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Die Rugier waren ein zwischen Weichsel und Oder ansässiger ostgermanischer („Weichselgermanen“) Stamm. Während der Völkerwanderungszeit schlossen sich Teile der Rugier den Hunnen an, errichteten anschließend ein Reich im heutigen Niederösterreich und zogen schließlich mit den Ostgoten nach Italien. [1]

Geschichte

In alter Zeit weist die gotisches Stammsage bei Jordanes zurück, die von Kämpfen der aus Scandza eingewanderten Goten mit den Ulmerugi und ihrer Verdrängung durch die Goten berichten. Man darf die Rugier danach an der Westseite der Goten suchen.

Südeuropa

Durch Jahrhunderte erfährt man nichts mehr von ihnen, bis sie unter den Völkern im Gefolge des Attila genannt werden, was bereits eine Wanderung nach dem Süden voraussetzt. Das Gebirge können sie aber erst überstiegen haben, als durch die Abwanderung der Vandalen und Quaden Platz frei wurde. Wahrscheinlich haben sie sich über das Gesenke in das verlassene Gebiet der letzteren nach Mähren und weiter nach Niederösterreich vorgeschoben, wo sie nach dem Sturz der Hunnenmacht, bei dem sie mitwirkten, jedenfalls stehen. Nachdem die Ostgoten, gegen die sie im Bund mit den anderen Donaugermanen an der Bollia unglücklich kämpften, im Jahre 471 aus ihrer Nachbarschaft abzogen, dehnten die Rugier ihre Herrschaft nach Süden über Ufernorikum aus.

Doch wurde ihr Reich im Jahre 487 durch Odoaker vernichtet. Friderik, der Sohn ihres letzten König Feletheus, flüchtete mit dem Rest des Volkes zu Theoderik und zog mit diesem nach Italien. Dort hielten sich die Rugier von den Goten gesondert und erhoben im Jahre 541 sogar für kurze Zeit einen der ihren, den Erarik, zum König. Schließlich erlagen sie zusammen mit den Goten den Byzantinern. Ihre Nachfolger an der Donau in Niederösterreich, Rugiland, waren laut Paulus Diaconus‎‎ zunächst die Langobarden.

Nordeuropa

Mit den südgermanischen Rugiern völlig gleichnamig sind die nordischen Rygir am Boknfjord im südwestlichen Norwegen. Ja sogar der Name Holmrygir 'Inselrugier' — zu anord. holmr (holmi) 'Insel' gehörig — ist als poetische Bezeichnung der Rygir belegt und deckt sich völlig mit dem der Ulmerugi (got. Hulmarugeis), des Geschichtsschreibers Jordanes und der Holmryge, die man ebenfalls an der Ostsee suchen kann. Für dieses Holmrygir ergibt sich aus der Beschaffenheit des nordischen Rogaland, dem nur etliche kleinere Inseln — und nicht mehr als der übrigen norwegischen Küste — vorgelagert sind, keine Erklärung.

Anderseits müssen die Ostseerugier, wenn sie, wie die Stammsage der Goten meldet, an diese Land verloren haben, einst noch weiter nach Osten hin, also auch über die nachmals von einer Unterabteilung der Goten, den Gepiden, besetzten Weichselinseln sich erstreckt haben, und als deren Bewohner konnten die Rugier oder ein Teil von ihnen wohl den Namen Ulmerugi 'Inselrugier' erwerben. Die Rugier sind also in Norwegen nicht bodenständig, weit eher im Osten Deutschlands, aber freilich bleibt zunächst noch zu erwägen, ob nicht beide Abteilungen, die süd- und die nordgermanische, aus einem mitten inne gelegenen Gebiet, etwa einer der dänischen Inseln, ihren Ursprung genommen haben.

Namensgeschichte

Zu weiteren Schlüssen berechtigt der Name der "Rugier" selbst. Die Bezeichnungen Rugii bei Tacitus, ags.Holmrygum, altnordisch Rygir, Rogaland, langobardisch Rugiland, weisen alle auf eine Wurzel rug-, aus dem germanischen Wort ruji- = 'Roggen'. Vielleicht bezeichnet der Name also die Bewohner eines Rugilandes = Roggenlandes, oder ist als Kurzform zu nehmen. Jedenfalls denkt man bei den Rugiern an Roggenbauer oder Roggenesser.

Die Germanen haben den Roggen wahrscheinlich vom Osten her übernommen. Vor dem Auftreten der Goten in Deutschland waren nach dem Zeugnis der gotischen Wandersage die Rugier das östlichste germanische Volk an der Ostsee und werden daher früher und reichlicher als die andern Germanen Roggen gebaut und gegessen haben. Das trug ihnen den Namen ein, der also gerade im Osten Deutschlands aufkam und von dort durch Einwanderung nach Norwegen gebracht wurde.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Rugier

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