FANDOM


Die Svanhildsage gehört zu den ältesten literarischen Stoffen, die die gotische Kernsage von König Ermanarich erzählten Sie ist vor allem die Dichtung von seinem Tod (vgl. die spätere Dichtung Ermenrichs Tod von 1535/1545).

Beschreibung

In der Svanhildsage, sowie der altdeutschen Harlungensage entwickelte sich Ermanarich zum Sippenbrecher. Aus der Harlungensage brachte er ebenso den bösen Rat von König Gibeche (Sibich) mit in den Sagenkreis um Dietrich von Bern und wurde so auch dort zum Urheber der Untat (siehe Dietrichs Exil). Die Svanhildsage drang wahrscheinlich von den Ostgoten Italiens aus nordwärts zu Baiern, Alemannen und weiter zu Angelsachsen und nach Skandinavien.

Inhalt

Der Sage nach entehrte Ermanarich die Gemahlin seines Marschalls Sibich (in späteren Sagen König Gibich), Odilia. Daraufhin überredete ihn dieser aus Rache, seinen älteren Sohn Friedrich in das Land der Wilzen zu entsenden, wo dieser umkam. Seinen zweiten Sohn Reginbald entsandte Ermanarich auf Sibich's Rat auf einem schlechten Schiff nach England, um Schatzung einzufordern. Auf der Fahrt ertrank derselbe jedoch. Seinen dritten Sohn Samson verdächtigte Ermanarich durch Sibichs Einflüsterung der Unzucht mit seiner Tochter und ließ ihn ebenfalls töten.

Außerdem bewog Odilia den König, die Söhne seines Bruders Harlung, die Harlungen, henken zu lassen und einen anderen Neffen, den berühmten Helden Dietrich von Bern, zur Flucht ins Hunnenland zu zwingen. Mit Hilfe Etzels schlug Dietrich jedoch den König samt Sibich in der Rabenschlacht und wurde sein Nachfolger. Nach der alten Übersicht des Sagenkreises im Heldenbuch wurde Ermanarich von seinem erbittertsten Gegner, dem getreuen Eckart, erschlagen.

Svanhild als Ermanarichs Gattin

Die Hauptabweichung von Jordanes' Ermanarichserzählung ist diese: Svanhild ist Ermanarichs Gattin. Sie wird hingerichtet, weil sie mit ihrem Stiefsohne Randver gebuhlt haben soll; ihn läßt Ermanarich henken. Damit wurde jener halbpolitische Zug der ursprünglichen Sage ins heroische umgegossen. Aus dem aufsteigenden Teil der Sage wurde etwas ganz Neues, während das Gipfelmotiv, Ermanarichs Fall durch die Schwesterrächer, unverändert blieb (im Gegensatz zur Verwandlung der Burgundensage). Die große Neuerung kann man so erklären, dass zwei andere Ermanarich-Sagen einwirkten: aus der 'Friedrichsage' nahm man, dass Ermanarich den eigenen Sohn tötet; aus der Harlungensage kam das Buhlmotiv und die Hängung. Da die beiden Sagen in Nordeuropa fehlen, wäre zu schließen, dass jene Umformung der Svanhildsage in Deutschland geschah; dafür spricht auch der Galgen in "Ermenrichs Tod" aus 16. Jhd. (Str. 8.).

Motiv des Sohnes

Indessen wird die Sohnestötung als eigene Sage durch die Thidrekssaga (c. 276 ff.), Dietrichs Flucht (2457 ff.) nicht sicher erwiesen. Einen geringeren Aufwand stellte Jiriczeks Annahme dar: der Sohn wurde für die Svanhildsage erst erfunden. Als man den naheliegenden Schritt tat und Svanhild zu Ermanarichs Frau machte, begründete man ihre grausige Strafe durch das Wandermotiv von der Liebe zwischen Stiefmutter und Stiefsohn. Die Harlungensage hätten dann nur den Tod am Galgen hergegeben. [1] Der Ermanarich-Sohn Friedrich (siehe Thidrekssaga, Dietrichs Flucht, Quedlinburger Annalen) ist schon im Freotheric des Widsith (124) zu erkennen. Will man ihm nicht eine ganz andere Rolle zuschreiben, so wäre jene Umbildung der Svanhildsage für die deutsche Dichtung vor 700 bezeugt. Als diese Sage später zerfiel, blieb Friedrichs Tötung als einzelner Pfeiler stehen: sie erschien nun nicht mehr als Strafe, sondern als verblendete Tat des Vaters. So schon Quedlinburger Annalen sagen dazu: post mortem Friderici, unici filii sui, sua perpetratam voluntate.

Tochter Gudruns

Die westnordische Dichtung machte Svanhild und ihre Brüder zu Kindern der Gudrun und hängte dadurch die Gotensage um Ermanarich als Schlußstück an die Nibelungen-Tetralogie. Die Burgundensage verlor dabei den Tod ihrer Heldin, die Svanhild-Dichtung bereicherte sich um die Gestalt der schmerzensherben Mutter. Schon Bragi nennt die Brüder Giúkis Nachkommen. Dass bereits die deutschen Quellen Kriemhild in die Svanhildsage gezogen hätten, stößt allerdings auf Schwierigkeit.

Historischer Hintergrund

In der Sage läßt Ermanarich 'Sunilda', deren Gatte von ihm abfiel, von Pferden zerreißen; ihre Brüder Sarus und Ammius bringen ihm eine tödliche Wunde bei. Der Verlauf dieser Geschichte verhältnismäßig politisch, indem der Abfall eines Vassallen (aus dem Hofgefolge) die Fehde erregt. Dahinter dürfte ein Stück Wirklichkeit stehen. 'Sunilda' ist entlehnt aus Svan-: althochdeutsch Suanailta kann nur Swana- sein.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Die deutsche Heldensage. Otto Luitpold Jiriczek. G. J. Göschen, 1900. S. 29 ff.

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki