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Die Tischsitten waren im Mittelalter recht roh, doch gehörte neben einer oft großen Prunkentfaltung an den Tafeln der reicheren Leute, schon in fränkischer Zeit auch der Blumenschmuck dazu. Im Beowulf-Epos wird z.B. beschrieben, wie die Gäste nach dem Zechen im selben Saal einschlafen, so wurden tatsächlich noch in der Ritterzeit ihre Betten in großer Zahl im Saal selbst gemacht. In derselben Zeit aß man auch noch nicht mit Messer und Gabel aus Tellern, sondern mit den Händen, etwa von einem flachen Brot weg, weshalb auch nach dem Essen stets Wasser gereicht wurde

Beschreibung

Bei Tacitus findet sich die Aussage, daß bei den Germanen: " Jeder seinen getrennten Sitz und eigenen Tisch hatte." (Germ. 22) [1] Man kann das vielleicht als Reminiszenz aus der Odyssee ansehen oder aber als Verallgemeinerung besonderer Fälle. So saß der fränkische König allein an einem Tisch, etwa mit einem bevorzugten conviva regis. Man kann aber für jene Angabe anführen, daß unser "Tisch" lat. discus - die 'Scheibe' ist.

In den deutschen und skandinavischen Schilderungen saßen die Gäste bei geselligen Gelagen stets zusammen an großen Tischen von rechteckiger Form - der runde Tisch des Königs Artus wird ausdrücklich als table ronde unterschieden. Der Hausherr saß an einem ausgezeichneten Platz in der Mitte der Tafel (anord. ǫndvegí), besonders geehrte Gäste neben ihm. In Skandinavien speisen Männer und Frauen zusammen; dabei kommt es mitunter auch vor, daß die Paare ausgelost werden. Die Frauen gingen fort, wenn das Trinkgelage begann, bei dem die Hausfrau (wie auch bei den Sachsen) das Trinkhorn herumreichte.

In Deutschland speisen die Geschlechter in verschiedenen Lokalen, nur etwa die Frau des Hauses mit den Männern; so noch Nibelungenlied (1610 ff.) wo nach dem Essen die Damen wieder in den Saal geführt werden. Aus Frankreich kam dann das Tafeln in bunter Reihe.

Trinkkomment

Eine Art Trinkkomment ist ebenso schon von den Germanen bezeugt: Zutrinken, Herumgeben des Gefäßes, Trinkenlassen aus dem eigenen, auch Trinkwettkämpfe kommen vor. Dagegen ist der Salamander, den Joseph Victor von Scheffel (1826-1886) die Alemannen in seinem historischen Roman "Ekkehard" [2] reiben läßt, seine freie Erfindung. In heidnischer Zeit wurde der Götter oder auch geschiedener Freunde Minne, d. h. Gedächtnis, getrunken, in christlicher die von Heiligen, besonders Johannes Ev., Stephan, Gertrud.

Musikalische Untermalung

Ein Essen oder Trinkgelage durch andere als die Tafelgenüsse selbst zu würzen, ist uns, abgesehen von Gesang und Tafelmusik, fremd geworden. Die alte Zeit liebt es, genußfähig und unblasiert wie es noch das Mittelalter ist, in verschiedenen Formen. Dieselben kommen aber auch für sich vor. Die Musik, die sich häufig von selbst bei gemeinsamer Tätigkeit einstellt, steht in erster Linie. So ertönte in der Halle Hróðgárs (Beowulf, 80 f.) jeden Abend der Klang der Harfe und der klare Gesang des Sängers (scop).

Ebenso waren gemeinsame Gesänge üblich; sie sind schon zur Römerzeit der Germanen üblich beim Anmarsch zum Gefecht wie in der Nacht davor (Tac. Germ. 3; Hist. 2, 22. 4, 18). Bei sind sie diesem Anlaß bis ins Mittelalter bekannt (Ludwigslied 46 f. Roman de Rou 13149); ebenso sind Lieder sakralen und anderen Inhalts auch bei anderen Anlässen gesungen worden. Der Einzelsänger solcher Lieder ist ein Mann freien Standes, wie bei Homer geachtet, wenn auch Bedeutung und Kunst sich anderswo nicht so weit entwickelt hat, wie bei den skandinavischen Skalden, weil auf dem Kontinent das Christentum früher dazwischen trat und nicht nur den sakralen Inhalt beseitigte, sondern auch durch seinen Kirchengesang dem weltlichen Muster und Lehrer gab.

Im Frankenreich kamen durch den Einfluß des römischen Galliens die bezahlten, unfreien histriones und joculatores, zu deutsch Spielleute, Gaukler, Fahrende usw. auf, die immer mehr die verschiedensten Formen der Belustigung des Publikums übernahmen und ausbildeten, und zwar gaben sie ihre Vorstellungen nicht selten auch zur Unterhaltung der Gäste während der Tafel. In geistlichen Kollegien wurde statt der Musik und der Schaustücke während des Essens vorgelesen; einzelne weltliche Herrscher, wie Karl der Große, ahmten das nach.

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Quellen

Einzelnachweise

  1. Tacitus, De origine et situ Germanorum (Germania). Übersetzung "Die Germania des Tacitus". Anton Baumstark: Freiburg 1876. Digitalisat auf Wikisource.
  2. Ekkehard (Deutsches Textarchiv). Joseph Victor von Scheffel. Frankfurt, 1857.

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