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Crystal keditbookmarks Dieser Artikel wurde am 24. Juli 2013 als Spotlight vorgestellt.

Stühle im heutigen Sinne hatten die Germanen ursprünglich nicht, so wie sie auch erst spät zum festen Mobiliar in der Wohnstube des Mittelalters zählten.

Etymologie

Der gemeingermanische Name "Stuhl" bedeutet eigentlich Gestell (vgl. anord. borðstóll = 'Gestell der Tischplatte'), ebenso ein Gestell mit einer Platte, aber ohne Lehne (vgl. anord. stóll = 'Tisch zum Aufsetzen von Speise- und Trinkgerät', engl. stool = 'Stuhl ohne Lehne'). Gemeingermanisch ist auch die Bedeutung 'Hochsitz, Thron'.

Arten

Dreifuß

Ein niedriger Stuhl einfachster Art war der altnordische knakkr, eigentlich ein Baumstumpf mit drei als Füße dienenden zugestutzten Zweigen; dem entspricht die ahd. stelza ('tripedia').

Faltstuhl

Faltstuhl Möbel 01 Fig. 4. MgKL 14006a

Faltstühle bzw. Klapphocker sind Sitzmöbel mit oder ohne Lehne, dessen Fußgestell zusammengeklappt werden kann. Sie waren bereits bei Griechen und Römern im Gebrauch. Ein sägebockartiges Gestell eines Stuhls mit einem Sitz aus Leder wurde in einem dänischen Grab aus der Bronzezeit gefunden. Die Bauart weist auf den römischen Faltstuhl hin, der allerdings erst viel später in allgemeinen Gebrauch kam (ags. fealdestól, fieldstól, ahd. valtistuol). Im Hochmittelalter standen Faltstühle als Amts- beziehungsweise Herrschaftszeichen auch für Bischöfe und weltliche Herrscher in Verwendung.

Das Gestell war meist aus Holz, seltener aus Metall; das Holz wurde mit Schnitzereien, Tierköpfen und Tierfüßen verziert, vergoldet und mit Elfenbein eingelegt. Der Sitz bestand aus Stoff, Leder u. dgl. oder aus Latten, die sich beim Zusammenklappen des Stuhles ebenfalls zusammenlegten. Weil er leicht transportiert werden kann, wurde der Faltstuhl in Kriegslagern, auf Reisen, Spaziergängen oder auch bei künstlerischen und wissenschaftlichen Arbeiten im Freien benutzt, weshalb er auch Feldstuhl genannt wird. Im mittelalterlichen Latein hieß der Faltstuhl "Faldistolium" (s.u.), woraus "Fauteuil" (s.u.) entstand. [1]

  • Faldistolium (von mlat. Faldistorium): tragbarer Stuhl des Bischofs bei kirchlichen Handlungen, wenn er nicht auf der Kathedra sitzt. [2]
  • Fauteuil (von mlat. Faldistolium): Armsessel, Lehnstuhl; Präsidentenstuhl; besonders einer von den 40 Sitzen in der französischen Akademie (während man mit dem 41. Fauteuil den Platz derer bezeichnet, die trotz ihrer Verdienste keine Aufnahme gefunden haben).
  • Sella curūlis - Römischer Amtssessel (Anfangs Thron der Könige), ein zusammenlegbarer Klappstuhl ohne Lehne, mit ausgeschweiften, gekreuzten Füßen und einem Riemengeflecht als Sitzstück. Er war mit Leder überzogen mit Elfenbein eingelegt. [3]

Kistenstuhl

Kubbestol 272281

Kubbestol (zwischen 1000 und 1200)

Erhaltene altnordische Möbel des 12. und 13. Jhds. zeigen einen kastenartigen Unterteil, Tierornamente an der Rückenlehne bei fehlenden Armstützen. Solche Stühle und Bänke (alt. dän. kistebank, neunorweg. kistestol) fanden sich sowohl in der Wohnstube wie in der Kirche und dienten zur Aufbewahrung von Kissen, Teppichen und allerlei kleinerem Gerät; daher der altnordische Name reiðu-, reiðistóll. Eine Saga erwähnt einen mit losen Drachenköpfen geschmückten Stuhl dieser Art.

Kubbestol

Vom nordischen "Kubbestol", dem aus einem Baumstamm gemachten Lehnstuhl, ist ein mit der Ornamentik der Wikingerzeit verziertes Exemplar erhalten.

Lehnstuhl

Lehnstühle aus Holz, später auch Metall und anderen Stoffen waren schon im Altertum in Gebrauch. Der Sitz war in den ältesten Zeiten mit Tierfellen, später mit dicken Stoffen überspannt. Lehnstühle ohne Armstützen werden in den altnordischen Sagas bisweilen erwähnt, so einer, auf dessen Rückenlehne (brúða, vgl. neunorweg. brugdestol) das Bildnis Thors geschnitzt war.

Als Hochsitze und Thronstühle waren sie Adligen, hohen Würdenträgern oder als Ehrensitz für das Familienhaupt bestimmt. Die übrigen Familienmitglieder saßen auf Schemeln, Bänken, Truhen oder Klappstühlen.

Schemel

Einfache Schemel bzw. Hocker ohne Lehne, mit drei oder vier Beinen, waren bereits in der Antike bekannt und im Mittelalter neben der Sitzbank das verbreitetste Sitzmöbel. Am Ende des 11. Jh. findet man Schemel mit Rückenlehnen im täglichen Gebrauch, doch immer nur noch bei vornehmen Personen. [4]

Stuhlkissen u. -Teppiche

Stuhlkissen und Stuhlteppiche sind besonders aus Deutschland bekannt (ahd. stuollachan, phuli, polstri). [5]

Galerie

Quellen

Einzelnachweise

  1. MgKvL, Band 6. Leipzig 1906, S. 305.
  2. MgKvL, Band 6. Leipzig 1906, S. 288.
  3. Pierer's Universal-Lexikon, Band 4. Altenburg 1858, S. 595.
  4. MgKvL, Band 19. Leipzig 1909, S. 144-145.
  5. Die textile Innendekoration des frühmittelalterlichen deutschen Hauses... Gustav Stephani. 1898. S. 31.

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