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Ritterturnier Buch HDR

Kämpfende Ritter im mittelalterlichen Tournier

Als Ritter bezeichnete man die wehrhaften, schwer gerüsteten, berittenen Krieger des europäischen Mittelalters. Zum Ritter wurde man gemacht, indem man als Sohn eines Adligen im Alter von 10 Jahren in die Hände eines Edelmannes, z.B. in die des Lehnsherrn gegeben wurde. Dieser unterwies den Jungen im Umgang mit den Waffen und im höfischen Benehmen. Bewährte er sich im Turnier, Krieg oder in der Jagd, wurde er im Alter zwischen 20 und 25 Jahren zum Ritter geschlagen.

Beschreibung

Der Ritterstand war ein größtenteils geschlossener Stand, da die Ausrüstung sehr kostspielig war und ärmere Schichten aus wirtschaftlichen Gründen kaum Aufstiegschancen in diesen Stand hatten. Verfügte ein Ritter nicht über ein ausreichend hohes Vermögen, so gab man ihm ein Gut zur Verwaltung und Bewirtschaftung. Diese sogenannten Lehen zeigten sich häufig als zu klein und deshalb unrentabel.

Viele Ritter hatten aus diesem Grunde nur geringe Einkünfte bei gleichzeitig hohen Kosten, denn die mit dem Ritterstand verbundenen Ausgaben mussten auch in Friedenszeiten getätigt werden. So gelang nur wenigen wohlhabenden Rittern sich im niederen Adel zu halten, zahlreiche Rittergeschlechter lösten sich im Bauern- oder Bürgerstand auf, dem sie ursprünglich entstammten.

Militärisch gesehen handelte es sich nicht um Kavallerie, obwohl die Bezeichnung Ritter von ursprünglich Reiter herzuleiten ist (s. Reiterei). Ritter waren Einzelkämpfer, die Ritterschlacht war eine Ansammlung von gleichzeitigen Einzelkämpfen. Die Anerkennung als Ritter durch Eintrag in entsprechende Adelsregister konnte teilweise noch bis in das frühe zwanzigste Jahrhundert hinein entscheidend dafür sein, ob ein Recht auf Sitz und Stimme im Landtag bestand.

Ausrüstung

Ritterrüstung Grandmasters palace Valletta-Malta

Rüstung eines Ritters (Grandmasters palace, Valletta / Malta).

Die Ausrüstung eines Ritters bestand aus Angriffs- und Verteidigungswaffen. Zu den Angriffswaffen zählten die Lanze, der Morgenstern, das Schwert und seit Beginn des 13. Jahrhunderts auch der Dolch. Zu den Verteidigungswaffen gehörte die Rüstung mit Helm und Schild. Des Weiteren waren die Ritter zumeist in Begleitung mindestens eines Knappen unterwegs, der den Schild und die Lanze zu transportieren hatte. Ritter und Knappen bewegten sich zwar zu Pferde, jedoch wurde das in kriegerischen Auseinandersetzungen benötigte Schlachtross separat mitgeführt und erst in der Schlacht eingesetzt.

Herkunft

Die Anfänge des Rittertums liegen in der Ausbildung der Reiterei im 9. Jahrhundert. Die Ritter gewannen nach dem Zerfall der karolingischen Herrschaft als Beschützer und Verteidiger der Landbevölkerung an Bedeutung. Sie wurden damals noch als wild, ungestüm und ohne jede Mäßigung bezeichnet.

Frühmittelalter

Im Zuge der Umorganisation des Heerwesens unter Karl dem Großen (747-814) und den langwährenden Kriegen wurde die Heeresfolge im Frankenreich für zahllose Freie so drückend, dass diese sich freiwillig in die Dienstbarkeit Mächtigerer, Wohlhabenderer begaben, die sie im Felde nun unterhalten mussten. Sie gaben ihr Besitztum an Land dahin, um es als Lehen wieder zurückzuerhalten. So bildeten sich Lehensherren und Hörige.

Aus ersteren, die rasch zu Macht und Reichtum gelangten, bildete sich durch die Erblichkeit des Adels, das Rittertum, das auf das Staatsleben allmählich mächtiger einwirkte und dem gesamten Mittelalter seine Physiognomie gab. Für Karl den Großen war in seinen Bestrebungen, eine Reiterei zu schaffen, die Erstarkung Einzelner von nicht zu leugnenden militärischem Vorteil. Jeder seiner eigenen Lehensleute, jeder Freie musste mit seinen Mannen zu Pferd erscheinen und sich unter dem Hauptbanner scharen.

Daneben folgten die Unfreien und Knechte zu Fuß, teils als Spießknechte, teils als Schützen. Aus diesem Verhältnis gestalteten sich die Begriffe von „vornehm" und „niedrig“. Durch die soziale Bedeutung dieser Bevorrechteten, durch das Vertrauen des Herrschers auf seine Lehensleute und Vasallen wurde die Reiterei zur Hauptwaffe. Die Reiter- oder Ritterschaft sah in sich selbst nicht nur den Kern des Heeres, sondern das Heer selbst. [1]

Hochmittelalter

Die Ritter bildeten im Hochmittelalter den größten Teil des "Niederen Adels". Sie brauchten noch nicht zwangsläufig adeliger Abstammung sein, mussten also nicht unbedingt dem Erb-Adel angehören. Diesen Stand bezeichnete man als Ritterschaft. Ein eigenständiger "Ritterstand" bildete sich im 12. Jh. aus, wobei seine Entstehung mit den Bedürfnissen einer veränderten Heeresverfassung zusammenhing. Zu Beginn der Bildung der Ritterschaft gab es für wohlhabende Bauern noch die Möglichkeit, in den Ritterstand aufzusteigen.

Die Ministerialen, anfangs lediglich unfreie Hofbeamte bzw. Verwalter adeliger Güter und Besitzes, die zunächst kirchlichen Herrschaften, im 11. Jhdt auch weltlichem Adel dienten, stiegen ab dem 11. Jh. in hohem Maße zum Niederen Adel auf. Daneben etablierten sich auch adlige Grundherren als Ritter und gingen im niederen Adel auf. Diese beiden stellten schließlich im 13. und 14. Jh. die Mehrheit und wurden zum Kern des Ritterstandes. Zudem legten sich ministeriale Geschlechter und Klöster eigene Gefolgschaften zu, die sich ebenfalls als "Ritter" bezeichneten. Die meisten dieser "Untervasallen" konnten sich jedoch aus wirtschaftlichen Gründen nicht auf Dauer im Adelsstand etablieren.

Ritter des HRR by Peter Jordan of Mainz

Vier Ritter des HRR:
Ritter von Andlau,
Ritter von Strandeck,
Ritter von Meldingen,
Ritter von Frauenberg.

Mitte des 11. Jh. wandelt sich das Bild des Ritters zum positiven, wobei die Beschreibungen in der Dichtung auch nicht der Wirklichkeit entsprachen, sondern nur das Ideal des Ritters wiedergeben, das es nur selten gab. Unter dem Einfluss der Fürsten traten die Ritter in den Dienst für Gott, den König und den Kaiser. So entstand das Leitbild des christlichen Ritters, welcher zur Zeit der Kreuzzüge die Verteidigung des christlichen Glaubens gegen die Heiden zu seinem Lebensinhalt machte, ebenso wie den Dienst für den Lehnsherrn.

Spätmittelalter

Ab dem 13. Jh. entwickelte sich der Beruf des Ritters dann zu einem eigenen Stand, der mit der Geburt erworben wurde. Und so war im Spätmittelalter war die „Ritterbürtigkeit“, also die Abstammung von adligen, ritterlichen Vorfahren, meist Voraussetzung für die Aufnahme in den Ritterstand. In einem feierlichen Akt, ursprünglich der Schwertleite, später dem Ritterschlag, wurde man vom Herrscher oder einem anderen Adligen zum Ritter erhoben, vorausgesetzt man brachte die erforderlichen Merkmale und Qualitäten mit.

Doch zu dieser Zeit (ab 13. Jh.) verfiel das Rittertum bereits zunehmend durch Veränderungen im Heerwesen; Fußtruppen waren wendiger und neue Waffen kamen auf. Das Heer der Landesfürsten wurde nun aus Söldnern (Landsknechten) gestellt. Die Kosten mussten aus Steuern bezhalt werden, die der Landtag bewilligte und die Bauer zahlen mussten. Die Bauern und Märkte verloren ihren Schutz durch die Ritter, die ob ihres Verfalls oft zu Raubrittern wurden. [2]

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Handbuch der Waffenkunde: Das Waffenwesen in seiner historischen Entwicklung (Internet Archive). Wendelin Boeheim. Leipzig, E.A. Seemann : 1890. S. 5 f.
  2. Geschichtsbaum Deutschland. National Geographic Deutschland. Britta Orgovanyi-Hanstein. Candor-Verlag, 2006. ISBN 3200005572, ISBN 9783200005570.

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