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Crystal keditbookmarks Dieser Artikel wurde am 10. Januar 2017 als Spotlight vorgestellt.

Unter Scholastik versteht man jene Philosophie, welche die Kirchenlehre als wissenschaftliches Schulsystem zu begründen und auszubilden suchte. Ihre Geschichte teilt sich in drei Hauptabschnitte:

Benennung

Ihren Namen erhielt die Scholastik von den Schulen, an denen sie gelehrt wurde. Doctores scholastici oder kurzweg "Scholastiker" hießen ursprünglich die Lehrer der sog. Sieben Freien Künste in den Dom- und Klosterschulen seit Karl dem Großen; später alle, die sich schulmäßig mit den Wissenschaften, insbesondere der Philosophie oder, was damals fast dasselbe war, der Theologie beschäftigten.

Besonders aber die Lehrer der Philosophie an den großen Universitäten wie Paris, Oxford, Köln u. a. Diese Scholastiker wollten nicht mehr die frohe Botschaft des Evangeliums und der Apostel verkünden und erklären, und auch nicht mehr den Glaubensinhalt der Bibel, wie die Kirchenväter. Sie wollten stattdessen die Dogmen der römisch-katholischen Kirche in ein System bringen und mit den Mitteln der Vernunft, vor allem der Dialektik, begründen und weiter ausbilden.

Beschreibung

Anfänge der Scholastik

Die Scholastik war eine Philosophie der Kirche und ihre Sprache das Kirchenlatein. Ihre Vorbilder waren die Philosophen des Altertums; aber nicht mehr, wie bei den Kirchenvätern, der Idealist Plato, sondern "der Vater der Logik, die lebendige Enzyklopädie aller Wissenschaften" (Erdmann): Aristoteles. In der römischen Kirche behauptete sich die scholastische Philosophie auch nach der Reformation noch und fand sogar seit ihrer Empfehlung in der Enzyklika "Aeterni Patris" (1879) von Papst Leo XIII. (1810-1903) einen neuen Aufschwung in der Neuzeit. Die Anfänge der Scholastik wurden geprägt von Persönlichkeiten wie Johannes Scottus Eriugena (9. Jh.), Gerbert von Aurillac (10. Jh.) und Berengar von Tours (11. Jh.)... Weiterlesen.

Der Universalienstreit: Nominalismus und Realismus

Das philosophische Hauptproblem der Scholastik, das bereits bei Johannes Scottus Eriugena im 9.Jh. anklang, war der sog. Universalienstreit: Die Diskussion über das Verhältnis der Gattungsbegriffe (universalia) zu den Dingen (res). In der Einleitung des antiken Neuplatonikers Porphyrius (um 233-301/305) zu Aristoteles' logischen Schriften warf er die Frage auf, ob die Gattungsbegriffe, z.B. Eiche, Rind, wirklich d.h. dinglich oder nur in Gedanken vorhanden, ob sie körperlich oder unkörperlich seien, ob sie gesondert von den Sinnendingen oder nur in und an denselben existieren. An diese, dem Mittelalter nur in der lateinischen Übersetzung des Boethius vorliegende, Stelle knüpfte sich der fast das ganze Mittelalter durchziehende sogenannte Universalienstreit... Weiterlesen.

Ausläufer der Frühscholastik (12. Jh.)

Die Ausläufer der Frühscholastik im 12. Jh. wurden durch Platonisierende Naturphilosophen und Dialektiker, Mystiker und Summisten bestimmt. Die verschiedenen Richtungen, die Peter Abälards vielseitiger Geist in sich vereinte, treten bei anderen seiner Zeitgenossen und Nachfolger wieder auseinander. Auch solche, die sich "reine Aufklärer" (puri philosophi) nannten, gab es damals schon; doch kennen wir von ihnen nicht einmal die Namen.

Abschluss

Einen passenden Abschluß dieser Frühperiode der Scholastik bildet die Gestalt des nach einem langen Leben 1180 als Bischof von Chartres gestorbenen Engländers Johannes von Salisbury. Er war fast bei allen großen Zeitgenossen (Peter Abälard, Wilhelm von Conches, Gilbert von Poitiers, Robert Pulleyn) in die Schule gegangen, aber auch bei den Alten, und eigente sich von den letzteren nicht nur ein für seine Zeit außergewöhnlich elegantes Latein, sondern auch eine gewisse den meisten Scholastikern fremde Freiheit und Feinheit des Urteils an. Gegenüber den Wortklaubereien und Spitzfindigkeiten der Dialektik machte er den Standpunkt praktischer Nützlichkeit geltend.

Blütezeit der Scholastik

Paris Chapelle des Franciscains, 149

Bonaventura und Alexander von Hales (Couvent des Franciscains, Paris)

Die Blütezeit der Scholastik erfolgte im 13. und 14. Jh. mit Einflüssen der arabisch-jüdischen Philosophie des Mittelalters. Die Kreuzzüge brachten nicht bloß kriegerische, sondern auch geistige Berührungen mit dem Orient. Die morgenländische Kultur wirkte in manchen Beziehungen befruchtend auf die abendländische ein. Durch sie erst wurde der gesamte Aristoteles im Abendland bekannt. Allerdings brachte die arabisch-jüdische Philosophie insgesamt nur wenig originale geistige Schöpfungen hervor und hatte nur wenig dauernde Nachwirkungen... Weiterlesen

Philosophie des Islam

Die Neuplatoniker der letzten, von Justinian aufgelösten athenischen Philosophenschule hatten sich nach Persien und Syrien gewandt, ohne hier den erhofften Einfluss zu finden. Dagegen wurde der der Kirche genehmerere Aristotelismus in einzelnen syrischen Schulen gepflegt. So lernten die Araber, als sie ihren Siegeslauf durch das gesamte Morgenland vollendet hatten und sich der Pflege der Wissenschaften zu widmen begannen, durch syrische und arabische Übersetzungen fast sämtliche aristotelische Schriften, von Plato dagegen nur Timäus, Republik und Gesetze kennen. Bald überflügeln sie ihre Lehrmeister.

Anfang des 9. Jhs. herrschte am Kalifenhof zu Bagdad bereits reges wissenschaftliches Leben. Praktische Naturkenntnisse, wie Astronomie, Mathematik, Chemie und Medizin waren bei den arabischen Wüstenbewohnern und Händlern seit alters heimisch; dazu kam dann der religiöse Aufschwung durch Mohammeds strengen und reinen Monotheismus. Daher kam ihr Interesse für die naturwissenschaftlichen wie für die metaphysischen Schriften des Aristoteles, welche letzteren ja einen theologischen Zug trugen und ihnen zunächst in neuplatonischer Übersetzung und Auslegung bekannt wurden. Während sie rasch über die Naturkenntnisse des griechischen Philosophen hinauswuchsen, blieb dieser in der Theorie ihr Meister.

Spanien war das Land, in dem im 12. Jh. Künste und Wissenschaften mehr als in jedem anderen Land Europas blühten, und vor allem durch das von ihnen beherrschte Spanien wurden die Araber die geistigen Vermittler zwischen Orient und Okzident. Auch die Philosophen hier waren zugleich Ärzte, Mathematiker, Astronomen oder Alchimisten.

Jüdische Philosophie

Schon lange vor ihrer Beeinflussung durch die arabisch-aristotelische Philosophie existierte bei den Juden eine Geheimlehre, die Kabbalah (= Überlieferung), deren Keime bis in die vorchristliche Zeit hinaufreichen, und deren ausgebildete Gestalt viele Ähnlichkeit mit den neuplatonisch-gnostischen Vorstellungen zeigt. Zu der mystischen Geheimlehre der Kabbalah, tritt in der Blütezeit der Scholastik die von den arabischen Aristotelikern beeinflusste jüdische Philosophie in Gegensatz.

Als im 13. und 14. Jh. die arabischen Aristoteliker von den Machthabern verfolgt wurden, wurde ihre Lehre durch die freier gestellten spanischen Juden in Spanien und Südfrankreich verbreitet. Erst dadurch, dass diese jüdischen Gelehrten die arabischen Übersetzungen des Aristoteles und die Schriften der arabischen Aristoteliker ins Lateinische übersetzten, wurde der gesamte Aristoteles, wenn auch noch nicht im Urtext, auch den christlichen Scholastikern bekannt.

Umschwung der scholastischen Philosophie

Durch das Bekanntwerden der gesamten Werke des Aristoteles erfolgte im Abendland ein Umschwung der scholastischen Philosophie. Maßgeblichen auf diese Entwicklung hatten dabei die Franziskaner Alexander von Hales und Bonaventura. Der stärkere Anschluss der Kirchenlehre an die Philosophie des Aristoteles war dabei schon durch die Vermittlung der arabischen und jüdischen Philosophen gefördert worden.

Dieser Einfluss steigerte sich noch, als nach dem Fall Toledos (anno 1085) die reichen Schätze arabischer Wissenschaft in die Hände der Christen gefallen waren. Diese Bewegung wurde noch mehr gestärkt, seitdem im Laufe des 13. Jhs. der griechische Urtext von Konstantinopel her bekannt und ins Lateinische übersetzt wurde, aus dem man nun die wahre Lehre des Stagiriten erst kennen lernte.

Ausgang der Scholastik

Roger Bacon, Historisk Fysik, Fig.5

Roger Bacon

Nach Philosophen wie Alexander von Hales, Richard von Middletown und Johannes Duns Scotus neigte sich die Blütezeit dieser Epoche ihrem Ende entgegen und erreichte nun den Ausgang der Scholastik. Sie zeichnete sich durch den zunehmenden Zwiespalt zwischen Glauben und Wissen, sowie der Blüte der deutschen Mystik aus. Geprägt wurden die neuen Tendenzen dieser Zeit durch Philosophen wie Roger Bacon und Raymundus Lullus.

Im 14. und 15. Jh. dominierte in philosophischer Sicht die Erneuerung des Nominalismus. Wichtige Wegbereiter waren dabei Wilhelm von Ockham (um 1288-1347) und seine Nachfolger. Ockhams Vorläufer waren zwei Franzosen: der Franziskaner und Scotist Petrus Aureolus († 1322) und der Dominikaner Durandus von St. Pourcain (ca. 1270–1275), der sich von seinen anfänglich thomistischen Ansichten allmählich dem Nominalismus zuwandte und nur im individuellen Sein das wahre Sein erblickte.

Die Deutsche Mystik entwickelte sich im 14. Jh. als neue, auch philosophisch wichtige Bewegung. Diese ging von der deutschen Predigt der Dominikaner aus, die nicht bloß durch Verinnerlichung des religiösen Lebens der Reformation mächtig vorarbeiteten, sondern durch die Tiefe ihrer Spekulation noch auf die Philosophie des 19. Jhs. (besonders Schelling) befruchtend einwirkten. Der eigentliche Begründer der deutschen Mystik aber ist derselbe Mann, in dem sie zugleich sofort ihren Höhepunkt erreicht, Meister Eckhart (1260-1327).

Das Werk "De imitatione Christi" des Thomas a Kempis (1380-1471) markierte den Abschluss der scholastischen Epoche. Zwar wurde auch darin die Religion noch mystisch verinnerlicht, aber das sittliche Ideal blieb das in mönchischer Weltflucht befangene Ideal des mittelalterlichen Katholizismus. So endet die Philosophie des mittelalterlichen Christentums mit der Selbstauflösung der Scholastik und der Hingabe an eine aller weltlichen Weisheit abgewandte religiöse Mystik. Inzwischen waren anderswo die Elemente herangereift, die eine neue Zeit heraufführen oder doch vorbereiten sollten.

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Quellen

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