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Das altnordische Ständewesen in Skandinavien beruhte auf dem Gegensatz von Freien und Unfreien.

Beschreibung

Unfreie

Unfreie in Skandinavien sind bis ins 14. Jhd nachgewiesen. In Schweden wurde die Unfreiheit 1335 aufgehoben, in Dänemark verschwandt sie im 13. Jhd., etwas früher in Norwegen und Island. Die Rechtssätze zumal der altwestnordischen Rechte waren zu dieser Zeit allerdings längst überholt... Weiterlesen.

Freigelassene

Die Freilassung von Unfreien vollzog sich in verschiedenen, zum Teil auf vorchristliche Rechtsbräuche zurückgehenden Formen. Meist wurde eine doppelte Art unterschieden, zu minderem und zu vollem Recht des Freien. Die erstere geschah durch private Erklärung (Island) oder kirchlichen Akt (Norwegen). Die letztere bedurfte größeren Zeremoniells (in Island Aufnahme in den Rechtsverband leiða i log durch die Volksgemeinde; in Norwegen die Abhaltung eines "Freilassungsbieres"; in Schweden Aufnahme in eine Sippe (aetleþing) oder öffentliche Verkündung des Freikaufs auf dem Thing, letztere ähnlich in Dänemark).

Die Freilassung zu minderem Recht gewährte nur eine geringere Mannheiligkeit, und der Freigelassene (frjalsgafi) blieb in einem ziemlich strengen Abhängigkeitsverhältnis (altnorwegisch. þyrmsl) zum Patron. Der Freigelassene zu vollem Recht (leysingi) wurde Vollfreier, wenngleich gewisse Reste des Patronats in einzelnen Rechten andauerten und erst spätere Generationen als vollwertig frei angesehen wurden. Einige Rechte begünstigten auch die Freilassung eigener Kinder (des þyborinn sonr).

Hier und da wurde einem Unfreien per Gesetz die Freiheit zur Belohnung für Tapferkeit gegenüber Landesfeinden gewährt. So wurden in Norwegen jährlich auf der Landesversammlung eine Anzahl Unfreier auf Staatskosten freigelassen, eine Bestimmung, die durch kirchlichen Einfluß an die Stelle des alten Opfers trat. Im Gotlandslag führte man die zeitliche Begrenzung der Unfreiheit auf das alte Testament führt. Der Verkauf eines christlichen Sklaven in das "heidnische" Ausland führte - als Strafe für den Herrn - zur Freiheit des Verkauften. [1]

Freie

Das Wort "Freier" (frjals, fraelsmathr, bondi, karl, thegn) bezeichnet den freien Untertan, den Rechtsgenossen schlechthin, der einerseits dem Unfreien (thegn ok thraell) anderseits dem König (konung ok karl) gegenübergestellt wird. In den meisten Rechten wird eine Abstufung der Freien in Wergeld und Buße abgelehnt. Nur einzelne altnorwegische Rechte unterscheiden den höldr, d. h. das Mitglied eines Stammgutsbauerngeschlechts (odalsmadr) vom gewöhnlichen freien Bauern (arborinn, aettborinn, frjalsborinn) in Wergeld und Buße.

Allerdings bleibt unklar, wie weit diese grundsätzliche Unterscheidung in der Zeit zurückreicht, wenngleich überall im Norden der bäuerliche Eigentümer, zumal die Besitzer eines Stammguts (odal) gesellschaftlich und in einzelnen öffentlichrechtlichen Beziehungen höher bewertet wurden, als Pachtbauern (landbo, leiglendingr) und gar Tagelöhner und Dienstboten. Daher ist es wahrscheinlicher, dass diese Unterscheidung innerhalb der Bauernschaft sich im Laufe der Zeit vertiefte, zumal seit der Zunahme von Freilassungen, die Bauernaristokratie der Stammgutsbesitzer mit dem späteren Amtsadel verschmolz. Auffällig ist, dass das gemeine Landrecht von König Magnus lagabaetir (1238-1280) für den Begriff des höldr strengere Leitsätze aufstellte, als die Landschaftsrechte es taten. Das Recht des höldr hatten in Norwegen die städtischen Bürger und Isländer. [2]

Adel

Geburtsadel

Ob ursprünglich im ganzen Norden ein Geburtsadel bestand, muss als Frage offen bleiben. Island bleibt dabei außen vor, da es Standesunterschiede bewußt ablehnte und die Goden ohne Grundbesitz mit einem altnorwegischen Volksadel in Verbindung gebracht werden. Für Dänemark und Schweden kann man einen Geburtsadel nicht sicher feststellen, obgleich auch hier Spuren auf einen solchen Volksadel hinweisen. Nur in Norwegen weist die Geschichte auf einen ursprünglichen Volksadel hin. Legt man die Schilderung der Rigsthula (Ballade von Rig) zugrunde, die den Ursprung der Stände erklärt, so wäre der "Jarl" im ganzen Norden DER Adlige schlechthin gewesen und stellte einen besonderen Stand gegenüber Karl und Thraell dar. Allerdings entstand das Lied der Rigsthula keinesfalls vor dem 10. Jhd. und beschrieb wohl nur westnordische Verhältnisse.

Lendirmenn und Jarle

Nach den altnorwegischen Geschichtsquellen wurden die alten Hersen und Volklandskönige seit Harald harfagri (ca. 852-933) Gefolgsleute des Großkönigs, dessen Jarle und Landherren (lendirmenn.) Die altnorwegischen Rechtsquellen wissen von Hersen nichts, kennen aber die Lendirmenn, die vom König mit Lehngut (veizla) ausgestattet wurden, und nennen einen Jarl.

  • Die Lendirmenn stellen in der altnorwegischen Geschichte den häufig aufbegehrenden Landadel dar, der die Idee der Selbstverwaltung vertrat. So ist anzunehmen, dass sie in der Tat Abkömmlinge eines alten Volksadels waren, der gezwungen dem Großkönig dienstbar wurde.
  • Der Name Jarl wurde dagegen von den sämtlichen späteren geschichtlichen und Rechtsquellen Norwegens, übrigens auch Dänemarks und Schwedens nur noch zur Bezeichnung fürstlicher Persönlichkeiten verwendet, die mit großen Teilen des Reiches als Amtslehen belehnt wurden und von denen es selten mehr als Einen im Land gab.

Danach könnten Lendirmenn und Jarl ursprünglich zum Volksadel gehört haben. In der Zeit der schriftlichen Rechtsquellen gehörten sie allerdings bereits zum Amtsadel.

Amtsadel

Dagegen tritt (von Island abgesehen) der Amtsadel überall im Norden auf. Dieser Stand war zwar rechtlich nicht vererbbar, allerdings wurde daran festgehalten, den Nachkommen der angesehenen Geschlechter die Würden und Lehen zu hinterlassen. In Norwegen zeichneten sich Lendrmadr und Jarl, übrigens auch Bischof und Stallari des Königs durch eine höhere Buße gegenüber dem Freien aus, während der Sohn des Lendrmadr so lange auf die Buße des höldr beschränkt blieb, bis er selbst Land zu Lehen vom König erhielt.

Schwedische Landschaftsrechte kennzeichneten die höhere Stellung von Jarl, Bischof und sonstigen Großen gegenüber dem böndi dadurch, dass sie ihren Gutsverwalter (bryti) gegenüber dem des böndi höher schätzen. Für den neuen Amtsadel war die Zugehörigkeit zur königlichen hird charakteristisch und er erwarb seit dem 13. und 14. Jhd. die Privilegien des mitteleuropäischen Adels (s. Gefolgschaft und Lehnswesen). [3]

Verwandte Themen

Siehe auch: Ständewesen in Skandinavien  •  Armaðr  •  Jarl  •  Unfreie in Skandinavien
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Quellen

Einzelnachweise

  1. Die Freigelassenen nach altnorwegischem Rechte (Sitzungsbericht) (Google Books). Konrad Maurer, 1878.
  2. Die norwegischen höldar (Google Books). Konrad von Maurer. Druck von F. Straub, 1889. Vorlesungen I, 1. Auflage, S. 121. Vorlesungen IV, S. 196 ff.
  3. Die isländische Regierungsgewalt in der freistaatlichen Zeit. (Google eBook). Friedrich Boden (i.e. Carl Emil Friedrich.). M. & H. Marcus, 1905.

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