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Wie die Musik, so ist auch der Tanz eine uralte Volksbelustigung, über die man freilich vor dem Mittelalter kaum etwas Genaueres erfährt. Man kennt aus dieser Zeit im wesentlichen zwei Arten von Tänzen, danciae et springaciones, die es zu unterscheiden gilt: den "getretenen" und den "gesprungenen" Tanz.

Beschreibung

Der "getretene" Tanz ist der langsamere und vornehmere; seine musikalische Form heißt mhd. liet. Der "gesprungene" Tanz ist der raschere, populäre "Reien" (im Schwäbischen wird das Wort noch für wilde Lustigkeit und dgl. gebraucht), dessen Musikform mhd. leich heißt. Zu beiden überlieferten Tanzarten kann auch gesungen werden, wie Kinder es noch heute tun.

Etymologie

  • Leich: got. laiks - 'Tanz', ahd. leich - meist 'Melodie, Ton', aengl. lác - meist 'Darbringung, Opfer, Geschenk', anord. leikr - 'Spiel, Leibesübung' ('Kampf' nur in Zusammensetzungen wie sverða l., Freys l.).

Diesen sehr verschiedenen Bedeutungen der mit 'Tanz' verknüpften Ausdrücke in der altgermanischen Dichtung liegt 'schnelle Bewegung' zugrunde (s. got. laikan - 'hüpfen', aengl. lacán, anord. leika auch 'hin und her fahren, wabern, schwimmen' u.ä.). Wendet man das auf Tanz und Umzug samt dem zugehörigen Gesang an, dann läßt sich das ahd. leich auf die musikalische Zugabe eingrenzen, und das aengl. lác verschiebt sich zu 'Aufzug > Opferzug (oder -tanz); > Opfergabe', womit die musikalische Sphäre wieder verlassen wird.

Die nordische Bedeutung dagegen knüpft sich direkt an den Grundsinn an und war nicht durch musikalische Begriffe geprägt. Der technische Sinn, den die altgermanische Literaturgeschichte dem Wort beilegt, 'Tanz + Melodie + Vers' (die Verbindung der drei musischen Funktionen), liegt also in keiner unserer heutigen Mundarten vor, läßt sich aber als Durchgangsstufe erschließen für die südgermanische, zumindest aber die westgermanische Gruppe.

Der in mittelhochdeutscher Zeit (ca. 1050-1350 im Hochmittelalter) entwickelte technische Sinn 'Gesang ohne feste Strophengliederung', im Gegensatz zu 'Lied', darf wohl nicht an 'Tanz (> Tanzweise)', sondern muß an die ahd. Bedeutung angeknüpft und als Spezialisierung derselben gefaßt werden. Die appell. Komposita mit -leich sind wieder nur westgermanisch. [1]

Schwertertanz

Eine besondere Form ist der Schwertertanz. Er wird schon bei Tacitus (Germ. 24) als Hauptbelustigung genannt: junge Männer tanzen inmitten von Schwertern und Spießen und zwar nudi, d. h. in der den Oberkörper bloß lassenden Kriegsgewandung, nur zum Vergnügen, nicht zum Lohn. [2] Die Ritter-Epen, die sonst mancherlei Formen geselliger Leibesübung nennen, erwähnen diesen Tanz nicht. Er hat sich aber als ländliche Volksbelustigung bis in die neueste Zeit da und dort erhalten und ebenso Melodien und gesungene Texte dazu.

Quellen

Einzelnachweise

  1. Der deutsche Minneleich (Amazon). Otto Gottschalk. Halle, Hohmannsche Buchdruckerei; Auflage: 1. Aufl. (1908). ASIN: B002PEFMAC.
  2. Tacitus, De origine et situ Germanorum (Germania). Übersetzung "Die Germania des Tacitus". Anton Baumstark: Freiburg 1876. Digitalisat auf Wikisource.

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