die Lex Ripuaria bewertet ihn (brunia bona) mit 12 solidi, also doppelt so hoch wie den Helm (= 6 guten Ochsen und 12 Kühen). Wo die Geschichtschreiber die Ausrüstung des germanischen Kriegers schildern (bei den Franken Agathias II 5 und Gregor von Tours II 27; bei den Herulern Paulus Diaconus I 20; bei den Sachsen Widukind I 9), fehlt der Panzer völlig oder wird ersetzt durch Schutz aus Leinen und Leder.

Daß bei den Germanen Osteuropas die Verhältnisse viel anders waren, ist trotz der Nachrichten von den Hornpanzern der Quaden [7] und den Kettenpanzern der Goten [8] bei dem gleichen Mangel an germanischen Panzerfunden im Osten zu bezweifeln [9].

Die ganze merowingische Zeit hindurch bleibt die Brünne ein seltenes Schutzwaffenstück. Sie findet sich fast immer in reich ausgestatteten Funden, gewöhnlich in Helmgräbern. Helm und Brünne werden auch von den Geschichtschreibern in der Regel zusammen genannt (Gregor von Tours IV 42, 48, X 3). Die Helme von St. Vid, Vezeronce, Baldenheim, Gammertingen, Bretzenheim und Benty Grange wurden mit Panzerresten gehoben.

Diese Brünnen, zu denen noch Kettenpanzerfragmente aus dem Eaulne-Tal [10], von Kaiser Augst (Museum Basel) und von Wittislingen [11] kommen, repräsentieren mit Bruchstücken eines langobardischen Schuppenpanzers von Castel Trosino wohl das wesentliche, gegenüber der Masse von Speeren, Schwertern und Schilden außerordentlich spärliche Material, das aus den germanischen Funden des 5. bis 8. Jhs. bekannt ist.

Ringbrünne von Gammertingen, Heid. Hs. 3989 IV B - 1

Alamannische Ringbrünne von Gammertingen (6. Jh.)

Die bei weitem gebräuchlichste Art ist also auch in dieser Epoche der leichte eiserne Kettenpanzer. Ein vollständig erhaltenes Stück, die alamannische Ringbrünne von Gammertingen (6. Jh.), ist ein Hemd mit Kapuze (Halsberge) und kurzen Ärmeln. Das Geflecht ist ähnlich wie bei dem Panzer aus Vimoor. Doch ist gegenüber den nordischen Ringbrünnen ein Fortschritt in der Festigkeit dadurch erreicht, daß die gestanzten Ringe einen geringeren äußeren Durchmesser und eine größere Breite der Ringperipherie haben, wodurch die Zwischenräume verdeckt oder verkleinert werden.

Aus Britanien kennen Forscher, mit Ausnahme der Fragmente von Benty Grange, so gut wie keine Panzer des Frühmittelalters. Trotzdem werden Ketten- wie Schuppenpanzer in der angelsächsischen Poesie häufig erwähnt, so z.B. bei Beowulf (144, 1511, 1527). Zahllose Brünnen schenkt Weohstan seinem Sohne (Beowulf. 2624), und der Scheiterhaufen Beowulfs ist mit glänzenden Brünnen behangen. In angelsächsischen Gesetzen findet sich die Brünne zuerst Ende des 7. Jahrhunderts in den Gesetzen von Ine. Ihr Gebrauch bleibt bis zu den Zeiten Kanuts des Dänen selten.

Von Skandinavien gibt es aus der Völkerwanderungszeit und Wikingerzeit keine archäologischen Anhaltspunkte für das Tragen des Panzers, weder aus Funden noch aus Darstellungen. Die auf den Torslundaplatten und den Zierblechen des Wendelhelmes abgebildeten, bis an die Zähne bewaffneten Krieger sind ohne Brünne. Das verwundert umsomehr, als gerade in nordischer Poesie sehr viel von Panzern geredet wird (vgl. z. B. die Schilderung von Walhall, Grimnismal 9).

Im Frankenreiche werden die Brünnen seit der Karolingerzeit häufiger. Ein karolingisches Kapitular vom Jahre 805 bestimmt: insuper omnis homo de duodecim mansibus bruniam habeat. Die Waffenausfuhrverbote Karls des Großen zeigen, daß eine umfangreiche, auch schon auf den Export arbeitende Panzerfabrikation sich im Frankenreiche zu entwickeln beginnt. [12]

Während der Dichter des Beowulfliedes die Panzerringe mit der Hand zusammengebogen sein läßt, heben die altnordischen Skalden der Wikingerzeit die Wirksamkeit des Hammers bei der Verfertigung der Brünne hervor. Die altnordischen Brünnen bestanden somit aus zusammengeschmiedeten Ringen. Genietete Panzerringe werden nur einmal erwähnt (negldar brynjur, Volundarkvidha 6). Die Ringbrünne (hringabrynja) scheint noch im 11. Jahrhundert in Nordeuropa der einzige gebräuchliche Leibharnisch gewesen zu sein.

Hochmittelalter

Im Hochmittelalter war der stählerne oder blecherne Panzer ein Hauptstück der Ritterrüstung (s.u. Rüstung), die Teile, die Hals und Brust bedeckten, hießen Halsberge. Jetzt nennt man den Panzer Küraß. Um 1160 findet man die erste Erwähnung der Spangenbrünne (spangabrynja). Die im Jahre 1172 die Stadt Dublin angreifenden Norweger waren nach Giraldus Cambrensis "undique ferro vestiti, alii loricis longis, alii laminis ferreis arte consutis."

Somit kam der Plattenpanzer in Nordeuropa erst in Aufnahme, als er auf dem Kontinent immer mehr aufgegeben wurde. Zweifellos war dieser Plattenharnisch nicht von dem sonst bekannten verschieden, bei dem die Metallplatten auf einer Unterlage von Leinen oder Leder befestigt waren. Am Ende des 12. Jahrhunderts drang der Leinenpanzer - panzari - im Norden ein; der Lederpanzer blieb unbekannt. [13]

Als zur Rüstung gehörig werden Brünnenhosen (brynhosur) erwähnt, die häufig aus zusammengeketteten Eisenringen bestanden und deshalb zuweilen auch Eisenhosen (járnhosur) genannt, sowie teils unter, teils über diesen Panzerhosen (treyjuhosur) aus weicher, geschwärzter Leinwand getragen wurden. [14]

Galerie

Quellen

Einzelnachweise

  1. Götzinger, E.: Reallexicon der Deutschen Altertümer: Panzer. Leipzig 1885., S. 756
  2. Meyers Großes Konversations-Lexikon: Panzer, Band 15. Leipzig 1908, S. 370.
  3. Reallexikon der indogermanischen Altertumskunde (Internet Archive). Otto Schrader. K. J. Trübner Verlag. Straßburg, 1901. S. 611
  4. Deutsche Altertumskunde (Wikisource). Karl Müllenhoff. 5 Bände, Berlin 1870-1908. Bd. IV, S. 169.
  5. (Tacitus. Germia 6: "paucis loricae"; Ann. II 14 "non loricam Germano, non galeam")
  6. Nordische Altertumskunde (Internet Archive). Sophus Müller. Übersetzung. V. Jiriczek. 2 Bände. K.J. Trübner Verlag, Straßburg 1897-98. Bd. II, S. 128.
  7. Ammian. Marc. XVII 3 nach Müllenhoff 17, 12, 1
  8. Sidon. Apollin. III. Goth. lib. III
  9. Hampel, Altertümer des frühen Mittelalters, Band I, S. 213.
  10. Cochet, La Normandie souterraine pl. XVI 4
  11. Hager, Katalog des bayrischen Nationalmuseums
  12. Handbuch der deutschen Altertumskunde. Lindenschmit. Braunschweig 1880 — 89. S. 261 ff.
  13. Altnordische Waffenkunde (Open Library). Hjalmar Falk. Kristiania : J. Dybwad, 1914. S. 174 ff.
  14. Hoops, RdgA. aaO. Bd. IV, S. 350 (Art. Trachten § 19.)
  15. Die Kriegswaffen in ihren geschichtlichen Entwickelungen von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart (Internet Archive). Augustec Demmin. Leipzig : P. Friesehahn, 1893. S. 894, Fig. 2

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