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Die Saalburg bei Homburg vor der Höhe ist ein auf dem Taunuskamm gelegenes ehemaliges Kastell des römischen Limes. Das Kohortenkastell befindet sich unmittelbar westlich der heutigen Bundesstraße 456, etwa auf halbem Wege zwischen der Stadt Bad Homburg vor der Höhe und der Gemeinde Wehrheim im Hochtaunuskreis in Hessen.

Es gilt als das besterforschte und am vollständigsten rekonstruierte Kastell des Obergermanisch-Raetischen Limes, der seit 2005 den Status des UNESCO-Weltkulturerbes besitzt. [1]

Beschreibung

Das römische Kastell Saalburg liegt im Zuge des obergermanischen Limes im verkehrreichsten Paß des östlichen Taunus zwischen Nidda-Main- und Lahn-Rheinebene. Dieser Übergang war schon früh besetzt, die ältesten Spuren wurden in die Bronzezeit datiert. Es ist der Schnittpunkt mehrerer alter Straßen aus der Ebene.

Die erste Ansiedlung der Römer erfolgte nach Kaiser Trajan (98-117 n.Chr.), spätestens unter Hadrian (117-138); das dort früher gesuchte "praesidium in monte Tauno" wurde ausgeschlossen, auch die Befestigung des Übergangs schon unter den Flaviern war recht zweifelhaft. Der Aufschluß darüber war erst möglich, als der größte Teil der Saalburg ausgegraben und rekonstruiert wurde.

Die ersten Ausgrabungen erfolgten bereits in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Wiederaufbau des Kastells begann ab 1897 nach den Plänen von L. Jacobi zur Aufnahme der Funde. Das Programm des auf Staatskosten errichteten Limesmuseums gewährleisteten die vollständige Untersuchung einschließlich der weiteren Umgebung und des vorbeiziehenden "Pfahlgrabens".

Name

Der Name "Saalburg" war erst seit 1613 bekannt, war viel umstritten, aber nicht erklärt. Man hielt letztendlich die Ableitung vom fränkischen sala für die richtige, da eine frühmittelalterliche Anlage südlich im Zusammenhang mit ähnlichen "Jagdhäusern" aus der Zeit der "Markgenossenschaften" aufgefunden wurde.

Geschichte

Kastell Saalburg RdGA Band 4 Tafel 8.jpg

Aufbau des Kastells

Die erste Anlage umfaßte zwei kleine quadratische Schanzen (rund 40 x 40 m) am östlichen Paßübergang, aus trajan-hadrianischer Zeit. Es war eine einfache Umfassung mit einem flachem Graben wie bei einem Marschlager in der nördlichen und zwei von einer Faschinenwand getrennten Spitzgräben mit hohem Erdwall dahinter in der südlichen Schanze.

Von diesen aus 90 m westlich, dicht vor dem inzwischen angelegten Kolonnenweg wurde das Erdkastell unter Hadrian gebaut (im Plan hell schraffiert). Der Grundriß war quadratisch (ca. 84 X 80 m) mit zwei Toren in der Nordsüdachse, vor dem nördlichen 12 m langen Schutzgraben (titulus); an Stelle der Seitentore baute man quadratische Türme.

Die Mauerkonstruktion besteht aus drei Reihen Pfosten mit Erd-, Rasen- und Steineinlage in einer Stärke von 3,20 m, was eine Nachahmung germanischer Vorbilder war. Es gab vier Ecktürme, einige Reste von Innenbauten, ein kleines Bad vor der Nordfront und vor dem südlichen Tore einige Canabae mit Brunnen.

Für die bis 117 in Wiesbaden garnisonierende Cohors II Raetorum civium Romanorum wurde kurze Zeit später um das Erdkastell herum, nach einem kurzen Provisorium aus Holz, ein großes Kohortenkastell nach dem Schema der Standlager gebaut, dessen Umfassung aus einer mit Holzbalken verankerten, im Innern mit Erde ausgefüllten mörtellosen Doppelmauer von 3,30 m bestand, analog dem aus Holz und Stein gemischten Mauerverband der umliegenden Ringwälle der Latènezeit.

Wahrscheinlich unter Caracalla (211 bis 217) wurde das Kastell nach einer Zerstörung mit einer massiven 1,80 m starken Mörtelmauer in denselben Dimensionen und mit den gleichen Innenbauten wieder aufgebaut. Gleichzeitig wurde der 220 m entfernte Pfahlgraben (Wall mit Graben, aber ohne Pfähle) über älteren Resten angelegt. Eine gründliche Restaurierung des Kastells selbst erfolgte nochmals durch Severus Alexander (222 — 235) unter Preisgabe der umschließenden zivilen Niederlassung. Die Aufgabe des Kastells und Zurücknahme der Besatzung geschah gleichzeitig mit der Aufgabe des obergermanischen Limes um 260 n. Chr.

Holz- u. Steinkastell

Das Holz- und Steinkastell und das daraufhin folgende gemauerte sind gleich groß: 221,45 X 147, 18 m = 150 X 100 passus (Grundfläche: 32 400qm). Die vier Tore in den Hauptaxen, von je zwei Türmen eingefaßt, die hier gegen andere, selbst kleinere Lager in den stets abgerundeten Ecken fehlen. Während der Wehrgang des älteren Kastells auf langen Rampen in den Ecken, neben den Türmen und in der Mitte der Mauerabschnitte zugänglich ist, lehnt sich an die mit Winkelzinnen bekrönte, rund 16 Fuß = 4,80 m hohe jüngere Mauer ein aus dem Brandschutt älterer Perioden 1,60 m hoch angeschütteter flacher Erdwehrgang an. Von den zwei umfassenden Spitzgräben (ohne Wasser) ist der flache äußere erst später angelegt und an den Seitentoren in der Breite der Torbauten durch je einen kurzen Schutzgraben mit Erddamm doppelt gesichert.

Innengebäude

Die Innengebäude sind in beiden Perioden die gleichen und nur in der Ausführung (Holz oder Stein) verschieden: das große Mittelgebäude (praetorium, principia) mit Fahnenheiligtum, Schreibstuben (tabularia), Waffenkammern (armamentaria) und einer großen, über der Querachse gelegenen Halle (principia), die in den Kastellen des 1. Jhs. fehlt. In der Retentura befand sich ein Getreidemagazin (horreum) und gegenüber ein heizbares Verwaltungsgebäude (quaestorium). In der Praetentura lag über dem älteren Bad ein Fachwerkbau zu unbestimmten Zwecken.

Während die Lagerräume der Truppen, lange schmale Baracken mit Zellen für die einzelnen Kontubernien und Raum für die Führer, in der älteren Periode im Vorder- und Rücklager zu erkennen waren, war dies für die Spätzeit, wo sie fehlen, nicht möglich, da die freistehenden, meist nicht fundierten Sockelmauern von Fachwänden abgebrochen waren. Die beiden massiven Quadrate nördlich vom Horreum umfaßten zwei Lagerbaracken, die Centurionenwohnungen abschlossen. 12 Brunnen sorgten innerhalb des Kastells außer einem großen, nach germanischer Art angelegten Bassins, für das Trink- und Wirtschaftswasser der Besatzung.

Umgebung des Kastells

Jupitersäule Saalburg Bad Homburg.JPG

Rekonstruierte Jupitersäule südlich der Saalburg.

Der sich auf den Seiten anschließende Vicus (etwa 35 ha) war nicht befestigt, ein Beweis, daß seine Blüte in die friedliche Periode des 2. Jhs. fällt; um 212 n. Chr. wurde er einplaniert. Den Mittelpunkt bilden 18 aneinandergereihte, unterkellerte Canabae zu beiden Seiten der Hauptstraße, von den übrigen sich vereinzelt rings erstreckenden Gehöften als eine Art militärisches Gebiet streng abgeschlossen.

Zwischen diesem und dem Kastell lag die große, gut erhaltene und in sechs Perioden mehrfach überbaute Villa mit der benachbarten Kommandantenwohnung. Dem Schema folgend lag der große Soldatenfriedhof etwa 300 m hinter dem Kastell mit mehreren hundert einfachen Brandgräbern ohne schützende Einfriedigung. Westlich neben ihm befand sich ein abgeschlossener Bezirk mit dem Mithreum (wiederaufgebaut), Metroon und Resten anderer orientalischer Heiligtümer.

Der Tempel des Juppiter Dolichenus erhob sich auf dem höchsten Punkt des Kastells als das größte und wichtigste in den Standlagern jener Zeit. Mehrere Heiligtümer anderer römisch-germanischer oder gallischer Gottheiten finden sich in Resten zerstreut in der Niederlassung, entsprechend den zahlreichen Gemeinschaften, alle vom Kirchhof für die Kultanhänger umgeben. Wohngebäude wurden nur ganz vereinzelt festgestellt, allerdings wurden mehr als 83 (im ganzen 95) Tiefbrunnen ausgegraben.

In der unmittelbaren Umgebung lagen noch im eigentlichen Saalburggebiet, die Gickelsburg) (ein Ringwall aus der Bronzezeit), der Rosengarten (Ringwall) und die frührömische Preußenschanze, alles Anlagen, die als Vorläufer der Saalburg in alten Zeiten anzusehen wurden und deren Untersuchung erst die Geschichte des Passes aufklärte. Auch römische Anlagen lagen noch außerhalb des Pfahlgrabens; ihre Erforschung war für die Frage, ob und wieweit der Limes die äußerste Grenze des römischen Besitzes bezeichnete, sehr wesentlichn.

Funde

Gesichtsurne, römisch, Kastell Saalburg, RdgA Bd2, Taf.016, Abb.08.jpg

Römische Gesichtsurne aus dem Kastell Saalburg

Die zahlreichen Funde (etwa 20.000 Stück im wiederaufgebauten Kastell vereint) stammen aus der Zeit vom Anfang des 2. bis Mitte des 3. Jahrhunderts und geben ein Bild der Kultur in der germanischen Provinz zur Blütezeit der römischen Okkupation. Ihr Studium war wichtig für die Geschichte der germanisch-keltischen wie der römischen Kultur, die die fremden Elemente aufnahm und langsam weiterbildete.

Auf dem weitgespannten, wohlgepflegten Straßennetz gab es einen regen Handelsverkehr aus allen Teilen des Reichs mit den wichtigsten Spezialfabriken der Main- und Rheingegend. Dazwischen lagen die Reste selbständiger einheimischer Kultur. Der allmählicher Vergleich mit den Reinkulturen oder zeitlich geschlossenen Fundgruppen klärte den großen Einfluß der Germanischen Kultur auch nach der technisch-konstruktiven Seite weiter auf.

Selbst für den Obstbau förderten die Ausgrabungen auf der Saalburg das wichtige Ergebnis zutage, daß am Fuß des Taunusgebirgs schon in den ersten nachchristlichen Jahrhunderten - die Saalburg war vom 1. bis zum Ende des 3. Jhds. nach Chr. von den Römern besetzt - Pflaumen, Zwetschen, Kirschpflaumen, Süß- und Sauerkirschen, Pfirsiche und Aprikosen, Walnüsse und verschiedene Sorten von Haselnüssen gezogen wurden.

Kerne bzw. Schalen dieser Obstarten und Nüsse wurden von L. Jacobi in ansehnlicher Menge nicht nur in den ausgemauerten, sondern vornehmlich gerade in zahlreichen Schachtbrunnen, den ältesten Brunnenanlagen der Saalburg, gefunden, die nachweislich schon von den Römern selbst im 2. Jh. durch ausgemauerte Brunnen ersetzt und zugeschüttet wurden. Die Fruchtkerne fanden sich in einer Schlammschicht 5-10 m unter der Oberfläche. [2]

Quellen

  • Das Römerkastell Saalburg bei Homburg v. d. H. 2 Bände. Von L. Jacobi. Homburg 1897
  • Führer durch die Saalburg, 7. Auflage. H. Jacobi. 1913.
  • Saalburg Jahrbuch. Veröffentlichungen der Museumsverwaltung (bei Jos. Bär, Frankfurt)
  • Reallexikon der Germanischen Altertumskunde (RGA). 1. Auflage, 4 Bände. Johannes Hoops. K. J. Trübner, Straßburg 1911-1919. Bd. IV, S. 54

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: Kastell Saalburg
  2. Hoops, RdgA. aaO. Bd. III, S. 356 (Art. Obstbau)

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