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Spielmannsmusik

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Der Ausdruck Spielmann und das Pfeiferrecht lässt sich bis ins 8. Jh. des Frühmittelalters zurückverfolgen. Spielleute und Musikanten traten zu bestimmten Gelegenheiten zur Unterhaltung auf. Historisch geht der Begriff Spielmann bereits auf die Zeit des Römischen Reiches zurück (ludarii). Als (vogel-)freies Fahrendes Volk zogen sie von Stadt zu Stadt, spielten mit der Spielmannsgeige zum Tanze auf, traten aber auch als Erzähler – selbst begleitet von der Spielmannsgeige – auf.

Beschreibung

Als Erzähler sangen die Spielleute zum einen Liebeslieder („Minnegesang“) oder Heldengesänge („Epen“), zum anderen aber auch Nachrichten, welche sie auf der Wanderung aufschnappten und in Reimform verarbeiteten. Sich zu Gruppen verbündende Spielleute sind die Vorläufer späterer fahrender Musik- und Gauklertruppen, welche wiederum Vorläufer von wandernden, später sesshaften Theatergruppen wurden. [1]

Aufzeichnungen aus dem 13. Jh. ist zu entnehmen, dass Flöte und Trommel gemeinsam gespielt wurden (ein „Spyl“). Horn-, Flöten- und Trompetensignale sind schon frühzeitig aus dem Militärwesen bekannt. Aufmärsche, Gefechts- und Alarmübungen wurden im Gleichschritt vorgenommen, unterstützt durch das Spielen von Flöten und anderen Blasinstrumenten sowie den Trommelschlag. [2]

Geschichte

Die Spielmannskultur entstand im Hochmittelalter gegen Ende des 11. Jhs. Die ältesten Bezeichnungen der Spielleute sind joglar und jogleor. Sie unterhielten ein zahlungskräftiges Publikum durch möglichst spektakuläre Kunststücke. Unter diesen Spielleuten befanden sich spätestens seit Anfang des 13. Jahrhunderts auch Instrumentalspieler. Der Minnesänger Guiraut de Calancon zählte in dieser Zeit bereits neun Instrumente (etwa Fidel, Harfe, und Drehleier) auf, die von jongleurs gespielt würden. Etliche schriftliche Quellen bezeugen, dass sich unter den jongleurs und spilleuten im Verlauf des 13. Jahrhunderts auch fahrende Instrumentalmusiker befanden.

Instrumentarium

Um den Ansprüchen bei verschiedensten Anlässen gerecht zu werden, sollte ein Spielmann möglichst viele Instrumente beherrschen. Zu den bevorzugten Instrumenten gehörten Schlaginstrumente, diverse Flöten und Blasinstrumente, sowie gezupfte und gestrichene Instrumente. Die unterschiedlichen Benennungen und Bauformen einzelner Instrumententypen waren mannigfaltig. Generell war der Klang im Allgemeinen relativ hoch (zwischen Sopran und Tenorlage) und hell.

Erst gegen Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Bassregion verstärkt und somit die Tonlage tiefer. Das Instrumentarium wurde in privilegierte (das Ansehen des Instruments und die gesellschaftliche Stellung des Spielers betreffende) und gewöhnliche, sowie laute und leise Gruppen eingeteilt. Manche Instrumente stammten, in teilweise modifizierter Form, aus dem antiken bzw. nordeuropäischen Raum. Andere wurden speziell im Rahmen der Kreuzzüge aus dem arabischen Raum bzw. Zentralasien importiert.

Heute

Heute wird als Spielmannsmusik meist die Musik der Mittelalterszene bezeichnet, die sich ca seit den 1980er Jahren auf den Mittelaltermärkten entwickelt hat. Diese erscheint zwar für den Laien meist mittelalterlich, hat jedoch mit der wirklichen Musik des Mittelalters nicht allzuviel gemein. Vorreiter dieser Musikrichtung war vor allem die Gruppe Corvus Corax.

Ein prägendes Instrument für diese Musikrichtung ist die Marktsackpfeife, eine Form des Dudelsacks, die erst in den 1980ern erfunden wurde, sich anfangs jedoch äußerlich an mittelalterlichen Vorbildern orientierte. In der Bauweise ähnelt sie der schottischen Highland Bagpipe.

Weitere prägende Instrumente sind Harfe, Nyckelharpa, Drehleier, Fiddle und Davul.

Neben akustischen Spielmannsgruppen gibt es auch solche, die die Mittelaltermusik mit modernen Einflüssen mischen. Die Hauptströmung hiervon ist der Mittelalter-Rock, der mittelalterliche Musik, vor allem mit Marktsackpfeifen, mit Rock und Metal kombiniert. Bekannte Bands dieser Richtung sind In Extremo, Schandmaul oder Saltatio Mortis. Es gibt auch Bands wie Tanzwut oder Heimataerde, die elektronische Elemente aus EBM oder Industrial mit Mittelaltermusik kombinieren.

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Quellen

  1. Ernst Schubert: Fahrendes Volk im Mittelalter. Bielefeld 1995.
  2. Wikipedia: Spielmannszug

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