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Der Pfeil (lat. sagitta) dient als Projektil für den Bogen. Er besteht aus einem dünnen Rohr oder einem leichten hölzernen Stab mit einer Spitze aus Metall, Stein, Fischgräten oder Knochen. Hinten ist er mit zwei bis vier Reihen Federn oder dünnen Holzplättchen beflügelt. [1]

Aufbau

Pfeile (vom lat. pilum, ahd. flitz) haben verschiedenartige Spitzen und bestehen allgemein aus dem Stock, der Spitze und dem Flug, der sowohl aus Federn wie aus Holz dargestellt werden kann. Es gab auch Pfeile mit Widerhakenspitzen. Im Mittelalter bewahrten die Bogenschützen ihre Pfeilfedern üblicherweise in einem besonderen Teil des Köchers auf, um die Pfeile erst vor dem Gebrauch mit Federn zu versehen.

Pfeilgift

Pfeilgifte (lat. toxion u. toxicum), wovon das südamerikanische Curare das bekannteste ist, waren bereits in den frühesten Zeiten, besonders bei den morgenländischen Völkern in Gebrauch, denn schon im Altertum bestrichen orientalische Völkerschaften die Pfeilspitze häufig mit Gift.

Geschichte

Die Pfeile der Hebräer, Griechen und Römern bestanden für gewöhnlich aus Rohr mit einer drei- oder vierfach zugespitzten Pfeileisen, hinten besaßen sie zwei starke Federn für eine größere Schnellkraft. Allerdings sind Pfeile und Bögen aus Bodenfunden nur selten vollständig erhalten, da von den Pfeilen nur die steinerne oder metallene Spitze die Zeit überdauerte.

Die Voraussetzungen für die Geschichte dieser Waffe liegen also, was das archäologische Material betrifft, ähnlich ungünstig wie für Axt und Lanze. Häufig finden sich Pfeile dagegen in Wappen, wobei die Stellung und Befiederung ausschlaggebend ist, d.h. ob sie z.B. mit Federn aus anderer Farbe als der Schaft besteckt und tingiert sind.

Steinzeit

In der Jungsteinzeit waren Pfeil und Bogen eine der Hauptwaffen jener Zeit. Die Pfeilspitzen wurden gewöhnlich aus Feuerstein hergestellt und waren sowohl für die Jagd auf Tiere wie auch als Waffen gegen Menschen geeignet und wurden wohl auch so verwendet. [2] Neben den (für Skandinavien charakteristischen) langen dreiseitigen Spitzen mit Griffangel kommen eine Reihe von kürzeren und breiteren Typen vor, von mal runder, mal dreieckiger oder länglicher Form mit rund ausgebogenen oder konvex ausgeschnittenem Klingenabschluss, deren Blatt tief in den Holzschaft eingeschoben wurde, und bisweilen an der Seite Einkerbungen zur Befestigung oder Umwicklung trug. Besonders die dreieckigen Formen laufen in oft sehr lange Widerhaken aus; gewöhnlich haben sie keinen Schaftstiel.

Bronzezeit

Seit dem Beginn der Bronzezeit scheint der Bogen in der nordeuropäischen Bewaffnung zurückzutreten. In Norddeutschland sind Pfeilspitzen in Gräbern der älteren nordischen Bronzezeit [5] ziemlich häufig, besonders in Mecklenburg in der Periode Montelius III, von 1300 v.Chr. bis 1100 v.Chr. Es sind in der Regel noch Feuersteinarbeiten. Bronzene Pfeilspitzen sind seltener. In der älteren Hälfte der Bronzezeit herrschen Formen mit tief in das Blatt eindringender Röhre und flachen Flügeln oder kurzer Tülle und Widerhaken, in der jüngeren Bronzezeit herrschen dann längere lanzettförmige flache Klingen mit langer rechtseitiger Angel vor.

Eisenzeit

Während des letzten vorchristlichen Jahrtausends scheint der Gebrauch des Bogens, wenigstens als Kriegswaffe, beschränkt gewesen zu sein. Pfeilfunde sind selten. Tacitus erwähnt im 1. Jh. den Gebrauch von Pfeil und Bogen bei den Germanen nicht. Ihre häufige Darstellung auf römischen Monumenten entspricht also nicht den tatsächlichen Verhältnissen. Erst mit der ausgehenden römischen Kaiserzeit im 4. Jh. wurde der Bogen wieder eine häufige, allgemein verbreitete Waffe. Überliefert ist, dass bei den germanischen Völkern die Leibeigenen durch das Zuwerfen eines Pfeiles losgelassen und waffenfähig gemacht wurden.

Völkerwanderungszeit

Das mit der beginnenden Völkerwanderungszeit im 4. Jh. der Bogen in Mittel- und Nordeuropa wieder allgemein verbreiteter wurden, belegen, was die Nordgermanen betrifft, die nordischen Moorfunde. Die Pfeilspitzen bestehen aus Eisen und Knochen. Die häufigsten Formen sind lange, sehr schmale, in der Mitte häufig eingezogene Blätter mit kurzer Schaftröhre, oder dünne vierkantige Spitzen mit kurzer Angel.

Die größeren Stücke mit Widerhaken und Tülle scheinen sich an Wurfspießen befunden zu haben, doch waren die Bogen stark genug, um auch solche Eisen zu schleudern. Die in den Mooren erhaltenen Schäfte sind 66-97 cm lang, in der Mitte ca. 1 cm dick und verjüngen sich nach beiden Seiten. Am hinteren Ende waren Reste einer Pechmasse mit Abdrücken von Schnur zur Befestigung von vier Reihen Flugfedern und ein Einschnitt für die Sehne. Die meisten tragen eingeritzte (Besitzer-?) Marken, einige Runen.

Vom 4. Jh. ab finden sich Pfeilspitzen ziemlich regelmäßig auch in den südgermanischen Gräbern. Spitzen mit stabartiger Angel zum Einstecken in den Schaft und solche mit Tülle kommen nebeneinander vor. Bei beiden Typen ist das Blatt bolzen-, blatt- oder lanzettförmig und häufig mit Widerhaken versehen.

Frühmittelalter

Bei den nordischen Völkern, z.B. Finnen und Esten, war es (in Schweden noch im 8. Jh.) Sitte, durch das Zuschicken eines Pfeiles den Krieg zu erklären, so wie durch denselben die waffenfähigen Männer zusammenzurufen. Während der Wikingerzeit scheinen die Nordgermanen blattförmige Pfeilspitzen mit Angel bevorzugt zu haben.

Wie die altnordische Sprache (ca. 800-1350) für den Pfeil und die kurze Wurflanze teilweise dieselben Benennungen aufweist, so unterscheiden sich die Gattungen der Pfeile ungefähr wie die der Speere. So hatte z.B. der fleinn ein langes und gerades Eisen, der broddr (broddǫr) eine drei- oder vierschneidige Spitze; die krókǫr war mit Widerhaken versehen; die bílda (bíldǫr) war ein Pfeil mit blattförmiger Spitze, der kólfr ein Bolzen mit dickem und stumpfem Kopf.

Seltenere Formen waren die lásǫr (mǫlluǫr), die bǫsl, fenja und akka. Letztere war vielleicht mit einer Knochenspitze versehen, wie gelegentlich auch steinerne Pfeile (steinǫrvar) erwähnt werden. Besonderer Art waren auch die „lappischen Pfeile" (finsk ǫr [6]), deren die Örvar-Odds saga, die Ketils saga høngs und die Thulur der Snorra Edda gedenken.

Hochmittelalter

Im Hochmittelalter (ca. 1050-1250) glichen die eisernen Pfeilspitzen meistens denen des Bolzens (carrels bzw. carreaux) der Armbrust, die später an Stelle des Bogens trat. Sie waren eckig, mit zwei, drei und sogar mit vier Spitzen versehen, selten jedoch mit Widerhaken, wie die des Altertums.

Die Länge des Bogens und der Pfeile wechselten je nach Land und Größe des Mannes. So waren z.B. im 11. Jh. die Pfeile der Normannen, der Engländer wie der Franzosen der Länge der Bögen entsprechend von einer Länge nicht über 70 cm, anscheinend mit Federposen befiedert und besaßen bärtige oder auch lanzettförmige Spitzen mit kleinen Knöpfen am Ansatz. In den Chroniken von St. Denis (Grandes Chroniques de France) aus dem 13. Jh. erscheint der Pfeil auch als pille und sayette.

Spätmittelalter / Renaissance

Die Pfeile der englischen, französischen und deutschen Bögen des 15. Jh. und der Folgezeit hatten eine durchschnittliche Länge von 110 cm bei 1,5 - 1,8 cm Querschnitt. Sie waren für den Kriegsgebrauch üblicherweise mit Pergament befiedert, das mit grellen Farben bemalt wurde; die Spitzen waren lanzettförmig mit kurzen Dillen. Die Lage des Schwerpunktes ist schwer nachzuvollziehen, da so gut wie keine vollständigen originalen Pfeile eines deutschen oder englischen Bogens in Sammlungen erhalten sind. Meist sind nur die Pfeilspitzen erhalten.

Orientalische Pfeile

Orientalische Pfeile (tîr) besitzen eine Länge von durschschnittlich 75 cm bei einer Stärke von nur selten über 7 mm. Die Befiederung ist in der Regel dreireihig und besteht aus Vogelfedem verschiedener Arten; die Spitzen sind äußerst fein und sitzen häufig im Dorn auf dem Schaft, der dann am oberen Ende fein geschnürt und zuweilen mit äußerst dünnem Bast überklebt ist. Einige Sorten besitzen knapp unter der Spitze extrem feine, kaum 1 mm breite Ringe aus Metall.

Am rückwärtigen Ende ist bei reicher ausgestatteten Pfeilen ein kleines Füßschen aus Elfenbein angesetzt, welches am Ende einen kleinen Ausschnitt hat, in den beim Spannen die Sehne eingelegt wird. Gemeine Pfeile entbehren zwar eines solchen Ansatzes aus Elfenbein oder Knochen, sie besitzen aber alle sorgfältig gefertigte Sehnenausschnitte. Der Schwerpunkt befindet sich gewöhnlich nur wenige Zentimeter über der Hälfte zur Spitze hin. Nahezu jeder der vorhandenen orientalischen Pfeile ist in schönen Mustern verziert, die zumeist in Lackmalerei mit Vergoldung hergestellt sind; seltener finden sich Einlagen, noch seltener Schnitzereien.

Galerie

Quellen

Einzelnachweise

  1. Herders Conversations-Lexikon (Zeno.org). Freiburg im Breisgau 1856, Band 4, S. 514.
  2. 2,0 2,1 Museum Digital: Landesmuseum Württemberg - Sieben Pfeilspitzen aus Metzingen (Erwin Keefer)
  3. Museum Digital: Naturkunde-Museum Bielefeld (Namu) - Jungsteinzeitliche Pfeilspitze
  4. Museum Digital: Museum Weißenfels - Schloss Neu-Augustusburg - Pfeilspitzen aus Feuerstein [IV 345 a-l]
  5. Mecklenburger Jahrbücher. Ausgabe 67, S. 123
  6. Landnámabook, S. 113
  7. Sammlung Gustav Friedrich Klemm (im Museum für Völkerkunde zu Leipzig).
  8. Sammlung Soeter in Augsburg
  9. 9,0 9,1 9,2 Fürstlich Hohenzollernsche Waffensammlung im Museum Schloss Sigmaringen (Baden-Württemberg)
  10. Franz von Hauslab-Bibliothek, Wien.
  11. Museum Digital: Heimatmuseum Osterwieck - Kleine Pfeilspitze [IV 98/134]]
  12. Sammlung John Beardmore, Esq., of Uplands, bei Fareham, Hampshire (illustriertes Verzeichnis von W. Boone hrsg., London, 1844)
  13. Anmerkung: Der gerade Halbmond diente zum Zerschneiden der Kniekehlen bei Menschen und Pferden.
  14. nach den Aquarellen Georg Glockenthons dem Älteren († 1514) - Ambraser Sammlung (heute: Kunsthistorisches Museum Wien, Hofjagd- und Rüstkammer)
  15. aus dem Kriegsbuch (1573) von Leonhard Fronsperger (um 1520-1575).
  16. Anmerkung: a) Tartarischer Pfeil. - b) osmanischer Pfeil mit Befiederung, der Schaft mit feiner Lackmalerei verziert. - c, d, e) Arabische Pfeile. - f) Osmanischer Pfeil (17. Jh.)

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