FANDOM


Rundschilde aus Holz oder Bronze kamen spätesten zum Ausgang der Bronzezeit (ca. 800 v.Chr.) auf. Solche aus Bronze werden von den Schriftstellern der Römerzeit besonders bei den Nordgermanen erwähnt. Nur von den Sueben sind hölzerne Rundschilde überliefert.

Beschreibung

Rundschilde finden sich bereits auf den ältesten Abbildungen von mitteleuropäischen Schildformen, in einem Virgil in der Bibliothek des Vatikans, der dem 5. Jh. (Völkerwanderungszeit) angehört. Sie erscheinen dort mit stumpf kegelförmigen Stacheln.

Frühmittelalter

Im Frühmittelalter erschienen leichte, hölzerne Rundschilde nach römischer Art als Schild der Reiterei. Sie waren mit Leder bezogenen, sowie mit einem eisernen Schildbuckel und radiallaufenden Bändern beschlagenen. Rundschilde sind hauptsächlich in den Heeren des Südens und Südostens Europas zu finden. In Byzanz treffen wir sie im 8. Jh. in so kleinen Dimensionen, dass sie nahezu den Faustschilden zuzurechnen sind, die im Kampf gegen Blankwaffe den Vorteil boten, dass sie sich zum Parieren eigneten.

Im "Psalterium aureum" (9. Jh.) aus dem Kloster St. Gallen sehen wir die Krieger zu Fuß und zu Pferde mit Rundschilden romanischer Form bewaffnet. Sie sind von halber Mannshöhe im Durchmesser, stark gewölbt und mit einem stark spitz zulaufenden Schildnabel versehen.

Schildbuckel mit Gestell, kriegswaffen00demmin, p0338, Fig.045

Eisernes Schildnabelgestell eines fränkischen Rundschildes

Sie waren wie noch jene aus merowingischer Zeit aus Holz, mit Leder überzogen und mit radiallaufenden Metallbändern verstärkt, die mit Nägeln besetzt erscheinen (p. 141b und p. 147). Genau in dieser Form erblicken wir die Rundschilde auch in einer Bibel aus dem 9. Jh. in der Basilika S. Paolo fuori le mura zu Rom.

Die Wandlung in der anfangs römischen Bewaffnung der germanischen Heere ging erst nach dem Verblassen der antiken Traditionen und langsam vor sich; so finden wir den Rundschild neben dem germanischen Schild im Frühmittelalter noch lange in Gebrauch. Unter den Adligen blieb es Jahrhundert hindurch noch Sitte, sie nach römischer Art zu tragen, und noch die ersten deutschen Könige erscheinen in ihren Siegeln mit dem römischen Rundschild bewaffnet.

Hochmittelalter

Diese Form der leichten, runden Reiterschilde aus Holz hielt sich bis ins Hochmittelalter hinein, wo sie auch mit mit eisernen Spangen und Nägeln verstärkt auftreten. In der Mitte war ein buckelförmiger Beschlag aufgenietet, der Schildnabel. Getragen wurde er am linken Arm an einem breiten Riemen (Schildfessel), ein zweiter Riemen diente dazu, den Schild an der Hand zu fassen.

In Italien erhalten sich die antiken römischen Formen der Schilde noch weit länger als in Mitteleuropa; in den Mosaiken der Markuskirche in Venedig (12. Jh). erscheinen die venetianischen Soldaten nur mit Rundschilden ausgerüstet. Ende des 12. bzw. Anfang des 13. Jhs. trug man in den örtlichen Provinzen Frankreichs statt des Dreispitzes kleine Rundschilde als Handtartschen, wie eine Flachbildnerei am Dom von Angoulême zeigt. In Frankreich wurde der Rundschild, dessen Träger rondachers hießen, im Hochmittelalter sowohl vom Fußvolk wie auch von der Reiterei getragen.

Und auch in einem Manuskript, das die Legende Alexanders III. enthält, aus dem 14. Jh. im Museo Correr, tragen die venetianischen Soldaten Rundschilde und sonderbarer Weise dazu auch Helmbarten.

Spätmittelalter

Im Spätmittelalter führten die leichten osmanischen Reiter, die Deli, d. h. die Wagehälse, kleine Rundschilde, im Türkischen kalkán genannt. Sie waren entweder mit Fischhaut überzogen oder aus Leder, häufig mit schönen, gepressten Ornamenten. Sie hielten ca. 60 cm im Durchmesser und hatten ungeachtet ihres subtilen Materiales eine ungemeine Widerstandskraft gegen Schwerthiebe.

Auch die Sarazenen bedienten sich kleiner, handlicher Rundschilde aus Fisch- oder Nashornhaut, die in der Art der Faustschilde getragen wurden. Ihr Durchmesser überragte nie 40 cm. Man fand sie noch im 17. Jh. und später in Verwendung.

Renaissance

Mit dem Beginn der Renaissance (ca. ab 16. Jh.) verschwanden auch die Rundschilde in den deutschen Heeren. Nur Fürsten und vornehme Adlige im Heiligen Römischen Reich, in denen der Geist der Renaissance lebhaft war, fanden es zu einem standesgemäßen Auftreten unerlässlich, sich eines italienischen Rundschild zu bedienen; damit im Einklang steht die Wahrnehmung einer allgemein kunstreicheren Gestaltung desselben.

Anders war es in den italienischen, französischen und spanischen Heeren. In diesen war noch die Fechtweise des 14. Jhs. mit dem Schwert üblich. Die Italiener folgten hier den Traditionen der Condottieri, die französischen Söldnertruppen hielten die Fechtweise der Grandes Compagnies und der Tard-Venus für unwiderstehlich und bei den Spaniern hatte sich Schild und Degen gegen die Mauren als der nationalen Art entsprechend bewährt. So finden wir in den genannten Heeren den Rundschild ununterbrochen in Gebrauch.

Aber auch dieser veränderte seine Form vom Ende des 15. Jhs. an. Sie waren aus Eisen, meist schußsicher und daher sehr schwer. Diese Ganzmetall-Rundschilde hießen Rotella. Zuweilen wurden sie auch noch mit verschiedenen komplizierten Parier- und Angriffsvorrichtungen, wie Degenbrechern, Klingenfängern und Stoßklingen, versehen und durch eine eingefügte kleine Blendlaterne auch zu nächtlichen Überfällen (Kamisaden) eingerichtet (Laternenschild).

Der Gebrauch von einfachen Ganzmetallrundschilden kam von den Spaniern im Laufe des 16. Jhs. zu den Niederländern, die ihn beim Angriff in ihren vorderen Reihen führten. Bei der Zunahme der Wirkung der Feuerwaffen wurden auch die Schilde immer stärker und schwerer, um Deckung zu bieten, ja es wurde kein Schild vom Plattner angenommen, der nicht durch sein Kugelmal anzeigte, dass ein Probeschuss, aus einem Halbhaken auf 100 Schritte abgeschossen, die Schußsicherheit des Schildes bewiesen hatte. Ihr Gewicht betrug bei einzelnen Exemplaren stolze 9 bis 10 kg.

Im englischen Heer wurden noch Anfang des 17. Jhs. Rundschilde (als Faustschilde) geführt, die in ihrem Mittelpunkt eine Schießvorrichtung besaßen. In diesem Fall war das Schloss im Inneren des Schildes angebracht und ein kleiner, kurzer Lauf ragte aus dem Schildnabel hervor.

Niedergang des Rundschildes

Vom Beginn des 18. Jhs. kommt der Rundschild im Fußvolk allmählich außer Gebrauch, nur in kleinen italienischen Heeren wird er noch bis etwa 1730 geführt, in allen übrigen ist er vollständig verschwunden. In den Memoiren Montecucolis (1712) werden zwar in einem Infanterie-Regiment noch „30 Rundtartschiere" angeführt, aber diese Angabe bezieht sich auf eine frühere Zeit und auf eine Ausrüstung gegen die Türken, gegen die Tartschen noch als zweckentsprechend angesehen wurden.

Bronzerundschild

Die Bronzenen Rundschilde waren kleiner als jene aus Holz, meist rund oder oval, nach außen etwas ausgebaucht und geschmückt, mit einer Spitze auf der Mitte; auf der Innenseite ist wieder das nötige Riemenwerk für Hand und Arm. Statt der Spitze kommt häufiger auch eine Höhlung in der Mitte vor, die nach aussen als Schildbuckel hervortritt, innen aber für die Hand Raum lässt und mit der Handhabe überspannt ist. Ringsherum geht ein starker Bronzereif. Solche runden Bronzeschilde finden sich schon in der Bronzezeit vornehmlich bei den nordischen Völkern, mehrere von ihnen sind im Kopenhagener Nationalmuseum erhalten.

Galerie

Verwandte Themen

Navigation Schilde
Schild (Hauptartikel)  •  Achselschild  •  Adarga  •  Dreieckschild  •  Faustschild  •  Fechtschild  •  Gestellschild  •  Handtartsche  •  Kalkan  •  Mandelschild  •  Normannenschild  •  Ovalschild  •  Pavese  •  Rundschild  •  Schildbuckel  •  Setzschild  •  Schildmalerei  •  Stechtartsche  •  Schildsymbolik  •  Tartsche  •  Ungarische Tartsche  •  Wappenschild
Bronzezeit‎  •  Eisenzeit  •  Frühmittelalter  •  Hochmittelalter  •  Spätmittelalter  •  Renaissance
Kategorien: Schilde (Hauptkategorie)  •  Rüstungen  •  Heerwesen  •  Waffen

Quellen

Einzelnachweise

  1. Italienischer Rundschild aus Holz und Leder und mit mehrfarbigen Malereien bedeckt (15. Jh.). Die Verzierung dieses Schildes stellt das Wappen des ersten Herzogs von Mailand, Gian Galeazzo Visconti († 1402), dar, dessen Namenszug mit Krone gleichfalls darauf zu sehen ist.
  2. Sammlung Llewelyn-Meyrick in Goodrich-Court: Rundschild mit Visier und Einschnitt eines Fußsoldaten in geschwärztem Stahl, 2 Fuß breit und 1 ½ Fuß hoch. Dieser 12 Pfund wiegende Schild hat Visier und Spalte, um den Degen zu binden.