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Die Reichsannalen waren ein wichtiger Bestandteil der Geschichtsschreibung der Karolingerzeit, vom Anfang 8. Jh. an bis 911. Sie begleitete die Karolinger von den Anfängen ihres Aufstieges bis zum Höhepunkt ihrer Macht und über die Tage der Wirrnis und Spaltung des Frankenreiches hinweg bis zum Niedergang.

Beschreibung

Die Reichsannalen waren eine Art von Geschichtsquelle, die zum Herrscherhaus eine engere Beziehungen hatte, als andere Chroniken dieser Zeit. Es war zwar keine völlige Neuschöpfung dieser Epoche, entwickelte sich aber doch zu einer bestimmten Eigenart und zu ungekannter Bedeutung. Auch sie hatten einen spätantiken Vorläufer und konnten sogar an eine Überlieferung der Merowingerzeit, die Fredegarsche, Chronik, anknüpfen.

Nach langem Gelehrtenstreit einigten sich Forscher darauf, dass allen wichtigeren dieser Annalenwerke ein offizieller oder offiziöser Charakter eigen ist. Aber welchen Anteil daneben einige Klöster hatten, in welchem Verhältnis der Ableitung die einzelnen zueinander standen, wer die Verfasser waren, und wo sie innerhalb der Werke wechselten, das sind so verwickelte und komplexe Fragen, daß ihre Behandlung ein eigenes Thema für sich ist (s.a. Karolingische Annalen).

Diese Annalisten hatten an Geschichtskenntnis und politischem, militärischem, diplomatischem Verständnis dem gewöhnlichen Chronisten viel voraus. Sie befanden sich im Mittelpunkt des Reiches, wo alle Fäden auch vom Ausland her zusammenliefen, waren am Schauplatz wichtiger Ereignisse und Verhandlungen, wurden von den Herrschern selbst mit Nachrichten versehen und zeichneten sie gleichzeitig oder nahezu gleichzeitig auf, und waren oft selbst in die unausgeführten Absichten eingeweiht.

Problematiken der Reichsannalen

Auch wenn ihrer Arbeit deshalb vom Quellenwert her kein anderes Geschichtswerk dieser Zeit auch nur entfernt nahekommt, so ist auf der anderen Seite ebenso einleuchtend, daß dieser Geschichtsschreibung etwas sehr Wesentliches fehlt. Es fehlte ihnen der Abstand von den Dingen, der eine neutrale Wertung ermöglicht. Es fehlte die Zusammenfassung und ursächliche Verknüpfung nicht nur für die Geschehnisse, sondern auch für die Gesamtheit der einzelnen Persönlichkeit, für deren Würdigung die annalistische Behandlung keinen Raum läßt. Es fehlt vor allem Unbefangenheit und Urteilsfreiheit, da diese Schreiber in ihren Mitteilungen und genauso im Verschweigen von Dingen die grundsätzlichen Interessen des Hofes vertraten.

An ein gerechtes Verstehen der Gegner ist daher ebensowenig zu denken, wie an eine ungeschminkte Äußerung der Volksstimmung. Diese Einseitigkeit tritt umso schärfer hervor, je reiner der sozusagen aktenmäßige Charakter bewahrt wurde. Daher treten auch in der eigentlichen Blütezeit unter Karl dem Großen und während der Anfänge Ludwigs des Frommen die Persönlichkeiten der wechselnden Verfasser kaum hervor, und alle erwecken den Anschein gleicher Begabung, während später besonders im Westen des Reiches starke Individualitäten wie Prudentius von Troyes (846-861) und Hinkmar von Reims (um 800-882) ihrer Arbeit in viel höherem Maße den Stempel aufdrückten und ihre besonderen Anschauungen und Interessen darin zum Ausdruck brachten.

Quellen

Einzelnachweise

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