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Die Skalden (anord. skalld) waren skandinavische Dichter, die einen eigenen Stand bildeten, der in hohem Ansehen stand. Sie überdauerten in Island bis ins 13. Jh.

Beschreibung

Was die Skalden von den altenglischen Hofdichtern unterschied, war vor allem, dass sie in den Quellen weder Harfe-spielend noch singend beschrieben wurden. Die Skalden gebrauchten in ihren Dichtungen vorallem den Stabreim und die Alliteration, in Verbindung mit jenem auch den Reim, und eine Bildersprache, die gewissermaßen rätselhaft ist.

Vollständig erhalten sind nur wenig Skaldengedichte, dagegen viele Bruchstücke in der Jüngeren Edda und Heimskringla. Neben den Heldenliedern vermittelten die nordischen Hofskalden später vor allem Zeitgedichte (sowie Stegreiflyrik).

Entwicklung

Bei den Nordgermanen bürgerte sich eine Art Hofdichter zugleich mit der Kunst des Heldenliedes, wenn nicht schon früher, ein. Das bis ins Einzelne bekannte Bild des westnordischen Skalden ist den englischen Dichtern und Sängern recht ähnlich. Gute Vertreter sind die Isländer Hallfred Vandrädaskald, Gunnlag Ormstunga, Ottarr svarti und Sighvatr. Allerdings bildete die Dichtkunst nicht den eigentlichen Lebensberuf der Skalden : solange der Hofskalde in der hirð seines Fürsten lebt, ist er in erster Linie Krieger im Heer- und Flottendienst wie die anderen auch, wenngleich die 'Skalden des Königs' - sie sind ganz gewöhnlich in der Mehrzahl vorhanden - ein stehendes, fast professionelles Wort ist.

Meist setzt er sich später auf sein ererbtes oder erworbenes Grundstück, wird Landwirt oder Kaufmann: die Skaldschaft hat ihn bei seinem Gefolgsherrn vorteilhaft eingeführt, ihm Gunst und Sold, auch von fremden Fürsten, eingetragen: sein Broterwerb war sie nur vorübergehend. Noch weniger kann außerhalb des Hoflebens von einem wirklichen Dichtergewerbe die Rede sein. Die nordische Literatur zeigt auch, wie wenig der Fürstenhof eine abgeschlossene Kulturzone bildete: die auf den Fürsten gedichteten Lieder gab man weiter im isländischen Bauernhaus, Gedichte gleicher Art schuf man für seine großbäuerlichen Verwandten, und die ganze Arbeit der Sammlung und Aufzeichnung besorgten nicht die Höfe, sondern die freien Isländer.

Etymologie

  • wnord. skáld - der 'Skalde'

Der Nahme "Skalde", anord. skalld, stammt von 'Schall, schallen' ab, und war auch dem nördlichen Deutschland nicht unbekannt. Im Niedersächsischen war der 'Schale, Schaller, Schalde' ein Bänkelsänger, Spruchsprecher, Leiermann u.s.f. Das wnord. skáld war der allgemeine Ausdruck für 'Dichter'. Dass die neuere Wissenschaft 'Skald' auf die Dichter der künstlicheren Weise einschränkt, kommt daher, dass die in den alten Quellen mit Namen präsentierten skáld alle dieser Richtung angehören.

In der eddischen Familie galt ja die namenlose Überlieferung. Das Wort skáld taucht auch in Schweden und Dänemark ein paarmal auf. Es wurde nicht erst durch die Formneuerung des 9. Jhds., die wir heute "skaldisch" nennen, geprägt. Einer Theorie zufolge unterlag skáld einer Sinnesentwicklung 'Spruch -> Sprecher -> Dichter', oder auch 'Erzählung -> Erzähler -> Dichter', denn der Name skáld umfaßte auch die Dichter epischer Lieder, so deutlich die Tätigkeit der Hofskalden von der der Erzähler, der anord. sagnamenn, unterschieden wird.

Berühmtheiten

  • Egil Skallagrimsson - Berühmter Skalde auf Island , im 10. Jh., dessen reichbewegtes Leben und Dichten die "Egilssaga" schildert. Egils Dichterruhm beruht besonders auf drei Liedern, der Hǫfudđlausn ("Lösung des Hauptes"), durch die er seinen Todfeind, König Eirik Blutaxt, bewegte, ihm das Leben zu schenken, das "Sonartorrek" ("Sohnes Verlust"; auf den Tod seines Lieblingssohnes) und die "Arinbjarnardrápa", ein Loblied auf seinen Freund Arinbjorn. Die drei Gedichte sind in die Egilssaga mit aufgenommen.
  • Glum Eyjolfsson (* ca. 926, † 1003) - Isländischer Skalde. Auch Viga-Glumr. Lebte in seiner Jugend längere Zeit in Norwegen, ohne an Höfen zu singen. Er erlegte viele Feinde und war sehr gewandt in der Führung von Prozcessen. Seine Gesänge waren im Altertum berühmt und wurden oft von Anderen gesungen. Er starb 1003, nachdem er kurz zuvor zum Christentum übergetreten war. Er ist besonders berühmt durch die Kämpfe, die er als Häuptling im Südwesten von Island zu bestehen hatte. Seine Geschichte ist erzählt in der Víga-Glúmssaga, einer zu Anfang des 13. Jh. niedergeschriebenen Lebensbeschreibung des Dichters.
  • Gunnlag Ormstunga (Schlangenzunge) - Isländischer Skalde. Geboren im letzten Viertel des 10. Jh. Ging 996 von Irland nach Norwegen und nach England, wiederholt am Hofe König Aethelreds, auch des Königs Aethelred II. von England. Kehrte 1005 auf seine Heimatsinsel zurück, wo er um die schöne Helga einen Zweikampf mit dem Skalden Hrafn Onundarson (Skald Rafn) zu bestehen hatte, infolgedessen beide landesflüchtig wurden. Er kam auch nach Irland und Schweden zu Olaf Skautkonungr. Als Gunnlag 1009 zu Dinganes in Norwegen wieder auf Hrafn Onundarson traf, kam es von neuem zum Kampf, in dem beide fielen. Gunnlag erhielt wegen seiner beißenden Lieder den Beinamen Ormstunga ("Schlangenzunge"). Seine Geschichte wird erzählt in der Gunnlag Ormstunga ok Skald Rafns Saga (Gunnlaugssaga).
  • Hallfred Vandrädaskald - Altnordischer Skalde des 10. u. 11. Jh., lebte am Hofe des Jarls Erich, wurde aber von diesem entlassen, weil er auf Olafs Tryggveson Seite war; er wurde 1001 auf einer Fahrt von Island nach Schweden von einer Segelstange erschlagen. Von ihm sind mehrere Gedichte vorhanden, wie Grisvisur, Olafsdrapa etc.
  • Hiarne - Skalde und, weil er die beste Grabschrift auf König Frotho I. gemacht hatte, König von Dänemark im 4. Jh. Vom Thron vertrieben, flüchtete er auf die, nach ihm genannte Insel Hiarnöe; später trat er in die Dienste des Königs Frithleif und erkannt, kämpfte er mit demselben einen Zweikampf, in dem er fiel.
  • Vetrlidi - Altnordischer Skalde, sang nach der Einführung des Christentums die Taten Thors und wurde deshalb 998 von dem christlichen Priester Thaugbrand erschlagen.

Quellen

Einzelnachweise

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