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Die Herstellung von Perlen reicht weit bis in die Steinzeit zurück. Anfänglich waren sie vor allem aus Tierzähnen, Knochen in der Form von Zähnen oder Äxten und aus Bernstein (s.a. Bernsteinaxt).

Beschreibung

Die Bernsteinperlen, die gewöhnlich in Dänemark und Südschweden, spärlicher in Mecklenburg-Pommern vorkommen, haben verschiedene Formen. Die Perlen der Dolmenzeit, die jedoch sehr selten in Gräbern, sondern meistens in großen Schatzfunden vorkommen, sind irreguläre Scheiben, Röhren oder Prismen.

Steinzeit

In der Ganggräberzeit (Jungsteinzeit) sind die Bernsteinperlen sehr häufig in dänischen und südschwedischen Gräbern. Am gewöhnlichsten sind axt- oder hammerförmige Perlen; aber auch andere zufällige Formen können ab und zu gefunden werden. Die auffällige Form der Bernsteinäxte führte einige Forscher zu der Theorie, dass diese Perlen möglicherweise eine religiöse Bedeutung als Symbole eines Donnergottes hatten.

Gleichzeitig mit den Ganggräbern Ostdänemarks, Südschwedens und Mecklenburgs sind die Einzelgräber im westlichen Jütland, die nicht selten linsen- oder scheibenförmige Bernsteinperlen enthalten. Die megalithische Steinzeitkultur gewann ihren Bernstein zum größten Teil von dem großen Bernsteingebiet in Westdänemark. Das Bernsteinzentrum an der südöstlichen Ostseeküste (Ostpreußen) lieferte während der Steinzeit auch große Perlenfunde, die aber nicht von germanischen Völkern stammen.

Bronzezeit

Am Ende der Steinzeit und durch die ganze Bronzezeit (2200 v. Chr. bis 800 v. Chr.) sind Bernsteinperlen sehr selten, was seine Erklärung darin findet, daß der Bernstein nunmehr ein hochgeschätzter Tauschartikel im Bronzehandel geworden war. Überhaupt sind Perlenfunde aus der Bronzezeit relativ selten. Außer kleinen Scheiben- oder tonnenförmigen Bernsteinperlen, die größtenteils in Dänemark gefunden wurden, verwendete man Perlen aus Bronzespiralröhrchen, eine einfache lebhafte Form, die bis in die Latènezeit (450 v.Chr. bis 15 n.Chr) und noch später ab und zu vorkommt.

Ein seltener Schmuck sind orientalische Glasperlen, die gelegentlich den langen Weg nach Nordeuropa gefunden haben. Sie sind scheibenförmig, hyalin, meistens blau oder grünlich, selten bräunlich oder mehrfarbig. Man kennt ca. 25 solcher Funde aus Schleswig-Holstein, Dänemark, Mecklenburg, Hannover, Pommern und Schweden, die größtenteils der späten Bronzezeit (ca. 1300-1100 v.Chr.) angehören.

Eisenzeit

In der vorrömischen Eisenzeit (550 v. Chr. - Chr. Geb.) fehlt Perlenschmuck beinahe vollständig bei den Germanen. Außer einheimischen Bronzespiralröhrchen, die allerdings nicht häufig sind, findet man gelegentlich, wie z. B. in Pommern, blaue Glasperlen, die aus dem keltischen Kulturgebiet importiert wurden, wo Perlen sehr häufig waren.

In der Römerzeit (Chr. Geb. - 200 n. Chr.) begann der große provinzialrömische Import von Gegenständen aller Art in die germanischen Länder. Aus dieser Zeit findet man häufiger Glas- und Tonperlen in den Gräbern; allgemein üblich sind sie jedoch nicht. Dagegen waren Perlen aus filigranverziertem Gold-, Elektrum- oder Silberblech sehr beliebt, wenn auch die numerische Fundstatistik infolge des teuren Materials nicht sehr groß sein kann. Aus Bornholm kennt man zca. 40 Funde; meistens sind sie doppelkonisch (Fig. 3) oder kugelig, seltener zylindrisch oder viereckig. Sie wurden zusammen als Halsketten getragen und stehen in nächster Beziehung zu den gleichbearbeiteten Körbchen-Bommelanhängern derselben Periode. Wie jene Formen sind sie einheimische Germanenarbeit verschiedener Stämme, doch sind sie ursprünglich von klassischen Einflüssen hervorgegangen.

Spätantike / Völkerwanderungszeit

Erst in spätrömischer Zeit (200 bis 400, 450 n. Chr.) beginnt der große Import provinzialrömischer Glas- und Emailleperlen zu blühen. Vom Beginn an römische Arbeit, scheint jedoch die Perlenfabrikation nach dem Fall des weströmischen Reiches auf klassischem Grund fortgedauert zu haben; vielleicht war jedoch in der Völkerwanderungszeit (450-750, 800 n. Chr.) das oströmische Reich das Fabrikationszentrum. Die Perlenfunde der Gräber sind oft sehr groß - häufig bestehen sie aus vielen Hunderten von Perlen - und gehen ohne größere Variationen bis in die Wikingerzeit Skandinaviens; in den karolingischen Funden des Kontinents und Englands sind sie aber sehr spärlich. Die Perlen können in verschiedene Haupttypen gruppiert werden.

  • 1. Hyaline Glasperlen aus blauem, grünem, violettem oder wasserfarbigem Glas.
  • 2. Einfarbige Emaillen- oder Glasflußperlen, aus undurchsichtiger Glaspasta, grün, blau, violett, gelb, rot oder weiß. Diese zwei Perlengruppen sind kugelig oder röhrenförmig; die letzteren zylindrisch, prismatisch (vier- oder vielseitig) oder doppelt konisch; die kugelförmige Gruppe ist sehr oft fruchtähnlich kanneliert, die wasserfarbige meistens kristallinisch facettiert, wie kubooktaedrisch usw.; die durchsichtigen Kugelperlen können sehr oft zwei bis fünf röhrenförmig zusammengeschmolzen oder mit Gold- oder Silber folium unter einer dünnen Oberfläche verziert sein (Fig. 4).
  • 3. Vielfarbige Emaille- oder Glasflußperlen. Diese können in einfacher Grubenschmelztechnik verfertigt werden, wobei Bänder und Punkte in verschiedenen Farben ganz oberflächlich in kleine Kanäle oder konische Gruben der Perlen eingelegt wurden, z. B. die Mosaikperlen. Zu den sog. Millefioriperlen verwendete man dagegen Glasstangen, die aus zusammengeschmolzenen, parallelen Glasstiften bestanden. Zuletzt sind die vielfarbigen Emaillefarben „aus gemischter Glasmasse" zu nennen (Fig. 5).

In spätrömischer Zeit beginnt man auch noch einmal den Bernstein für Perlenschmuck zu verwenden. Die Typen sind flach kugelig, beinahe scheibenförmig und nicht selten bommelförmig, die gleichförmigen Anhänger der Römerzeit nachahmend (Fig. 6). Hierbei gelangte der nordosteuropäische Bernstein zu größerer Verwendung. Auch in den Perlenfunden der Völkerwanderungszeit erscheinen ab und zu kugelige, oft sehr große Bernsteinperlen, ebenso in den nordischen Funden der Wikingerzeit.

Frühmittelalter

Bei den noch heidnischen Skandinaviern fand man in jener Periode (800-1050 n. Chr.) Perlenschätze in den Gräbern; doch sind die Perlen nicht so zahlreich, und neue Formen erscheinen ebenfalls. Sehr auffällig sind die prismatischen Bergkristalle und Karneole, die durch die südöstlichen Handelsverbindungen der Schweden vom Orient nach Nordeuropa kamen. Perlen aus Karneol und Bergkristall waren begehrte Luxusartikel (z.B. in Haithabu) und dienten wahrscheinlich auch als Zahlungsmittel. [3]

Dieses Bild zeigt zwei ovale Bronzespangen (Schalenfibeln) mit Perlen aus Bergkristall, Karneol und Glas; die Glasperlen sind auf Bronzedraht aufgefädelt, was schon in der Völkerwanderungszeit nicht selten ist. Am Ende der Wikingerzeit entstehen Filigranperlen aus Silber oder Gold, kugelig, doppelkonisch oder röhrenförmig, die sehr häufig in den Schatzfunden des frühen Mittelalters vorkommen. Fig. 5 zeigt das gewöhnliche Aussehen solcher Perlen.

Verwandte Themen

Externe Links

Quellen

Einzelnachweise

  1. aus Nordische Altertumskunde (Internet Archive). Sophus Müller. Übersetzung. V. Jiriczek. 2 Bände. K.J. Trübner Verlag, Straßburg 1897-98. Bd. I, Fig. 75, 74
  2. National Museums of Scotland: Beads of amber (ID: 000-190-000-962-C)
  3. Wikinger Museum Haithabu: http://www.schloss-gottorf.de/haithabu (24866 Busdorf, Schleswig)
  4. 4,0 4,1 Kulturgeschichte Schwedens von den ältesten Zeiten bis zum elften Jahrhundert nach Christus (Internet Archive). Oscar Montelius. Leipzig : E. A. Seemann, 1906. Abb. 492.

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