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Crystal keditbookmarks Dieser Artikel wurde am 19. November 2014 als Spotlight vorgestellt.

Der Tag wurde im Mittelalter zunächst nach antiker Weise so eingeteilt, dass auf den Lichttag und die Nacht je 12 Stunden kamen, die in den verschiedenen Jahreszeiten von verschiedener Länge waren (lat. horae inaequales oder temporales).

Beschreibung

Da die Römer die Nacht auch in 4 Nachtwachen (lat. vigiliae oder Stationes noctis) einteilten, die je drei solcher Stunden umfaßten, gewöhnte man sich daran, auch den Lichttag in vier gleiche Teile einzuteilen, und nach diesen Abschnitten regelte man die kirchlichen officio oder horae canonicae ('kanonischen Stunden'), zu deutsch Tageszeiten.

  • Die 1. vigilia (Nachtwache) hieß caput vigiliarum ('Hauptnachtwache') oder conticinium ('stille Zeit vor und nach Mitternacht').
  • Die 2. Nachtwache hieß vigilia media (Zeit der mittleren Nachtwache) oder intempestum ('tiefe Nacht').
  • Die 3. Nachtwache hieß gallicinium oder gallicantus ('Zeit des ersten Hahnenschreis').
  • Die 4. Nachtwache hieß matutina oder antelucanum ('Morgen, Tagesanbruch').

Die Abschnitte des Tages nannte man nach den Stunden, mit denen sie schlossen, hora tertia (mhd. terzen zit), sexta (mhd. sechsten zit), nona (mhd. nónen zit) und duodecima oder vespera (mhd. vesper zit, 'Abend'). Schon im 6. Jhd. wurde jedoch zwischen matutina ('Morgen') und tertia ein neues Officium, die prima (mhd. prim zit) eingeschoben und an das Ende des Lichttages ein besonderes completorium (mhd. complete zit, 'Nachtsang') gelegt, wodurch sich Morgen und Abend zurückverschoben.

Nachher wurden die nächtlichen Gottesdienste zu einem einzigen zusammengezogen, der im letzten Viertel der Nacht abgehalten wurde und den Namen Matutina ('Mette' oder 'Frühmette') führt. Seit dem 13. Jhd. schob man dann die Nona auf den Mittag vor, wodurch die Sexta als Zeitbezeichnung wegfiel, und verlegte die Vesper ('Abend') auf die Mitte des Nachmittags. Daraus erklärt sich u. a. das englische noon für 'Mittag'.

Glockenläuten

Bishopstone sundial

Sonnenuhr zur Anzeige der Gottensdienstzeiten (St. Andrews church, Bishopstone, Sussex)

Die Gottesdienste wurden durch Glockenläuten verkündet, und bei der außerordentlichen Seltenheit der Uhren im früheren Mittelalter richteten sich auch die Laien mit ihren Geschäften danach. Das "Ave Maria-Läuten" kurz nach Sonnenuntergang (in Deutschland Beteglocke, Glockenzeit, lange Glocke, auch Feuer-, Bier- oder Weinglocke genannt) ist polizeilichen Ursprungs und wurde in Deutschland erst im Anfang des 14. Jhds. eingeführt.

Gleichlange Stunden

Unsere heutigen gleichlangen Stunden (lat. horae aequinoctiales) wurden erst mit der Einführung der Schlaguhren im bürgerlichen Leben gebräuchlich. Die erste Schlaguhr in Deutschland erhielt 1363 Freiburg im Breisgau. Man unterscheidet dabei ganze und halbe Uhren.

Bei der "ganzen Uhr" wird der bürgerliche Tag in 24 Stunden eingeteilt, die fortlaufend, also von 1 bis 24, gezählt werden. Den Anfang bildet meist der Sonnenuntergang, weswegen in den verschiedenen Jahreszeiten der Anfang des Tages verschieden ist, und die Uhren dementsprechend verstellt werden müssen. Diese (italienische oder böhmische) Uhr findet sich in Deutschland in Kärnten, Steiermark, Böhmen, Mähren und Schlesien. Sie ist hier um die Wende des 16. und 17. Jhds. gewichen.

Die "halbe Uhr" ist das heute in Europa durchgedrungene System der Stundenzählung, wobei die Stunden von Mitternacht bis Mittag von 1 bis 12 und dann wieder von Mittag bis Mitternacht gleichfalls von 1 bis 12 gezählt werden. Manche deutschen Städte, wie Basel und Nürnberg, hatten zudem ein ganz eigenes System der Stundenzählung.

Ungleiche Stunden

Die ungleichen Stunden wurden im Mittelalter von den Mathematikern und Chronologen in vier Puncta = 40 Momenta = 480 Unciae = 21 600 Atomi geteilt. Im bürgerlichen Leben begnügte man sich mit der Einteilung in halbe und viertel Stunden. Unsere heutige Einteilung der Stunde in 60 Minuten und 360 Sekunden, die bis in die babylonische Zeit zurückreicht, ist erst seit der Renaissance in allgemeinen Gebrauch gekommen.

Nordeuropa

Im Nordeuropa bestand eine andere Einteilung des Tages. Man zerlegte nämlich den bürgerlichen Tag nach dem Stand der Sonne in den acht Gegenden der altnordischen Windrose in Achtel, die mit besonderem Namen benannt wurden und von denen jedes 3 unserer Stunden umfaßte. Später wurden die Achtel halbiert, so dass eine Sechzehnteilung des Tages entstand, je nach dem Stand der Sonne in und zwischen den acht Himmelsorten. Es ergibt sich ohne weiteres, dass danach Mittag und Mitternacht und weiter nach unserer Stundenzählung 6 Uhr morgens und 6 Uhr abends die Grundteilung abgeben, weil die Sonne um diese Zeiten in den vier Hauptorten steht.

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Quellen

Einzelnachweise

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