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Die Reiterei war auch bei den meisten germanischen Völkern bereits zur Zeit der Römer Teil des Heeres; doch hatte sie eine vergleichsweise geringere Bedeutung als bei den osteuropäischen oder orientalischen Völkern. In Nordeuropa war die Reiterei ein Kontingent meist berufsmäßiger Krieger (Kavallerie).

Beschreibung

Im Frühmittelalter strebte Karl der Große (747-814) im Zuge seiner Umorganisation des Heerwesens die Erschaffung einer Reiterei in größerem Umfang an. Dabei war die Erstarkung Einzelner im Heer durchaus von militärischem Vorteil. Jeder seiner eigenen Lehensleute, jeder Freie musste mit seinen Mannen zu Pferd erscheinen und sich unter dem Hauptbanner scharen. Daneben folgten die Unfreien und Knechte zu Fuß, teils als Spießknechte, teils als Schützen.

Aus diesem Verhältnis gestalteten sich die Begriffe von „vornehm" und „niedrig“. Durch die soziale Bedeutung dieser Bevorrechteten, durch das Vertrauen des Herrschers auf seine Lehensleute und Vasallen wurde die Reiterei zur Hauptwaffe. Die Reiter- oder Ritterschaft sah in sich selbst nicht nur den Kern des Heeres, sondern das Heer selbst.

Frühmittelalter

Mit dem Hervortreten der Reiterei als Waffe trat im Frühmittelalter eine vollständige Veränderung der Bewaffnung ein. Das Langschwert, schon von den Merowingern bei den Franken, geführt, wurde nun zur Hauptwaffe der Ritterschaft und zum Attribut des freien Mannes. Aber daneben machte sich auch der Reiterspieß geltend, den die im 5. Jh. hereingebrochenen Völker aus dem Orient mitgebracht hatten. Seine Bedeutung für den ersten Anstoß an den Feind wuchs mit ungemeiner Raschheit. Der lange Schild, so unbequem auch für den Reiter, konnte bei dem Stand der Kriegskleidung nicht entbehrt werden.

Der Helm, noch halbkugelförmig, selten spitzig zulaufend, wurde über die Halsbrünne gesetzt, der Haubert sackartig geschnitten reichte bis über die Kniee hinab. In dieser Ausrüstung erschienen die Germanen zum ersten Male in der Schlacht bei Merseburg (933) gegen die Ungarn, und der überraschende Erfolg gegen ein vollkommen orientalisch ausgerüstetes und ganz nach Art der Morgenländer fechtendes Heer führte zu dem Glauben der Unübertrefflichkeit einer schweren Reiterei. Diese bald allgemein gewordene Vorstellung wurde selbst durch die Niederlagen in den Kreuzzügen nicht ganz berichtigt.

Spätmittelalter

Im Spätmittelalter war der Streitkolben vom 14. Jh. an eine außerordentlich verbreitete Waffe in der Reiterei, die geradezu unentbehrlich für den Reiter erschien. Mit dem Streitkolben, dem Streithammer (als Reiterhammer) und der Streitaxt war der Reiter im Stande, den Helm seines Gegners zu zertrümmern oder den Haubert soweit zu trennen, dass die Schwertklinge einen Eingang finden konnte. Ein Schlag mit dem Kolben konnte den bestgeharnischten Arm brechen; davor schützten den feindlichen Reiter selbst die Schulterschilde nicht; nur der Schild konnte eine Zeit lang den Hieben widerstehen.

Am Beginn des 15. Jhs. bildet sich in der Reiterei eine eigene Art von Streitkolben heraus, die unter dem Namen „Kürissbengel" (zum Zerschmettern der Kürasse etc.) oder auch als „Faustkolben" bekannt ist.

Ritter

Auch wenn die Bezeichnung Ritter von ursprünglich "Reiter" herzuleiten ist, handelt es sich bei den Rittern militärisch gesehen sich nicht um Kavallerie. Ritter waren im Gegensatz zur Reiterei Einzelkämpfer, und eine Ritterschlacht war eine Ansammlung von gleichzeitigen Einzelkämpfen.

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Quellen

Einzelnachweise

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