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Die Germanische Schöpfungsgeschichte weist einige Parallelen zu den frühen Schöpfungsmythen anderer Kulturen auf (z.B. denen der Inder, der Griechen, oder auch der Ägypter). In der Prosa-Edda des Snorri Sturluson (v.a. in Gylfaginning), sowie im Codex Regius der Lieder-Edda (v.a. in der Völuspá und dem Wafthrudnismal) sind die beschriebenen Mythen überliefert, wobei es anzunehmen ist, dass es hier bereits zur Vermischung mit christlicher Mystik gekommen ist.

Allgemeines

Die in der Lieder-Edda enthaltene Völuspá (Weissagung der Seherin) beschreibt eine Zeit des Urchaos, dem die Schöpfung der Riesen, der Götter und schließlich der Menschen folgte. Ginnungagap war das gähnende Nichts, Jotunheim die Heimat der Riesen, Niflheim das Reich der Kälte und Muspellsheim das Land des Feuers. Der große Weltenbaum Yggdrasil erstreckte sich über Zeit und Raum, aber die Schlange Nidhöggr nagte ständig an seinen Wurzeln. Unter einer der Wurzeln befand sich der Brunnen des Mimir, eine Quelle der verborgenen Weisheit.

Beschreibung

Anfangs gab es nichts (ganz im philosophischen Sinne zu verstehen). Dieses Nichts nannte man Ginnungagap. Man stellte es sich als eine tiefe Schlucht des Nichts und der Windstille vor. Da schuf Allvaters Geist das Sein und im Süden dieser Schlucht entstand Muspelheim , ein Reich, in dem Feuer und Hitze herrschte. Später kam Niflheim (nördl. von Ginnungagap) hervor, ein Reich voller Nebel, Kälte und Eis. Im Zentrum von Niflheim ist der Brunnen Hvergelmir. Aus dieser Quelle entsprangen 12 Flüsse von denen jeder Elivagar genannt wurde. Sie überfluteten ganz Niflheim und es bildete sich eine Eisschicht über die andere, bis sie sích zur Schlucht Ginnungagap vorschlugen. Erst seit diesem Ereignis gab es in Niflheim Eis und Schnee. Die Feuerfunken von Muspelheim brachten das Eis am Rand zum Schmelzen. Aus solch einem Tropfen entstand der Urriese Ymir und die Urkuh Audhumbla, aus deren Euter stets Milch floss. Diese Milch diente Ymir zur Nahrung.

Aus Élivágar fuhren Eitertropfen
Und wuchsen, bis ein Riese ward.
Dann stoben Funken aus der südlichen Welt,
Und Lohe gab Leben dem Eis.

Vafthrudismal, 31

Eines Tages fiel der Riese in einen tiefen Schlaf und aus dem Schweiß der linken Achselhöhle kam ein männliches und ein weibliches Riesenwesen hervor. Weiter paarten sich die beiden Füße Ymirs, und es entstand Vafthrudnir, dessen sechsköpfiger Sohn, der Stammvater des Geschlechtes der Hrimthursar (die Reif- und Frostriesen). Audhumbla ernährte sich indem sie das salzige Eis schleckte, doch eines Tages kam ein langes Menschenhaar zum Vorschein. Am nächsten Tag wurde ein Kopf und am dritten Tag ein ganzer Körper aufgedeckt.

Dies war der Urriese und Stammvater der Götter Buri. Er paarte sich mit sich selbst und gebar den Riesen Bör. Bör zeugte mit der Riesin Bestla drei Söhne: Odin, Vili und Ve (die ersten Asen). Bestla ist die Tochter des Hrimthursen Bölthörn, also war sie eine Reifriesin (Ymirs Nachkommen), trotzdem war sie friedliebend (die Hrimthursen galten als böse und kriegerisch).

Ymirs Erschlagung

Alle lebten friedlich und waren glücklich bis die drei Asen den Riesen Ymir erschlugen. Aus seinem Blut entwickelte sich eine Flutwelle aus dem alle Reifriesen ertranken außer Bergelmir und seine Gattin, die sich in einem Boot retteten (vgl. 1.Mose 5,13 ff, Arche Noah). Aus ihnen ging das neue Reifriesengeschlecht hervor. Die Asen legten Ymirs Leichnam in die Schlucht Ginnungagap. Sie formten aus folgenden Körperteilen die Welt:

  • Blut = Weltmeer
  • Körper = Erde
  • Knochen = Berge
  • Haare = Bäume und Gras
  • Zähne und Knochensplitter = Stein und Felsen
  • Maden des Körpers = Zwerge (Eine andere Geschichte besagt, die Zwerge sind aus Brimirs Blut und Blains Gliedern entstanden.)
  • Schädel = Himmelsgewölbe

Am Himmelsgewölbe waren Hörner an den vier Ecken. Die Asen hoben Ymir nochmals hoch und setzten an jedes Horn einen Zwerg, der das Gewölbe halten sollten. Sie hießen: Austri (Ost), Westri (West), Nordri (Nord) und Sudri (Süd). Zuletzt nahmen die Götter. noch Funken aus Muspelheim, und setzen sie an den Himmel (Sterne).

Tag und Nacht

Um Tag und Nacht festzulegen, erhielten Dag und seine Mutter Noot (die Jötunriesen). Beide bekamen jeweils ein mit einem Pferd gespannten Wagen von den Göttern. Mit diesen fahren sie im Abstand von einem Tag um die ganze Welt, die sich die Germanen als flache, runde Scheibe vorstellten. Der Riese Mundilföri wagte es, seine Tochter Sol und sein Sohn Mani mit den Göttern gleichzusetzen, deshalb setzte Odin beide in den Himmel, wo seitdem Sol den Sonnenwagen und Mani den Mondwagen über das Gewölbe lenkt. Die Wagen schufen die Asen aus zwei großen Brocken aus Muspelheim. Mani wird vom Wolf Hati verfolgt. Immer wenn er zu nah am Mondwagen vorbeikommt, entsteht eine Mondfinsternis. Das gleiche gilt für Sol, deren Wolf Sköll genannt wird (statt Mond- eben Sonnenfinsternis).

Erschaffung Asgards

Im Osten der Scheibe ist Jötunheim, das Reich der Riesen. Zum Schutz gegen den Thursen bauten die Götter einen Wall aus den Augenbrauen von Ymir um Midgard. Midgard ist das Reich der Menschen und Mitte aller Welten. Die drei Asen nahmen zuletzt das Gehirn von Ymir und warfen es in den Himmel.

Die ersten Menschen

Die ersten Menschen Ask und Embla wurden von Odin, Hönir (anderer Name für Vili) und Lodur (anderer Name für Ve) aus zwei Bäumen, die vom Meer ans Land gespült wurden, geschnitzt. Odin gab ihnen als Luftgott Atem, Leben und Geist; Hönir gab ihnen als Wassergott klaren Verstand und Gefühl; Lodur gab ihnen als Feuergott das warme Blut, das blühende Aussehen, die Sprache und das Gehör. Absofort lebten in Midgard die Menschen, in Asgard die Asen, die Riesen und Trolle im westlichen Utgard und die Zwerge lebten sowohl in Utgard als auch in Midgard versteckt. Die Alben wohnen in Albenheim das man sich zum Teil in Midgard, aber überwiegend in Asgard vorstellte.

Besaßen nicht Seele, und Sinn noch nicht,
Nicht Blut noch Bewegung, noch blühende Farbe.
Seele gab Odin, Sinn gab Hönir,
Blut gab Lodur und blühende Farbe.

Völuspa: 18

Literatur

  • Rudolf Simek, "Religion und Mythologie der Germanen", Darmstadt 2003. ISBN 3-8062-1821-8

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