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Die Vandalen, Wandalen bzw. Vandili (auch Vandali, Vandilier und Vanduli) waren ein ostgermanischer Volksstamm aus Jütland oder Mittelschweden, die zur Zeit des Tacitus im nordöstlichen Magna Germania siedelten und während der Völkerwanderungszeit im 5. Jh. nach Spanien und Nordafrika auswanderten.

Allgemeines

Die Vandalen wurden vom römischen Feldherrn Flavius Aetius (390-454) mit der Befestigung der nordafrikanischen Provinzen beauftragt. Sie eroberten 429 das Gebiet des heutigen Marokko bis Libyen und die westlichen Mittelmeerinseln. Ab 435 betrachten sie es als germanisches Königreich (bis 534). [1]

Beschreibung

Bei Plinius (Naturalis Historia 4,99) bilden die Vandili eine der fünf Hauptabteilungen der Germanen, die teils aus Burgunden und Goten bestehen. Aus der Erwähnung bei Plinius ist aber nicht zu schließen, dass Burgunder oder Goten sich selbst jemals zu den Vandalen rechneten. Bei den Goten geht das schon aus von Jordanes überlieferten gotischen Stammsage hervor, wonach die aus Scandza einwandernden Goten die Vandalen auf dem Festland bereits vorfanden und schon bald einen Kampf mit ihnen auszufechten hatten.

Wenn daneben der Name der Vandalen aus römischer Sicht alle Ostgermanen bezeichnete, erklärt sich dies vom Standpunkte Außenstehender und am ehesten der Römer selbst, die den Namen des ihnen am nächsten wohnenden ostgermanischen Volksstammes auf die ihr stehenden Stämme ausdehnten. Dieser Vorgang, der zahlreiche Gegenstücke hat, wäre allerdings kaum verständlich, wenn der Name nicht damals bei den Ostgermanen selbst schon eine Abteilung von größerer Bedeutung bezeichnet hätte.

Auch die Vandilii, die Tacitus (Germ. 2) mit den Suebi, Marsi und Gambrivii zusammen als Völker anführt, deren Namen auf Sprossen des germanischen Gottes Tuisto zurückgehen sollen, sind nur als eine größere Völkerschaft denkbar, wahrscheinlich aber eine Stammgruppe, da sonst der Name im Völkerschaftlichen Teil der Germania bei der Aufzählung der einzelnen Stämme nicht fehlen dürfte.

Herkunftsgebiet

Platz findet sich aber für die Vandalen nur innerhalb des Gebietes, auf dem - unter anderem Sammelnamen - die Lugier auftauchen. Das wird um so deutlicher, wenn man die Angaben in Betracht zieht, die auf ihre geographische Stellung schließen lassen. Auf ältere Sitze im südöstlichen Teil des ostgermanischen Tieflandes weist schon das Vordringen der Vandalen über die Nordgrenze der Provinz Dacien in der 2. Hälfte des 2. Jhs. n. Chr. Damit stimmt es, dass der Name des vandalischen Stammes der Silingi in slawisierter Form im Namen Silesia - Schlesien fortlebt. Die Vandalen grenzten also an die Markomannen in Böhmen. Anderseits setzt sie die gotische Stammsage als Nachbarn der Goten voraus, und zwar offenbar im Inneren des Landes, da sie an der Meeresküste die Ulmerugi seßhaft nannte.

Auffallend ist das Auftreten der Vandalen in der Stammsage der Langobarden, die noch als Vinnili mit ihnen jenen Kampf bestanden haben sollen, in dem sie sich den Namen Langobarden erwarben. Wenn dieser Sage geschichtliche Ereignisse zugrunde liegen, ist aus ihr auf ältere Sitze der Vandalen in der Nähe der Langobarden zu schließen. Danach erscheint es auch nicht mehr abwegig, sie mit den Wendle (oder Wendlas) des Beowulf und Widsith in Beziehung zu bringen, die ihrerseits als Bewohner der Landschaft gelten, die im Altisländischen Vendill, Vandill heißt.

Saxo Grammaticus diesen Volksstamm Wandala bzw. Wendila, jetzt Vendsyssel, d. h. die Bewohner der Gegend nördlich vom Limfjord bis zum Kap Skagen in Dänemark, dem alten Vendilskagi. Allerdings würde man nicht mehr so gut die gesamten lugisch-vandilischen Stämme aus dem Vendsyssel, der nördlichsten Landschaft Jütlands, herleiten können. Doch kann der Name einer kleineren Abteilung infolge ihres politischen oder sonstigen Übergewichtes, vielleicht weil das den Mittelpunkt einer Kultgenossenschaft bildende Heiligtum in ihrem Gebiet lag, frühzeitig auf alle Mitglieder des Verbandes übertragen worden sein.

Namensherkunft

Damit wäre zugleich auch eine Erklärung des Namens der Vandalen gegeben, der danach von einem Landschaftsnamen ausgehen würde. Dieser selbst gehört wohl mit aisl. vandill, vendill - 'ramulus' zusammen. Der Volksname ließe noch verschiedene Erklärungen zu, und es ist nicht ausgeschlossen, dass er schon in alter Zeit in vielfacher Weise umgedeutet wurde. So könnte an eine Bedeutungsentwicklung von 'Rute, Stab' zu junger Mann gedacht werden, und das norw. vaandel (= aisl. vǫndull) bezeichnet außer einem 'Bündel Heu' auch einen 'kleinen dicken Kerl' und könnte auch im Ostgermanischen eine Entsprechung gehabt haben.

Der germanistische Mediävist Karl Müllenhoff (1818-1884) fand im Volksnamen der Vandalen den Begriff der Beweglichkeit und einen Gegensatz zu den Sueben, die er als 'Schlafmützen' deutete [2]. In der Überlieferung überwiegt die Form Vandali bzw. Wandali; daneben kommt Vandili und Vanduli vor.

Die Vandilii bei Tacitus lassen sich etymologisch mit dessen Anglii (Angeln) Vergleichen. Die einheimische Überlieferung kennt den Volksnamen nur als Element von Personennamen wie ahd. Wentitgér, Wentilbraht u. a. m. Der in der Snorra Edda neben Vinnill (vgl. die Vinnili) bezeugte Vandili ist ein zum Volk der Vandalen erfundener 'Heros Eponymos', eine mythische Gestalt, von deren Namen der Name des Stammes hergeleitet wurde (vgl. auch Vandilsvé). [3]

Zugehörige Stämme

Unmittelbar als Vandalen bezeugt sind nur zwei Stämme, die Silingi (Silingen) und Hasdingi (Hasdingen), wahrscheinlich dasselbe wie die Naharvali (Nahanarvaler) und Victovali (Victovaler), wovon erstere bei Tacitus ein Teilvolk der Lugier sind, die anderen vielleicht auch mit den Harii (Harier) des Tacitus (Charini des Plinius) identisch.

Besteht aber die Gleichsetzung der Lugier und Vandalen zu Recht, wofür auch die Gleichheit der Silingi und Naharvali ins Gewicht fällt, falls sie selbst zu rechtfertigen ist, so müssen Forscher sämtliche lugische Völkerschaften gleichzeitig auch als vandalische ansehen, also außer den schon genannten die Manimi (Manimer), Helysii (Helisier), sowie Helvecones (Helvekonen) und auch die vermutlich mit einem dieser Stämme identischen Lacringi (Lakringen) und die Buri (Buren).

Wenn letztere bei Cassius Dio (72, p. 1204) neben Vandalen genannt werden, kann das allerdings dahin gedeutet werden, dass dieser Name an einigen Stämmen der lugischen Völkergruppe besonders haftet. Gerade die Buren rechnet Tacitus auch nicht zu den Lugiern.

Der lugisch-vandilische Bereich erstreckt sich möglicherweise sogar über die obere Weichsel hinüber. Die Αυαρινοi (Auarinoi) des Ptolemaeus, östlich der Weichselquelle, sind identisch mit den Uarinne, die Plinius als Abteilung seiner Vandili nennt, wobei sich allerdings nicht entscheiden läßt, ob sie auch zu den Vandalen im engeren Sinn gehören. Südlich von ihnen stehen die Ομβρωνες (Ombrones - Ambronen), nördlich die Φρουγουνδἰωνες (Phrugundiones - 'Frugundionen'), ebenfalls germanisch benannte Stämme, bei denen man schwanken kann, ob man es mit Lugiern (Vandalen), Bastarnen oder Skiren zu tun hat. Was die Ambronen betrifft, kann für vandilische Zugehörigkeit geltend gemacht werden, dass einer der Vandalenkönige in der langobardischen Namensage Ambri heißt.

Die Annahme, dass das Heiligtum im Lande der Nahanarvaler, von dem Tacitus (Germ. 43) spricht, der Mittelpunkt einer lugisch-vandilischen Amphiktyonie gewesen sei, läßt sich zwar aus dessen Worten nicht unmittelbar begründen, hat aber wegen des Gegenstückes der Sueben und der Nerthus-Völker mit ihren Kultstätten viel für sich.

Geschichtliche Ereignisse

In geschichtlichen Ereignissen tritt zuerst der Name Lugier hervor. Vielleicht hat mit solchen schon der römische Konsul Marcus Vinicius im Jahre 14 v.d.Z. in Mähren zu kämpfen gehabt. Dann begegnen die Lugier unter den Verbündeten des markomannischen Herrschers Marbod (lat. Maroboduus; um 30 v.d.Z. - 37 n.d.Z.) und im Jahre 50 n.d.Z. unter den Gegnern des Quadenkönigs Vannius.

Auch zur Zeit des römischen Kaisers Titus Flavius Domitianus (51-96) liegen sie mit Sueben in Streit und werden dabei von den Römern unterstützt. Mehr zu tun hatten diese mit ihnen seit dem Markomannenkrieg. Von da an treten die Namen einzelner Stämme hervor, und auch der Name "Vandalen" selbst führt sich nun in die Geschichte ein, während von Lugiern nicht mehr die Rede ist, abgesehen von den Lupiones d.h. Lugiones der Tabula Peutingeriana und den Λογíωνες (Logiones), offenbar nur einer einzelnen lugischen Völkerschaft, mit denen nach Zosimus (1, 67) der römische Kaiser Probus zu kämpfen hatte.

Völkerwanderung

Seit der Zeit des Markomannenkrieges (166-180/182) beginnen sich die Vandalen von Nordwesten her über die Karpaten und nach Dacien hinein vorzuschieben. Streitigkeiten mit den von Osten her gleichfalls dort eingedrungenen Westgoten endeten Anfang des 4. Jhds. mit einer entscheidenden Niederlage der Vandalen und dem Tod ihres Königs Wisumar(h). Doch sind es nur wenige Streiflichter, die bei Erwähnung dieser Ereignisse auf die Geschichte des Volkes fallen, und vor allem bleibt es unaufgeklärt, warum um 400, als nach längerer Pause die Vandalen wieder von sich hören lassen und nur mehr zwei Stämme von ihnen vorhanden sind.

Diese beiden, die Hasdingen und Silingen, treten in den ersten Jahren des 5. Jhds. im Verein mit Alanen und Sueben die Wanderung nach dem Westen an, die sie über Gallien zunächst nach Spanien führte, wo auch noch die Silingen (im Jahre 418) durch die Westgoten unter Wallia aufgerieben wurden. Die weitere Geschichte der Vandalen bis zum Untergang ihres von Geiserik in Afrika begründeten Reiches im Jahre 533 n.d.Z. ist eine Geschichte der Hasdingen.

Über Vandalen, die in älteren Sitzen zurückgeblieben waren, berichten die Mitteilungen des Prokop (B. Vand. I 22). Zu Geiserich nach Afrika kam nach dieser Quelle von solchen eine Gesandtschaft, um die ausgewanderten Stammesbrüder zu bewegen, auf ihr Eigentumsrecht an den ihnen gehörigen Ländereien zu deren Gunsten zu verzichten, ein Ansinnen, auf das aber nicht eingegangen wurde. In Dacien, wo so viele Stämme einander den Boden streitig machten, ist dieses brachliegende Land kaum zu suchen; viel eher in der alten ostgermanischen Heimat des Stammes, und zwar kann dabei nur an die Hasdingen gedacht werden. Vgl. auch den noch in altnordischen Überlieferung erhaltenen Namen Dúnheiðr (s. Dunoi).

Quellen

Einzelnachweise

  1. Geschichtsbaum Deutschland. National Geographic Deutschland. Britta Orgovanyi-Hanstein. Candor-Verlag, 2006. ISBN 3200005572, ISBN 9783200005570.
  2. Deutsche Altertumskunde (Internet Archive). Karl Müllenhoff. Berlin 1870-1908. Bd. IV, 128)
  3. Wörterbuch der altgermanischen Personen und Völkernamen (Internet Archive). Moritz Schönfeld. Heidelberg, C. Winter, 1911.

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