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Siechenhäuser

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Die Siechenhäuser oder auch Aussatzhäuser dienten im Mittelalter als letzte Station im Leben von ungezählten Menschen, die an Lepra erkrankt waren. Da man eine Ansteckung der Bevölkerung befürchtete, befanden sich die Häuser relativ isoliert von der übrigen Gesellschaft außerhalb der Ortschaften.

Beschreibung

Schon sehr früh errichtete man Aussatzhospitäler (Leproserien, Maladreries, Meselleries, Lazaretti, Sondersiechenhäuser, Gutleutehäuser), um die an Aussatz Erkrankten zu isolieren. Seit dem Ende des 5. Jhds. sind entsprechende Einrichtungen im Frankenreich nachzuweisen.

Frühmittelalter

Bereits während der Zeit der Völkerwanderung beschäftigen sich die Synode von Orleans im Jahre 549 und später die Synode von Lyon 583 mit dieser schlimmen Seuche, die schon bedenklich überhandzunehmen begann. 564 gründete Gregor von Tours entsprechende Asyle für den Aussatz. Im Jahr 636 wird ein Leprosenheim bei Verdun urkundlich erwähnt, ungefähr gleichzeitig ein Leprosorium bei Maastricht und bei Metz. Um 736 sammelte Abt Otmar von St. Gallen die Leprösen seines Sprengels in der Nähe seines Klosters; 871 findet sich bei Moutier-Grandval im Kanton Bern eine domus leprodorum. Von Süden und Westen zog so der Aussatz mit schleppender Langsamkeit, aber unaufhaltsam über Mitteleuropa und ein immer dichteres Netz von Aussatzhäusern war das Ergebnis der mildtätigen Sorglichkeit der Nächstenliebe für diese Ausgestoßenen und der ängstlichen Sorge um die eigene Gesunderhaltung.

Hoch- und Spätmittelalter

Im Verlauf des Mittelalters gab es dann schließlich Siechenhäuser in jeder Stadt, nachdem ein Laterankonzil der Kirche 1170 eine strikte Trennung von Gesunden und Kranken verfügt hatte. In Schweden läßt sich das St. Georgenshospital zu Lund bis 1149 zurückverfolgen; als Leproserie wurde das Hospital von Trondheim, das 1170 zum erstenmal erwähnt wird, von Anfang an verwendet. In England sind Leprosenhäuser vor 1084 (Canterbury) bisher nicht sicher nachgewiesen. Im 12. und 13. Jh. gab es in Frankreich allein 2000 und in der ganzen christlichen Welt 19,000 solcher Aussatzhäuser.

Lage und Aufbau

Die Siechenhäuser lagen meist vor der Stadt, fern der Siedlungsgebiete, aber nahe an Strassen und Flüssen, damit den Aussätzigen Almosen gebracht werden konnten. Meist lagen verschiedene Holzhütten verstreut um eine Kapelle und wurden teilweise von einer Mauer eingefasst. Zu jedem Siechenhaus gehörten eine eigene Kapelle und ein Friedhof. In Norddeutschland waren sie gewöhnlich dem heil. Georg geweiht, anderswo vor allem dem St. Jacob oder dem heiligen Lazarus. Später wurden diese Anstalten, als die Krankheit ausging, zu Krankenhäusern. Die bis in die Neuzeit vielfach als Kranken- oder Siechenhäuser existierenden Georgs-, St. Jürgen- und Lazarusspitäler entstanden meist aus diesen alten Leproserien.

Verwaltung

Ursprünglich war es nur ein Zusammenlegen einzelner Hütten an angewiesener Stelle, wie es noch der Dichter Ulrich von Lichtenstein (* um 1200; † 1275) beschreibt, wo nur die Mahlzeiten gemeinsam genommen wurden, während die Aussätzigen von dort aus einzeln mit ihren Näpfen auf Nahrungsmittel- und Geldbettel auszogen und durch Anschlagen an die hölzernen Näpfe die Aufmerksamkeit der Mildtätigen auf sich lenkten, dagegen durch Hörn oder Klapper wegen der Infektionsgefahr warnten.

Die Siechenhäuser standen manchmal unter der Leitung eines aussätzigen Meisters, wodurch diese Häuser einen klösterlichen Charakter bekamen. Für die Verwaltung wurden Siechenpfleger bestellt. Sogar ein eigener Ritterorden des heiligen Lazarus wurde für die Pflege der Kranken gegründet. Auch die Kirche nahm sich dieser Ärmsten und Verstoßenen und ihrer Pflege durch die Gründung des Ordens der Lazaristen an, dessen Meister ein Aussätziger sein mußte.

Pflege und Betreuung

Von der Gesellschaft verstossen und aller bürgerlichen Rechte beraubt, vegetierten die Aussätzigen in den schachtelartigen Zimmern manchmal drei, manchmal zwanzig Jahre lang dahin. Um die Kranken kümmerten sich hin und wieder Mönche, Bader und Chirurgen. Abgesehen davon waren die Menschen in den Siechenhäusern sich selbst überlassen. Mit Bädern, Schwitz- und Schröpfkuren sowie mit allerlei Salben und Tropfen versuchten sie, ihre Körper von den giftigen Säften zu befreien. Dazu standen ihnen Schwitz- und Badestuben zur Verfügung, die sie laut Experten wohl wahrscheinlich eigenhändig eingebaut hatten. Dass die Leprosenkolonien zu Aufruhrherden wurden, tritt erst in späteren Zeiten in die Erscheinung, aber Widersetzlichkeiten werden schon früh berichtet; vor allem die Absonderung wurde nicht streng eingehalten.

Quellen

  • Burgergemeinde Burgdorf, Erziehungsdirektion des Kantons Bern, Hans Herrmann/Berner Zeitung)
  • Die Leproserien Lothringens. J. P. Kirsch. Im Jahrbuch der Gesellschaft für lothringische Geschichte und Altertumskunde. Ausgabe 15 (1903), Nr. 16. (1904).
  • Der Aussatz in der Schweiz. Band I-III. Fr. Bühler. Zürich 1900-1905.
  • Mittelalterliche Gesundheitspflege in Baden, Hdlbg. Neujahrsblatt. K. Baas, 1909 S. 8. 33. 46.

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