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In der nordischen Frauentracht der Wikingerzeit sind die schalenförmigen, etwa 10cm, reich mit Ornamenten geschmückten Spangen gewiß die auffälligste Schmuckform. Die Kleidermode verlangte paarweises Tragen dieser Schalenfibeln (auch Ovalfibel oder Schildkrötfibel). Die vorne lose gearbeiteten Rockträger wurden damit unsichtbar unterhalb der Schultern befestigt. Deshalb musste das Dekor eines solchen Spangenpaares übereinstimmem.

Beschreibung

Im Frühmittelalter, ab dem 7. Jh., entstanden in Nordeuropa mehrere neue Fibelformen. Außer Schlangen- und Adlerfibeln nordischer Formen, die allerdings nicht häufig vorkamen, erschienen auch die ersten ovalen Schalenfibeln (Abb. 81), die einem von oben gesehenen Tier ähnelten.

Die frühen Schalenspangenpaare waren in der Regel aufwendig und kunstvoll gearbeitete Einzelstücke, sicherlich auf Bestellung angefertigt. Das lässt sich z.B. für das silberne Spangenpaar mit Kordeldrahtverziehrung annehmen, das in einen sehr reichen Frauengrab in Haithabu gefunden wurde. Aber auch ein zweischalig gearbeitetes, feuervergoldetes Schalenspangenpaar aus Bronze deutet durch seine sehr sorgfältige Fertigungsweise auf eine wohlhabende Besitzerin. Manche einschaligen, aber massiv gegossenen Spangen zeigen eine hochwertige Verarbeitung und dürften teurer und nur für reiche Frauen erschwinglich gewesen sein.

Während der Wikingerzeit waren die paarweise getragenen ovalen Schalenfibeln der gewöhnlichste Frauenschmuck der Nordgermanen. Diese Spangen, die vom Typus Abb. 81 stammen, waren in allen skandinavischen Ländern weit verbreitet und auch in den von den Wikingerzügen berührten Teilen Europas zu finden. In Finnland und bei den finnischen Stämmen im Ostbaltikum kamen eigentümliche Nachbildungen vor, die sog. Schildkrötenfibeln.

Herstellung

Die Forschung wies nach, daß während der Wikingerzeit erstmalig im Norden eine umfangreiche Produktion von Schmuckstücken einsetzte. Die Herstellung von ovalen Schalenspangen ist das geeignete Beispiel, das diesen Vorgang belegt. Der Typus der Schalenspange wird während der Wikingerzeit in Größe und Verziehrung ungewöhnlich stark standardisiert, was sich aus der Herstellungstechnik erklärt - dem Guss in verlorener Form. Dabei diehnte die Spange als Model für viele weitere.

Von bekanntesten Spangentyp sind etwa 1000 Kopien bekannt deren Fundorte von Irland bis Kiew reichen. Trotz solcher rationeller Fertigungstechniken blieben Schalenspangen ein teuers Accessoire der Kleidung, das sich nur Frauen der reich Oberschicht leisten konnten.

Verziehrungen

Die Verziehrungen der Schalenspangen bestand fast durchweg aus Motiven der verschiedenen wikigerzeitlichhen Tierstile und war starken Modeschwankungen unterworfen. Im 8. und 9. Jahrhundert waren z.B. gewölbte, oval geformte Spangen sehr beliebt, deren Form und Verziehrung an den Panzer einer Schildkröte erinnern. Man hat diesem Spangentyp deshalb den Namen "Schildkrötfibel" gegeben.

Im Verlaufe der Wikingerzeit werden die späteren Schalenspangen im Vergleich mit den fein verziehrten älteren Vorbildern immer gröber. Das Tragen von Schals und Umhängen nämlich hatte sich in der Frauenmode allmählich so durchgesetzt, daß die Spangen beim Gebrauch nun meist verdeckt waren und man infolgedessen der Gestaltung ihrer Oberfläche nicht mehr viel Aufmerksamkeit schenkte. In der späteren Wikingerzeit- etwa ab 1000 n. Chr.- entwickelte man keine neuen Spangentypen mehr; sie wurden unmodern und gerieten in Skandinavien außer Gebrauch.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Kulturgeschichte Schwedens von den ältesten Zeiten bis zum elften Jahrhundert nach Christus (Internet Archive). Oscar Montelius. Leipzig : E. A. Seemann, 1906. Abb. 492.

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