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Die Renaissance löst als Zeit- u. Kulturepoche das Mittelalter ab. Während vorallem die Zeit vom 15. bis Anfang 17. Jh. als Renaissance bezeichnet wird, finden sich die Anfänge bereits im späten 14. Jh. Auf die Renaissance folgt die Epoche des Barock.

Merkmale

Die Renaissance war die Wiedergeburt des klassischen Altertums, der Antike, die Loslösung von der mittelalterlichen christlichen Ordnung und der Freude am Diesseits. Auch wenn sie im weiteren Sinne jede Erneuerung einer älteren Kultur bezeichnet (z.B. die Karolingische Renaissance der Philosophie), steht sie doch besonders für die Kulturperiode, die vom Mittelalter zur Neuzeit überführt.

Ihre Anfänge hatte die Renaissance in den italienischen Stadtstaaten; so bildete z.B. Florenz seit 1400 den Mittelpunkt der neuen Kulturwelt. Deutschland wurde besonders durch die Konzilien von Konstanz und Basel mit ihr bekannt, und seine besten Köpfe bemühten sich erfolgreich, ihre Errungenschaften mit dem Überlieferten zu verbinden, so daß eine deutsche Renaissance entstand: die vom deutschen Bürgertum beherrschte Kultur des Reformationszeitalters.

Gesellschaft

Die Gesellschaft der Renaissance wurde vom Bürgertums geprägt. Allerdings war das Bürgerrecht im 16. Jh. und 17. Jh. an Haus- und Geldbesitz gebunden. Großfamilien waren nur in reichen Häusern üblich. Ehen wurden nach Vernunft geschlossen, für Abhängige und Arme herrschte Eheverbot.

Im 16. und 17. Jh. waren ca. 80% der Bevölkerung ländlich: Untertänige Bauern, die von geistlichen und weltlichen Grundherren abhängig und zu Fronarbeit und Abgaben verpflichtet waren, aber eigene Höfe bewirtschafteten. Der "Hausvater" stand dem Hof vor, nur er trat nach außen auf. Östlich der Elbe, wo sich die Gutswirtschaft entfaltete gerieten die Bauern in die für sie ungünstige Erbuntertänigkeit (Schollengebundenheit), auf Grund derer sie viele ententgeltliche Leistungen für den Gutsherren zu erbringen hatten.

Kirche

Der Beginn der Renaissance war in der christlichen Kirche geprägt von der Reformation. Der Auslöser dafür waren Ablasshandel, Opposition gegen Kurie und Papsttum und Missstände beim Klerus. 1516 gab Erasmus von Rotterdam ein kommentiertes griechisches Neues Testament (NT) heraus, inklusive seiner lateinischen Neufassung des NT der Vulgata, der damals bereits 700 Jahre lang gültigen offiziellen Bibel der westlichen Kirche. Im Jahre 1517 veröffentlichte der Mönch Martin Luther (1483-1546) seine 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg und löste damit die Reformationsbewegung aus, zu der bald Philipp Melanchthon dazustieß und die erste reformatorische Theologie Loci communes rerum theologicarum verfasste.

Nach 1520 begannen in Schweden die Gebrüder Petri reformatorisch zu predigen. 1522 schrieb der Züricher Reformator Huldrych Zwingli eine Schrift gegen das Kirchengebot zu Fasten, 1524 predigte Thomas Müntzer kursächsischen Fürsten, der Reformation keinen Widerstand zu leisten, 1531 ernannte König Gustav I. Wasa Olaus Petri zum Kanzler von Schweden und Laurentius Petri zum Erzbischof von Uppsala. 1533 verwarf Jean Calvin in Paris den mittelalterlichen kirchentreuen Wissenschaftsvorläufer namens Scholastik als Ketzerei. Dies alles führte zur Spaltung der westlichen Kirche in protestantische und ein katholisches Glaubensbekenntnis.

Prägung der deutschen Sprache durch die Reformation

Luther übersetzte bis 1522 das NT, mithilfe zahlreicher Experten bis 1533 auch das Alte Testament (AT) für eine Bibelgesamtausggabe in deutscher Sprache, wobei die ostmitteldeutsche Sprache vorherrscht, aber auch ostoberdeutsche Sprache als auch kursächsische Kanzleisprache die Übersetzung evtl. mitprägten. Durch die Erfindung des Buchdrucks (Gutenberg, 1445) wurde die Reformation rasch verbreitet, und dabei prägte die Bibelübersetzung Luthers die neuhochdeutsche Sprache. Die Reformation vertiefte jedoch die territoriale Spaltung des Reiches durch eine konfessionelle.

Konfessionstrennung durch Krieg und Rebellion

Schweiz

Die Eidgenossen machten in Sachen konfessioneller Kriege den Auftakt im Zweiten Kappeler Krieg, dem ersten konfessionellen Krieg infolge der Reformation, in dem es zu Kampfhandlungen kam. In dessen Folge wurde eine bereits bestehende Friedensregelung zwischen katholischen und protestantischen Kantonen revidiert zugunsten der Katholiken, die Terrain zurückgewannen. Der Anführer der Protestanten war der Reformator Huldrych Zwingli persönlich. Er fiel in der entscheidenden Schlacht von Kappeln. Erst 180 Jahre später in einem weiteren konfessionellen Krieg wurde am Ende eine paritätische Machtverteilung zwischen Reformierten und Katholiken erzielt.

Frankreich

Von 1562 bis 1598 fanden ein Massaker an Protestanten (Bartholomäusnacht) und die 8 Hugenottenkriege statt. An deren Ende wurden im Edikt von Nantes die Calvinisten zwar toleriert, aber als Bürger 2. Klasse. Ihr Anteil von 10% an der Bevölkerung sank daraufhin durch Auswanderung nach Preußen, in die Niederlande und die Schweiz drastisch.

Niederlande

Die calvinistischen Provinzen der spanischen Niederlande schlossen sich 1579 zur Utrechter Union zusammen, nachdem 1568 die katholische Inquisition in Rom per Dekret die 3 Millionen protestantischen Niederländer wegen Häresie zum Tode verurteilt hatte und es zum Achtzigjährigen Krieg (1568-1648) kam, in dem die protestantischen Niederlande ihre Unabhängigkeit erkämpften.

Deutschland

Die wichtigsten reformations-fördernden Reichsfürsten von Hessen und Sachsen schlossen sich 1531 im Schmalkaldischen Bund zusammen, der ab 1546 im Schmalkaldischen Krieg faktisch aufgerieben wurde. Jedoch ergab sich kurz danach die Gelegenheit zu einem Fürstenaufstand, um die kaiserliche Religionspolitik zu Fall zu bringen. Im Vertrag von Torgau verbündeten sich die protestantischen Fürsten erneut, eroberten Reichsstädte und trieben sogar den Kaiser in die Flucht. Das führte zum Passauer Vertrag von 1552, der die Anerkennung der protestantischen Kirche beinhaltete.

Nach dem Augsburger Religionsfrieden im Jahre 1555 bestanden in den protestantischen wie in den katholischen Territorien die Landesherren strikt auf die Durchsetzung ihrer Konfession und waren jeweils deren geistliches Oberhaupt (Bündnis zwischen Thron und Altar).

Zwar folgte dem im Reich eine lange Friedensphase, doch 1618 kam es erneut zu einem großen konfessionellen, dem 30-jährigen Krieg. Damit fanden die kriegerischen religiösen Auseinandersetzungen der Renaissance in Deutschland nachträglich ihren Abschluss im beginnenden Barock-Zeitalter. Mit dem Jüngsten Reichsabschied (lateinisch recessus imperii novissimus), dem Schlussdokument des Regensburger Reichstages von 1653/1654 wurde der Friedensvertrag von Münster und Osnabrück (Westfälischer Friede), in welchem auch der niederländische 80-jährige Krieg beendet und die niederländische Unabhängigkeit besiegelt wurde, für Deutschland zu einer Art Reichsverfassung erhoben, die bis 1806, also bis Ende des Heiligen Römischen Reiches, dem politischen Konstrukt aus dem Hochmittelalter, Bestand hatte.

Englands mühsamer Sonderweg

England schaffte dank des eigenwilligen Königs Heinrich VIII. eine Art Reformation light, mit der die Oberherrschaft eines Bischofes über die anderen und das Sakrament der Ehe abgeschafft wurden, sowie die englische Übersetzung von Liturgie und Bibel gefördert. Allerdings wurde der König formelles Oberhaupt der Kirche Englands und forderte auch von katholischen Untergebenen einen Treueeid - die Verweigerung führte zur Todesstrafe, wie die gegen Thomas Morus verhängte. Ebenso blieben die Heiligenverehrung und einige Elemente des katholischen Gottesdienstes.

Heinrichs Nachfolger Eduard IV. näherte das Bekenntnis der anglikanischen Kirche schließlich an das der Festlands-Protestanten an. Seine Nachfolgerin, die katholische Maria I., versuchte erst mit politischem Fingerspitzengefühl die Uhr in Richtung Katholizismus zurückzudrehen, schaltete sogar das Parlament ein, ging aber 1555 mit Wiedereinführung der Ketzergesetze drakonisch gegen Protestanten vor. Die verbrannten 300 "Ketzer" waren in Augen der Bevölkerung aber Märtyrer. Das war selbst Marias erzkatholischem Ehemann, dem König von Spanien, zuviel, wie er durch seinen Beichtvater verlauten ließ, da offiziell immer "dem Spanier" die Verantwortung für das intolerante Regime in die Schuhe geschoben wurde. Am Ende stärkte Marias brutales antiprotestantisches Regime den Antikatholizismus der Engländer nachhaltig.

Ihre Nachfolgerin Elisabeth I. erklärte Religionsgesetze Heinrichs des Achten wieder für gültig und 1563 wurden die 39 Anglikanischen Artikel verabschiedet, welche Heinrichs Konzept Reformation light nochmals festlegten. Das Parlament verhinderte die Heirat ihres Nachfolgers Jakob I. mit einer spanischen Prinzessin. Die zu seiner Zeit herausgegebene Bibelübersetzung, die King-James-Bibel, wurde so populär wie in Deutschland die Lutherbibel. Auch sein Sohn Charles I. kam in Konflikt mit dem Parlament. Schottland war mittlerweile überwiegend protestantisch, aber nicht anglikanisch.

Schottische Truppen marschierten gen England, als Charles die Schotten in die anglikanische Kirche zwingen wollte. Das Parlament zwang ihn daraufhin zur Unterschrift unter das Todesurteil über seinen engsten Berater. Als nächsten Schritt brachte das Parlament die Regierung unter parlamentarische Kontrolle. Mit einem gescheiterten Staatsstreich dagegen löste Charles einen Bürgerkrieg aus. Die Parlamentsarmee führte Oliver Cromwell. Als auch dieser Aufstand Charles nicht zur Vernunft brachte, folgte ein zweiter Bürgerkrieg, in welchem der Puritaner Oliver Cromwell obsiegte und sich zum Lordprotektor (Diktator) ausrief und den König hinrichten ließ.

Als Diktator war Cromwell unbeliebt, und machte es dem ihm nachfolgenden König Karl II. dadurch leicht, sich trotz absolutistischer Herrschaftsansprüche zu etablieren. Allerdings war Cromwells Herrschaft geprägt vom Puritanismus, also am Ende auch ein gescheiterter Versuch, England einen radikaleren Protestantismus überzustülpen. Karl II. wollte die Katholiken rehabilitieren, scheiterte damit aber am Parlament. Sein Bruder Jakob II. wurde der letzte Katholik auf dem Thron und 1688 in der Glorious Revolution gestürzt, als er selbst sieben anglikanische Bischöfe zu stürzen trachtete, und mit der dem neuen König Wilhelm von Oranien abgetrotzten Bill Of Rights wurde endlich mehr Parlamentsmacht gewagt, da der König im Krönungseid die Befolgung der Gesetze aus dem Parlament schwören musste.

Kunst

Die Renaissance war die Glanzzeit der Kunst und des Geistes, der Künstler trat aus der Anonymität in des Interesse der Öffentlichkeit. Dieses Umdenken spiegelte sich in allen Dingen des Lebens wieder: In der Architektur, in der Kunst der Malerei und Bildhauerei, sowie in der Dichtung. Der Träger dieser neuen Kultur, die mit der Gebundenheit des Mittelalters brach, wurde das Bürgertum mit seiner Vergeistigung des Denkens und in der Gewöhnung zur Abstraktion.

Überragende Interpreten waren Albrecht Dürer und Hans Holbein. In der Frührenaissance war die Donauschule von Bedeutung: Albrecht Altdorfer, Lucas Cranach der Ältere und sein Sohn Lucas Cranach der Jüngere, sowie Matthias Grünewald, Hans Baldung und Adam Elsheimer.

Philosophie

Die geistige Bewegung der Renaissance war der Humanismus als Gegensatz zur mittelalterlichen Scholastik. Sie wurde dadurch gekennzeichnet, daß die Antike mit Eifer durchforscht und auf die alten Schriftsteller Bezug genommen wurde. Diese Überlieferungen bildeten die Grundlage der neuen individualistischen Denkweise und einer neuen Art der Weltbetrachtung, etwa in Luthers Schrift Von der Freiheit eines Christenmenschen oder Francis Bacons Traktat Novum Organum Scientarium, dem Plädoyer für vorurteilsfreie Naturforschung, in Abkehr von der christlich bevormundeten aristotelischen Scholastik des Mittelalters.

Auf der anderen Seite erreichte während der Renaissance der Hexenwahn seinen Höhepunkt (1560-1630) und wurde erst durch die Zeit der Aufklärung im 18. Jh. beendet.

Alternativgeschichte

Die Renaissance ist die Ära des Erwachens des Humanismus und ein Wiederaufflammen der Antike. Ihren Anfang nimmt dieses Zeitalter in Italien um 1400, wo besonders in Florenz ein neuer Wind weht. Dort entsteht der Frühkapitalismus. Das bereits im Mittelalter aufstrebende Bürgertum nimmt eine große Rolle bei der Gestaltung der Renaissance ein. Kultur und Kunst erblühen und werden gefördert. Der Buchtdruck mit der daraus resultierenden Verbreitung des Buches als Massenmedium hat von Deutschland aus starken Einfluss auf diese Epoche... Weiterlesen.

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Quellen

Einzelnachweise

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