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Die Schilderhebung war ein Zeremoniell bei den Germanen, das u.a. von Tacitus (Hist. 4, 15) überliefert wird. Dabei erhoben sie - wie der Name bereits sagt - einen neugewählten Anführer (wie z.B. Herzog) auf einen Schild. Vereinzelt zeigte sich dieser Brauch auch noch im späteren Königtum der germanischen Stämme bis in die Merowingerzeit.

Beschreibung

Zur Völkerwanderungszeit fanden bei den Ostgoten und Franken Schilderhebungen offenbar nur dann statt, wenn einem neuen König keine normale Erbfolge sein unstrittiges Recht gewährte. So wurde z.B. der Ostgote Vitigis († wohl 542), der nicht dem Königshaus der Amaler entstammte, auf den Schild erhoben wie Cassiodor (Var. 10, 31) berichtet.

Ebenso wurde Chlodowechs Herrschaft von den Ribuariern nach der Ermordung der ribuarischen Teilkönige auf diese Art und Weise bestätigt, genau wie der Austrasier Sigibert I. von den Neustriern, die ihren König Chilperich I. verlassen hatten, und der Usurpator Gundobad im Jahre 584 (Gregor von Tours 2, 40; 4, I; 7, 10).

Von den Germanen wurde die Schilderhebung auf römische und byzantinische Verhältnisse übertragen. Die Nachrichten über Schilderhebungen der Kaiser Julian (331-363) und Valentinian I. (321-375) durch germanische Krieger bezeugen die weite Verbreitung dieser germanischen Sitte. Sie bürgerte sich sogar in Byzanz ein, wo sie seit dem 5. Jhd. zuerst als militärische Form von Kaisererhebungen vorkommt und später als eigener Teil in der Gesamtzeremonie dauerhafte Aufnahme fand.

Bedeutung

Ob die Schilderhebung staatsrechtlich als Huldigung, Wahlakt oder als besondere Form des Wahlvorschlags (s. Königswahl) zu beurteilen ist, ist umstritten. Der historische Zusammenhang weist darauf hin, dass die Schilderhebung den Abschluß der Wahl bedeute und der Inthronisation der späteren Zeit gleichkommt. Während sich die Erhebung auf den Schild in anderen Gebieten noch länger erhielt, ist es im Frankenreich später nicht mehr bezeugt.

Hier trat bereits im 7. Jhd. an Stelle der Schilderhebung die Besteigung des erhöhten Königssitzes (s. Königskrönung). Der viel später, zuerst 1308 erwähnte Brauch, den erwählten König und dessen Gattin auf den Altar der Frankfurter Bartholomäuskirche zu setzen (elevatio super altare), kann mit der altgermanischen Schilderhebung nur insofern in Verbindung gebracht werden, als beide Zeremonien dem gleichen Bedürfnis entsprungen sind, den neuen Herrn feierlich dem Volk zu zeigen.

Quellen

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