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Die St. Laurence's Church in Bradford-on-Avon (Wiltshire) ist ein Bauzeugnis aus der Zweiten Periode (8.-10. Jh.) der Angelsächsischen Kirchenbaukunst. Diese kleine Kirche wurde um 700 von Aldhelm von Sherborne gegründet und ist eines der ganz wenigen Gebäude, bei denen die angelsächsische Struktur aus der Erbauungszeit so gut wie unverändert erhalten ist. [1]

Beschreibung

Die kleine angelsächsische Kirche zu Bradford-on-Avon in Wiltshire ist eines der wichtigsten Baudenkmäler für die Angelsächsische Seitenkapelle. Die Kirche ist Forschern zugleich eine lehrreiche Warnung davor, über die Entstehungszeit eines angelsächsischen Bauwerkes auf Grund seiner allgemeinen äußeren Erscheinung zu urteilen, ohne ihre Einzelheiten vom vergleichenden Standpunkt aus kritisch zu untersuchen.

Der englische Geschichtsschreiber Wilhelm von Malmesbury (um 1080-1143) erwähnte in der "Gesta pontificum Anglorum" beim Leben des westsächsischen Bischofs Aldhelm von Sherborne (um 639-710), eines Zeitgenossen Wilfrieds, dass er ein Kloster zu Bradford erbaut habe, und fügt hinzu: „Bis heute existiert an jenem Orte eine kleine Kirche, die er zu Ehren des höchst heiligen St. Laurentius erbaut haben soll". [2]

Anlage

Um das Jahr 1860 entdeckte der damalige Pfarrer von Bradford in der Nähe der Gemeindekirche der Stadt Spuren großer Altertümlichkeit in Teilen eines verworrenen Komplexes von Bauwerken aus verschiedenen Perioden. Aus diesen wurde schließlich das hochinteressante kleine sächsische Gebäude herausgeschält, das in seinem restaurierten Zustand in Abb. 24 dargestellt wird. Der Plan in Abb. 25, zeigt, dass es aus einem Mittelschiff und einem quadratförmig endenden Chor besteht, von denen das erstere durch seitliche Vorhallen flankiert wird.

Mauertechnik

Die Mauern, die eine mittlere Stärke von 74 cm haben, sind aus großen Steinen aus dem vortrefflichen lokalen Material erbaut, etwa 60 cm hoch und breit und 30 cm dick. Sie sind gut behauen und geschickt gefügt, obwohl sie nicht genau quadratförmig sind. Zudem läuft eine große Anzahl der Fugen nicht senkrecht oder wagerecht, sondern schräg. Die Mauern erheben sich von einer ebenen viereckigen Plinthe aus, die in der Zeichnung (Abb. 25) an der Südostecke sichtbar ist.

Obgleich in der Mauer die Steine gewöhnlich an Größe in der unregelmäßigsten Weise variieren, so laufen doch die Lagen des Mauerwerks, worin die Kapitäle und Basen der kleinen Pilaster eingehauen sind, genau in derselben Höhe rings um das Bauwerk herum, und das Gemäuer ist auch in anderen Beziehungen so eingerichtet, dass es sich dem Plan der Dekoration anpaßt.

Pilaster und Arkaden

Die Ecken zeigen keine spezielle Behandlung, abgesehen von der allgemeinen äußeren Ausschmückung, die eine der Eigentümlichkeiten des Bauwerkes ist. Sie besteht in einer Reihe von Pilastern in dem unteren Geschoß der Fassade und einer Arkade oben, welche beide durch den Vorsprung eines horizontalen Gurtgesimses (engl. string-course) getrennt werden. Die kurzen Pilaster der oberen Arkaden haben trapezoidische Basen und schlichte, trapezoidische Kapitäle. An der östlichen Vorderseite des Chors sind sie mit Verstäbung (dicht nebeneinander liegenden Rundstäben) verziert.

Dekoration

Der Dekorationsplan scheint durch Hauen in die Außenseite der fertiggestellten Mauer bis zu einer flachen Tiefe ausgeführt worden zu sein, wobei die Verbindung der Steine in manchen Teilen der Arbeit gänzlich vernachlässigt wurde, so dass man auf den ersten Blick mehr den Eindruck einer eingegrabenen Verzierung, als den eines architektonischen Ornaments erhält, das enger mit der Konstruktion verbunden sein sollte. Dekorative Arkadenbildungen dieser Art scheinenim Stil romanisch zu sein.

Einige Forscher glaubten, das Bauwerk stamme aus dem 7. Jh., der Zeit Aldhelm von Sherbornes, und stellten die Vermutung auf, dass die Ornamentik in einer späteren Periode hinzugefügt worden sei. Eine sorgfältige Untersuchung der Dekoration in Beziehung auf die Lagen des Mauerwerks zeigt jedoch, dass sie geplant gewesen sein muß, als die Steine des Mauerwerks gelegt wurden, und dass sie notwendigerweise gleichzeitig mit dem Bau ausgeführt wurde.

Zeitliche Einordnung

Die Arkadenbildung der Kirche kann mit einer Dekoration derselben Art in dem Inneren der spätangelsächsischen St. Andrew's Church, Great Dunham in Norfolk (10.-11. Jh.), in Parallele gestellt werden. Dieses Zeugnis eines verhältnismäßig späten Datums für die Kirche von Bradford-on-Avon wird durch andere Merkmale des Gebäudes bestätigt. Es ist augenscheinlich, dass es sich bei den gefundenen Bauzeugnissen um einen Umbau der ursprünglichen Seitenkapelle Aldhelms handelt, der vielleicht im späteren Teil des 10. Jhds. erfolgte. So altertümlich die heutige Kapelle auf den ersten Blick erscheint, so datiert diese doch in die dritte Periode der Angelsächsische Kirchenbaukunst (10.-11. Jh.).

Wenn man in die kleine Kapelle eintritt, fällt einem die verhältnismäßig große Höhe des Inneren und die Schmalheit des Türeinganges auf, beides sächsische Kennzeichen. Das Mittelschiff misst in der Länge 7,50 m, bei einer Breite von 4,10 m. Ab er die Höhe bis zum oberen Teil der Mauern beträgt beinahe 8 m, so dass das Innere so hoch ist, wie lang, und doppelt so hoch, wie breit. Der dem Plan bei gefügte Durchschnitt (Abb. 25) zeigt diese Eigentümlichkeit.

Der Chor ist 4 m lang bei einer Breite von 3 m. Man betritt ihn vom Mittelschiff aus durch einen nur 1,06 m breiten Bogengang, den schmälsten Chorbögen in irgendeinem Bauwerk dieses Stils. Auch das äußere Portal in der nördlichen Vorhalle ist merkwürdig schmal. Es hat schräge Gewände und misst in der Breite 63 cm oben und 71 cm auf dem Bauspiegel. Die Bogengänge sind verziert mit Streifenwerk, das für angelsächsische Kirchenbauten aus dem (10.-11. Jh.) typisch ist; und die Fenster, von denen das im Chor ursprünglich ist, sind doppelt ausgeschrägt.

Angelsächsische Seitenkapelle

Das Hauptinteresse dieses interessanten kleinen Gebäudes besteht jedoch in seinen Seitenvorhallen. Eine davon wurde zerstört; wenn wir sie aber auf dem Plan wieder einsetzen, finden wir, dass die beiden Vorhallen zusammen gemessen einen inneren Raum ergeben, der fast zwei Drittel der Grundfläche des Mittelschiffes einnimt.

Zudem waren sie etwas mehr als bloße Vorhallen; denn die Lage der äußern Türeingänge scheint zu zeigen, dass an den östlichen Mauern Altäre standen, so dass sie sowohl Seitenkapellen waren, als Eingangsvorhallen. Solche Seitenkapellen kennt man auch aus der St. Pancraskirche, Canterbury und anderswo, und sie spielen eine wichtige Rolle in der Überleitung zu den Kreuzschiffen und dem kreuzförmigen Plan. In Bradford nehmen die Anbauten eine zentrale Stellung in der Länge des Mittelschiffes ein, nicht die normale Stellung für Kreuzschiffe, und sie öffnen sich nur gegen das Mittelschiff durch schmale Türeingänge.

Galerie

Quellen

Einzelnachweise

  1. Wikipedia: St Laurence (Bradford-on-Avon)
  2. Gesta pontificum Anglorum, Rolls Series, Nr. 52, S. 346 in Lancaster University, Medieval Primary Sources

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