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Paulus Diaconus oder Paul Warnefried (* zwischen 725 und 730 in Friaul; † zwischen 797 und 799 in Monte Cassino) war ein langobardischer Geschichtsschreiber und Mönch. [1]

Werke

Geschichte

Paulus Diaconus stammte aus einem vornehmem, in Friaul angesessenem Langobardengeschlecht. Geboren wurde er als Sohn Warnefrids in den zwanziger Jahren des 8. Jh., ausgebildet und erzogen wahrscheinlich am Paveser Hofe des Königs Ratchis (744-49). Die Verwandtschaft der Herrscherhäuser schuf ihm weitere Beziehungen zum Hof des Fürsten Arichis von Benevent und seiner Gemahlin Adelperga, der Tochter des Langobardenkönigs Desiderius.

Für diese schrieb er zwischen 766 und 781 seine römische Geschichte (Historia Romana), eine kirchengeschichtliche Ergänzung und Fortführung des Eutrop bis zum Untergang des italischen Ostgotenreiches, eine Kompilation reichen Quellenmaterials, die zu einem vielbenutzten Lehrbuch des Mittelalters wurde. [2] Paulus wurde Geistlicher, und die Würde eines Diakons verlieh ihm seinen ständigen Beinamen. Schon vor 774 trat er ins Kloster ein, zuerst in St. Peter bei Civate, nahe dem Comersee, wo er für seine Schüler eine Auslegung der Regel des hl. Benedikt (Regula Benedicti) aufzeichnete, später, nachdem Karl der Große das Langobardenreich über den Haufen geworfen hatte, in das Mutterkloster Montecassino.

Die Not seiner Familie, die fränkische Haft seines im Friauler Aufstand von 776 gefangenen Bruders Arichis veranlaßten ihn schließlich 782 sich an den Frankenherrscher mit einer dichterischen Fürbitte zu wenden; das führte bei dem leidenschaftlichen Streben Karls nach Heranziehung ausländischer Gelehrter trotz des nationalen und politischen Gegensatzes zu engen Beziehungen. Um Weihnachten desselben Jahres weilte Paulus in der Pfalz Diedenhofen, schrieb aus jener Gegend am 10. Januar 783 an seinen Abt nach Montecassino und blieb darauf vermutlich längere Zeit im Kloster St. Arnulf in Metz.

Gesta Episcoporum Mettensium

Denn Karl verwertete das gewandte und ausdrucksreiche Dichtertalent des Langobarden für Grabinschriften für weibliche Verwandte, die in jenem Kloster bestattet wurden. Neben grammatischen Arbeiten, die er dem König widmete, schrieb Paulus auf Bitten des Bischofs Angilram von Metz und unter Karls Anteilnahme eine Geschichte der Metzer Bischöfe (Gesta Episcoporum Mettensium) [3], die, natürlich unter starker Hervorhebung Arnulfs und seiner karolingischen Nachkommen, kurze Bischofsbiographien nach dem Vorbild der römischen aneinanderreihte und trotz geringer Reichhaltigkeit und Bedeutung dadurch wichtig wurde, daß sie für künftige Bistumsgeschichten ein Muster abgab.

Homiliensammlung

Obwohl Karl durch seine großzügige Liberalität das Herz Paulus' gewann, gelang es doch nicht, ihn dauernd an das Frankenreich zu fesseln; die Sehnsucht nach klösterlicher Ruhe und die wachsende politische Spannung mit Benevent drängten ihn zur Rückkehr nach Montecassino. Dort verbrachte er, nachdem er vermutlich Karl Ende 786 nach Italien begleitet hatte, einen ungestörten Lebensabend, dessen zeitlicher Abschluß nicht bekannt ist. Er war mit emsiger Gelehrtenarbeit erfüllt. Für Karl stellte Paulus zum Nutzen der fränkischen Geistlichen eine zweibändige Homiliensammlung (Omillarius) für das ganze Jahr zusammen. Eine Biographie Gregors des Großen [4]zeigt, da ihre Quellen bekannt sind, wie sorgsam Paulus zu kompilieren verstand, was mit stärkeren Vorbehalten durchaus auch von jenem großen Werk gilt, dem Paulus seine Berühmtheit und Bedeutung für die germanistische Altertumswissenschaft verdankt. [5]

Sechs Bücher Langobardengeschichte

Bereits in seiner Historia Romana stellte Paulus eine Fortführung bis in seine Gegenwart in Aussicht. In seinen letzten Lebensjahren versuchte Paulus diese Aufgabe in seinen "Sechs Büchern Langobardengeschichte" (Historia Langobardorum) zu bewältigen. Natürlich stand dabei für ihn die Geschichte seines eigenen Volkes im Mittelpunkt; so schilderte er die Langobarden in ihren Beziehungen zum oströmischen und fränkischen Reich und fügte auch sonst gelegentlich Wissenswertes ein. Bei der Dürftigkeit schriftlicher Quellen war die Schwierigkeit einer solcher Gesamtdarstellung ungeheuer groß.

Anfangs konnten neben auswärtigen Schriftstellern noch die Aufzeichnung von der Herkunft der Langobarden und das zwar knappe, aber anscheinend recht zuverlässige Geschichtswerk des Tridentiner Abtes Secundus († 612) als Führer dienen, aber für weite Strecken des folgenden Jahrhunderts versagten nahezu alle Quellen. Daß unter solchen Umständen trotz Wahrheitsliebe und kritischer Versuche viele Versehen, Ungleichheiten, chronologische Unsicherheiten unterliefen, ist begreiflich.

Paulus' Interesse an den Sagendichtungen seines Stammes ist es zu verdanken, dass sie durch ihn nicht nur in besonders reicher Zahl, sondern auch in besonders unverfälschter Gestalt überliefert sind. Allerdings war es ihm nicht mehr vergönnt, die Langobardengeschichte bis zu seiner eigenen Zeit darzustellen. Als er bis zum Tode König Luitprands (744) gekommen war, verstarb Paulus Diaconus. So fehlt dem Werk unter dem Gesichtspunkt der politischen Historie der wertvollste Teil. Trotz dieser Lücke begreift sich die Beliebtheit, der sich die Langobardengeschichte im Mittelalter erfreute und die noch heute aus dieser umfangreichen Überlieferung von mehr als 100 Handschriften ersichtlich wird. [6]

Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Paulus Diaconus
  2. Historia Romana. MG. Auct. ant. II (als Ergänzung zu Eutrop gedruckt) = in us. schol. recusa, 1879 (mit fortlauf. Text)
  3. Gesta episcoporum Mettensium. Monumenta Germaniae Historica (MGH) Scriptores. II 260 ff.
  4. Vita Gregorii in Zeitschrift für katholische Theologie. Ausgabe XI, S. 162 ff.
  5. Walter Stuhlfath. Gregor I. der Große. Winter (1913). ASIN B0018IOUMC1913. S. 74 ff. 98 ff.
  6. Historia Langobardorum. ed. Waitz. MGH SS rer. Lang. 1 und MGH SS. rer. Germ. 1878; Übersetzung: Geschichtschreiber der deutschen Vorzeit. 15, 1888.

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