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Crystal keditbookmarks.png Dieser Artikel wurde am 30. November 2016 als Spotlight vorgestellt.

Die Schildformen des Spätmittelalters werden von Dreieckschilden, Tartschen und Pavesen bestimmt.

Beschreibung

Mit der Erstarkung des Feudalwesens im 12. und 13. Jh. erfuhr das Fußvolk immer mehr in Missachtung, und so wurde eben auf die Bewaffnung der Fußknechte wenig oder gar kein Wert gelegt. Folglich findet man in historischen Quellen über die Verwendung von Fußtruppen die vielfältigsten und sonderbarsten Schildformen, während auf die Formenentwicklung der Reiterschilde ein sorgsames Augenmerk gelenkt wurde.

Der ritterliche Schild des 14. Jhs. ist klein, zumal in Frankreich. Im allgemeinen ist er dreieckig (Dreieckschild), am oberen Rand mal geschweift, mal geradlinig, auch verschieden in der Stärke seiner Ausbiegung auf der Trutzseite. Schilde, die von der dreieckigen Gestalt abweichen, werden Tartschen genannt. Im 16. Jh. gelangte der Plattenharnisch zu seiner Vollendung, und der Reiterschild, durch fünf Jahrhunderte eine der wichtigsten Schutzwaffen, verlor seine Daseinsberechtigung.

Durch die herben Erfahrungen in den Schweizerkriegen des 14. Jhs., die auch auf die feudalen Parteien außerhalb des Heiligen Römischen Reiches starken Eindruck ausübten, wurden die Ritterschaften über den hohen Wert des Fußvolkes belehrt und von dieser Zeit an wurde allmählich der entsprechenden Ausrüstung des Fußknechtes mehr Sorgfalt zugewendet.

Achselschild

Reiter mit Achselschild 14.Jh. handbuchderwaff00collgoog, Fig.188.jpg

Ritter mit Achselschild (Anfang 14. Jh.)

Von etwa 1274 bis 1348 ein begegnen wir in der kriegerischen Ausrüstung französischer und burgundischer Heere den Achselschilden, meist quadratförmigen Platten, die schief aufgestellt vom Helm bis ans Schulterende reichten, um Hals und Schulter des Streiters zu deckten. Diese Schilde waren, genau wie die Tartsche, mit dem Wappen der Eigner bemalt und bildeten im französischen Adel gleich jenen ein Abzeichen des ritterlichen Standes.

Tartsche

Am Ende des 14. und Anfang des 15. Jh. verschwand der kleine dreieckige Reiterschild, um einer neuen Form der Tartsche Platz zu machen. Sie wurde nun unterhalb halbrund gebildet, zuweilen, wie in England und Nordfrankreich, viereckig, nahezu quadratförmig. Zudem hatten die Tartschen oben rechts häufig einen Ausschnitt, um die eingelegte Lanze durchzulassen (Bild). Innen waren sie meist gepolstert und mit Schildfessel versehen. Eine entsprechende Umänderung erfuhr zur selben Zeit auch der Schild des Fußvolks, dem infolge der Siege der Schweizer über die Ritterheere Österreichs eine erhöhte Beachtung geschenkt wurde.

Pavese

Satzschild Große Pavese 15. Jh. MgKL Rüstungen und Waffen III Fig.19.jpg

Satzschild bzw. Große Pavese (15. Jh.)

Im Unterschied zur Reitertartsche nannte man die Tartsche des Fußvolkes Pavese. Es ist ein großer Schild von ovaler oder rechteckiger Gestalt, insbesondere von Bogenschützen seit Ende des 13. Jhs. gebraucht. Diese Schutzwaffe ist meist 1m hoch und 0,49–0,60m breit.

In der Mitte hat sie eine tiefe Rinne, die nach aussen als Rippe erscheint und dem Schild nicht nur eine größere Festigkeit gibt, sondern es auch ermöglicht, ihn an einen in den Boden getriebenen Pfahl anzulehnen. Das Instrument gleicht in der Art seines Gebrauches der schweren Setztartsche (Setzschild). Der Setzschild oder die Große Pavese wurde auf den Boden gestellt und gewährte eine Deckung bis zur Mitte der Brust (Bild).

Sturmwand

Außerdem entwickelte sich die bis zu 2 m hohe, innen mit Eisen beschlagene Sturmwand weiter, die, mit den am unterwn Ende angebrachten eisernen Spitzen in die Erde gerammt, den Mann vollständig deckte, wobei ein in Augenhöhe angebrachtes kleines Guckloch die Beobachtung des Feindes ermöglichte. Die Pavese, deren Name sich von der schon im Altertum als Schildwerkstätte berühmten Stadt Pavia ableitet, war besonders in den böhmischen Heeren beliebt, bei denen, wie in der Böheimschlacht (12. Sept. 1504), die dicht aneinander gereihten Schilde eine feste Schutzwand und somit einen Ersatz für die sonst in den Hussitenkriegen übliche Wagenburg bildeten.

Handtartsche / Kleine Pavese

Da jedoch diese großen und schweren Pavesen die Beweglichkeit der Truppen hinderten und sich mehr zur Verteidigung als zum Angriff eigneten, entstand gleichzeitig für das leichtbewaffnete Fußvolk, insbesondere für die Bogen- und Armbrustschützen, eine kleinere und leichtere Art Handschild, die Kleine Pavese (Bild). Die Mehrzahl aller dieser rechteckig geformten Setz- und Handschilde hatte in der Mitte eine von oben nach unten laufende hohle Ausbauchung, innerhalb der sich die eisernen oder ledernen Handhaben befanden, und zeigte auf der mit Leder oder Pergament überzogenen Außenseite geschmackvolle religiöse oder heraldische Malereien in Tempera.

Orientalische Formen

Eine besondere Art dieser Tartschen bildete zu derselben Zeit in den unter dem Einfluss des Orients stehenden ungarischen, polnischen und moskowitischen Heeren die sog. Ungarische Tartsche mit einem tief nach rechts abgeschrägten oberen Rand (Bild) sowie die von den spanischen Mauren übernommene und in den romanischen Ländern beliebte Adarga (Bild). Dieser ovale oder herzförmige Schild entsprach dem seit Alters her im Orient üblichen kleinen Rundschild, der, meist aus hartem Leder gefertigt, mit ornamentierten Buckeln beschlagen und mit bunten Malereien verziert war (Bild).

Fechtschild

Eine weitere Schildform des 14. und 15. Jhs., die nicht für den Feldgebrauch bestimmt war, war der "alte" Fechtschild, der in den Fechtschulen üblich gewesen war. Solche Schilde waren aus Holz, mit Leder überzogen und bemalt; in der Mitte des sehr langen und schmalen Schildes lief ein hoher Grat entlang, der auch innen ausgehöhlt war und in dem eine eiserne Tragstange entlang lieft. Ober- und unterhalb standen aus dem Schild lange Eisenspitzen hervor, so dass das Ganze eine Länge von 2,5 Metern besaß.

Galerie

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Quellen

Einzelnachweise

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