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Zeugnisse der Mittelgermanischen Runen sind bekannt von der Rheinprovinz durch Hessen, Nassau, Württemberg, Bayern bis in die Gegend von Preßburg auf der Grenze zwischen Österreich und Ungarn, sowie von Charnay im Dep. Saône et Loire im östlichen Frankreich.

Beschreibung

Die Inschriften sind ingesamt kurz, oft bestehend aus einem einzigen Wort, einem Eigennamen, den Eigentümer oder den Schenker angebend; sie sind alle angebracht auf Spangen von Typen, die aus der Völkerwanderungszeit bekannt sind und die aus archäologischen Gründen in die Zeit von etwa 500 bis in die erste Hälfte des 7. Jhs. verlegt werden.

Alle diese Spangen gehören einer Kultur an, die vom Norden - Gegend von Hannover - im 5. Jhd. sich südwärts ausdehnte und von den in Mitteleuropa wohnenden Germanen aufgenommen wurde. Die Spange von Charnay wird allgemein für burgundisch gehalten, da sie innerhalb der Grenzen des alten burgundischen Reiches gefunden wurde. Die bei Bezenye in der Nähe von Preßburg gefundenen Spangen gehören der zweiten Hälfte des 6. Jhs. an.

Eine fast gleich aussehende Spange ist in Italien gefunden worden. Sie sind zutage gekommen in dem Gebiet, von dem aus die Langobarden (568) unter Alboin nach Italien zogen, und können deshalb für langobardisch angesprochen werden. Die Inschriften lauten: "godahi(l)d [w]unja" = "Godahild (wünscht der Empfängerin die) Gnade (des Herrn)"; "arsiboda segun" = "Arsiboda (wünscht der Empfängerin der Spange) Segen".

Bügelfibel von Nordendorf I

Bügelfibel (Runenfibel) von Nordendorf

Von anderen Inschriften muß besonders hervorgehoben werden die auf der Freilaubersheimer Spange aus Rheinhessen auf rheinfränkischem Sprachgebiet bei Kreuznach im Nahegau. Die Inschrift lautet: Boso. "wraet runa - þ(i)k. dalina. godd(a)." = "Boso ritzte die Runen; dir, *Dallina, schenkte er die Gabe."

Sie zeigt ebenso, wie die schwäbisch abgefaßte Inschrift auf der größeren Nordendorfer Runenfibel aus Bayern, bereits die westgermanische Synkope der unbetonten a und i: gōdd(a) < *gōdida, wōdan < *wōdana(z), þonar < *þonara(z), leubwini < *leubawini(z). Dagegen ist die hochdeutsche Lautverschiebung noch nicht zum Ausdruck in der Schrift gekommen: es heißt auf der Freilaubersheimer Spange wraet und þ(i)k und auf der Nordendorfer Inschrift wodan.

Da die Malbergischen Glossen aus dem 6. Jhd. die Synkope in ihrer sicher durch die Tradition der Gesetzessprache noch nicht durchgeführt haben, und da andrerseits die hochdeutsche Lautverschiebung bekanntlich zwischen 500 und 700 durchgeführt wurde, ist dadurch die Zeit der Inschriften sprachlich bestimmt im wesentlichen übereinstimmend mit der archäologischen Datierung der Gegenstände, auf denen diese angebracht sind.

Möglicherweise kann man die Inschriften zeitlich etwas weiter nach vorn setzen. Was hier gesagt ist, dürfte der Hauptsache nach auch für die übrigen Inschriften gelten: die deutschen Inschriften zeigen überhaupt in Runen- und Sprachformen nahverwandte Zusammengehörigkeit und scheinen einem verhältnismäßig kurzen Zeitraum anzugehören, der Zeit von etwa 550 bis etwas ins 7. Jhd. hinein. Etwas älter dürften die bemerkenswerten Inschriften auf der burgundischen Spange von Charnay sein, von denen die eine den größeren Teil der Runenreihe enthält.

Quellen

Einzelnachweise

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