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Disambig Dieser Artikel behandelt das Tier "Schelch" als Bezeichnung für einen alten Pferdehengst. Für das gleichnamige Schiff siehe Schelch (Schiff).

Der Schelch war im Mittelalter eine Bezeichnung für einen (alten) Hengst einer Wildpferdeherde im königlichen Forst, dessen Jagd ausschließlich dem König vorbehalten war.

Beschreibung

Die Erwähnung des Schelchs im Nibelungenlied (ed. Bartsch 937, 2):

darnach slvch er shiere, einen wisent vnd einen elch,
starcher vower viere, vnd einen grimmen shaelch,
sin ross in trvch so balde daz ir im niht entran,
hirzze oder hinden, chvnde im wenich engan
"“

Der Nibelunge Nôt: 16. Aventiure (Mittelhochdeutsche Fassung, Bartsch) [1]

Einen Wisend schlug er wieder darnach und einen Elk
Vier starker Auer nieder und einen grimmen Schelk,
So schnell trug ihn die Mähre, daß ihm nichts entsprang:
Hinden und Hirsche wurden viele sein Fang.

Nibelungenlied: Sechzehntes Abenteuer, 965 (Neuhochdeutsche Übersetzung, Simrock) [2]

... sowie die Zusammenstellung von "elo aut schelo" in einer Urkunde Ottos als Tiere, die der königlichen Jagd vorbehaltenen waren, führte die Germanisten des 19. Jhds. zeitweise auf eine falsche Spur, was die Identität des Schelchs betrifft. Sie vermuteten wegen der Zusammenstellung mit elo, dem Elch, in schelo etwas ganz besonders Fremdartiges: den längst ausgestorbenen Riesenhirsch.

Tatsächlich bezeichnet der Name den (alten) Hengst der Wildpferdeherde im königlichen Forst, eine eigenartige, nur selten vorkommende und deshalb für den König besonders zurückgestellte Jagdbeute. Die Aufzählung der für die fränkischen Könige zur hohen Jagd gehörigen Tiere, die er spätantike Dichter Venantius Fortunatus (um 540-600/610) in einem seiner Gedichte gab, zählt aber auch den Wildhengst auf: nec mortem differt ursus, onager (der Wildhengst), aper (Carmina lib. VII 4: ad Gogonem [3]).

Sein Abschuß wurde von Zeit zu Zeit im Interesse der Pferdezüchtung notwendig, da der führende Hengst auch dann noch jeden jungen Nebenbuhler von seiner Herde wegbeißen würde, wenn es gut wäre, für einen jüngeren Ersatz zu sorgen. In den Glossaren wird schelo mit admissarius (Hengst) übersetzt, so auch im Lex Alamannorum (61). Der alte Name erhielt sich übrigens auf niederdeutschem Gebiet bis ins 16. Jh. Eine lippische Küchenrechnung von 1537 erwähnt einen Hengst, der als Schelch zu den wilden Pferden auf die Senne kam:.. vor einen hinxt, de quam up de sende, vor einen scelen, ton wilden perden (Schiller-Lübben 4, 63).

Quellen

Einzelnachweise

  1. Bibliotheca Augustana: Der Nibelunge Nôt, 16. Aventiure. Karl Bartschs Edition. Leipzig: F.A. Brockhaus, 1870-1880.
  2. Simrocks Übersetzung Nibelungenlied. In: Project Gutenberg.
  3. Collectio pisaurensis: omnium poematum, & carminum, fragmentorum latinorum, sive ad christianos... (Internet Archive). Hrsg. Paschalis Amatus. Amatina Chalcographia, 1766

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