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Tiere dienten im europäischen Mittelalter vor allem als Fleischlieferanten, Arbeits- und Nutztiere. Ihnen wurden jedoch seit jeher auch mythische Bedeutungen zugeschrieben, die sich in den Sagen und Legenden der Griechen, Römer, Kelten, Germanen und vieler anderer Völker wiederspiegeln. Im Christentum galten einige Tiere aufgrund der ihnen nachgesagten Fähigkeiten auch als Heiligenattribute.

Bedeutungen

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Jagdszene aus dem Kodex Medicina Antiqua (1250).

Tierhaltung und Jagd brachten die Völker des Mittelalters in engen Kontakt mit Tieren. Dabei war Jagdwild z.B. bei den Kelten ein durchaus gleichwertiger Gegner, der den Kampf auch gewinnen konnte. Auch Nutz- und Haustiere wurden verehrt. Die Menschen bewunderten die Stärke und Geschicklichkeit, die Treue und Wachsamkeit ihrer Lebensgenossen. Unter diesen Aspekten werden manche Tiere mit Gottheiten oder anderweltlichen Lebewesen gleichgesetzt. Ebenso erschienen in den Mythologien viele Göttinnen und Göttern den Menschen in Tiergestalt.

Handelswesen

Im Handelswesen spielten Tiere oder deren Felle bei Kaufgeschäften als Geld bzw. Preis für Handelswaren eine Rolle. Dieses Viehgeld (z.B. Kuhgeld) oder auch Fellgeld ist in Deutschland seit der Niederschrift der Lex Ribuaria (7. Jh.) verbürgt und vereinzelt bis ins 10. Jh. verfolgbar [1].

Mythische Bedeutung im Volksglauben

Ganz besonders deutlich zeigte sich der Volksglauben im Tierreich. So gab es glückbringende Tiere, die das Haus und den Herd vor Ungemach und besonders vor Blitzschlag schirmten. Da z.B. die Schwalbe und andere Zugvögel mit der schönen Jahreszeit kamen, hielt man diese Vögel für glückbringend und hütete sie sorgfältig. Eine besondere Rolle spielt das Tier im sog. "Angang" (Form der Weissagung). Begegnen beim Beginn eines Unternehmens ein Fuchs oder Wolf oder Schaf, so bedeutet dies Glück, dagegen sagen Hase, Katze, Schwein unglücklichen Ausgang an. Einige Tiere, wie das Pferd, die Schwalbe, der Storch, die Biene, galten geradezu als heilig und durften nicht verletzt oder gar getötet werden.

Der Glaube, daß die menschlichen Seelen nach dem Tode in Tiergestalt sich zeigen, daß gewisse Menschen auf Zeiten ihre Seele aus dem Körper senden und dann Tiergestalt annehmen können, war allgemein verbreitet. Als Hunde und Wölfe, als Raben und andere Sturmvögel zogen die Toten durch die Lüfte, als Werwölfe, Bilwisse, Schwäne trieben Zauberer und Zauberinnen ihr Wesen (vgl. Seelenglauben).

So fest war der Glaube an die Verquickung der Menschen- und Tierseele, daß während des gesamten Mittelalters hindurch Tieren, die Schaden angerichtet hatten, in aller Form der Prozeß gemacht wurde [2]. Daher verkehrte auch der Mensch mit den Tieren wie mit seinesgleichen, sprach mit ihnen — manche besaßen die Gabe, auch die Sprache der Tiere zu verstehen. Man gab ihnen wie seinen Mitmenschen Namen, fragte sie oder achtete auf ihre Stimme, wenn es galt, eine Frage an das Schicksal zu richten. Die Innigkeit dieses Glaubens zeigt sich besonders in dem Verhältnis zwischen den Haustieren und den Hausgenossen: war der Herr des Hauses gestorben, so mußte der Erbe jenen, besonders den Kühen, Pferden und Bienen, feierlichst den Tod des alten Herrn verkünden und die Tiere bitten, dem neuen Genossenschaftsverbande treu zu bleiben, wie sie es dem alten gewesen waren.

Tiere in Namen

Die Tiere finden sich u.a. bei den Kelten im Namen wieder, die häufig aus Tiernamen zusammengesetzten waren. So z.B. Oscar („der Hirschliebende“) oder Oisin („kleiner Hirsch“) und Cuchulainn („der Hund des Chulan“). [3] [4]

Wappentiere

Viele Tiere zierten in der Heraldik die Wappen der Adelshäuser, so waren z.B. Adler, Bären, Löwen, Leoparden und diverse Fabeltiere beliebte Wappentiere.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Nordgermanisches Obligationenrecht. Karl Von Amira. 1882; n 1895. Band I, S. 541 ff., 677 ff.
  2. Karl von Amira, Abteilung für Mittelalter des österreichischen Instituts für Geschichtsforschung. Band 4, Seite 545 ff.
  3. Bernhard Maier: Lexikon der keltischen Religion und Kultur. S. 167 f.
  4. Helmut Birkhan: Kelten. Versuch einer Gesamtdarstellung ihrer Kultur. S. 702.

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