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Disambig Dieser Artikel beschreibt die Verteidigung im Rechtswesen (z.B. vor Gericht). Für die militärische Verteidigung im Heerwesen oder Befestigungswesen, siehe diese Artikel.

Im ältesten Recht des Mittelalters war die Verteidigung vor Gericht für den Angeklagten in hohem Grade beschränkt. Wurde er vom Kläger durch das rechtsförmliche Tangano (Klagevorwurf) zur Stellungnahme (ahd. antsegida, ags. andsæc) gezwungen, so konnte er sich nur damit verteidigen bzw. wehren (ahd. werjan), dass er unter wörtlicher Wiederholung der formellen Anklage diese entweder zugab oder leugnete.

Beschreibung

Negierte der Angeklagte den Vorwurf nicht, so galt das als Geständnis, ebenso galt die Verweigerung der Antwort auf die Klage als Rechtsverweigerung. Da nach dieser Rechtsauffassung dem Beklagten nur ein volles "Ja" oder "Nein", nicht jedoch ein „Aber", oder ein „Ich weiß nicht" gestattet war, so waren Einreden ausgeschlossen.

Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass jede Klage dem Beschuldigten ein unrechtmäßiges Verhalten vorwarf (s. Strafprozeß), so dass der Beklagte, auch wenn er die Anschuldigung zugab, den Vorwurf der Rechtswidrigkeit mit einfacher Leugnung der Klagebehauptung zurückweisen konnte.

Nach fränkischem und langobardischem Recht wurde dem Beklagten zunächst in bestimmten Fällen gestattet, sich dem Aussagezwang des Tangano dadurch zu entziehen, dass er sofort die Erklärung abgab, er sei zu einer rechtsförmlichen Antwort nicht verpflichtet. So konnte er sich z.B. umgehend auf Urkunden, Verjährung, Prozeßunfähigkeit des Klägers oder auf Unkenntnis von z.B. einer seinem Knecht zur Last gelegten Missetat berufen. Das bedeutete eine Milderung des ursprünglichen Rechts und die Anerkennung der Möglichkeit von Einreden.

Erst als das Tangano als Klagevorwurf durch den richterlichen Antwortbefehl ersetzt wurde, konnte der Beklagte in jedem Fall Einspruch erheben, indem er einen Grund anführte, der ihn nach seiner Ansicht zur Verweigerung der Antwort berechtigte. Von den Regeln über die Beweismittel und die Beweisverteilung hing es ab, ob er zum Beweis seiner Gegenbehauptung zugelassen wurde und ob er mit ihm durchdrang. Besonderes galt, wenn er sich auf einen Gewährsmann berief (s. Anefangbeweis, Liegenschaftsprozeß).

Nordeuropa

Die gerichtliche Verteidigung (anord. vǫrn, viðrmæli, andsvǫr) umfaßte inm Nordeuropa jedes Bestreiten des Angeklagten ohne Rücksicht auf die Art des Bestreitens. Unter anord. vǫrn fällt also auch der prozeßhindernde Einspruch, z.B. die Bestreitung der Kompetenz des Gerichts, das einfache Ableugnen des Anspruches (dylia), das Vorbringen einer Tatsache, die das Fundament der Klage negierte (z.B. Einwand bei der Grundstücksklage; sg. Kontravindikation), ähnlich bei Klagen um Fahrhabe oder einer Tatsache, die die Beschuldigung aufhob (z.B. die Bezahlung der Schuld), oder auch das Vorbringen einer römischen exceptio, z.B. eines das klägerische Recht einschränkenden Gegenrechts (Pfandrecht gegen Eigentum).

Mit anord. vǫrn ist jedoch nicht die Ablehnung des Erscheinens vor Gericht, das Zugeständnis (anord. viðrganga) oder eine Gegenklage (anord. gagnsǫk) gemeint. Nach isländischem Recht musste der Beklagte vor dem Vortrag der Verteidigung einen Kalumnieneid schwören.

Die Art der Verteidigung bestimmte den Verlauf des Verfahrens. Prozeßhindernde Einsprüche führten z.B. zum Abbruch des Verfahrens, dem Verbot, an das Gericht, zu urteilen. Bei einfachem Ableugnen griff der Reinigungseid des Beklagten durch, oder auch wenn der Kläger keine Zeugen hatte (s. Beweis). Beim Vorbringen von positiven Gegentatsachen mussten dafür Beweise erbracht werden (vgl. Gerichtsverhandlung). Eigentümlich ist auf Island das Aufrufen eines bjargkviðr oder varnarkviðr gegenüber dem frumkviðr, d. h. der sich verteidigende Beklagte rief die Jury des Klägers oder einen Teil der Anklage-Jury, nachdem sie ihr Verdikt zugunsten des Klägers gefällt hatten, um ein Verdikt über seinen eigenen Einwand an.

Quellen

Einzelnachweise

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