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Vidar, Widar bzw. anord. Viðarr, genannt der Schweigsame, ist in der nordischen Mythologie einer der wenigen Asen, die den Surtursbrand, den Weltuntergang, überleben. Als Sohn Odins und der Riesin Grid (bzw. Grydur) tritt er gerüstet mit Schwert und großem Lederschuh beim Weltuntergang als Rächer seines Vaters auf, indem er den Fenrir besiegt und tötet. Er selbst überlebt, genauso wie Vali. [1]

Beschreibung

Vidar ist in der eddischen Göttersage eine Parallelerscheinung zu Váli; er spielt wie dieser nur als Rächer an Ragnarök eine Rolle. Mit dieser Dichtung ist er entstanden, bestimmt, seinen Vater Odin zu rächen, als dieser im Kampf gegen den Fenriswolf gefallen ist (Völuspa 54).

„Nicht säumt Siegvaters erhabner Sohn
Mit dem Leichenwolf, Widar, zu fechten:
Er stößt dem Hwedrungssohn den Stahl ins Herz
Durch gähnenden Rachen: so rächt er den Vater.“

Ältere Edda: Völuspá, 54 [2]

Die Darstellung der Tat, die sich auch auf dem angelsächsischen Kreuz von Gosforth (Northumbria, 10. Jh.) im Bild findet knüpft an ein weitverbreitetes Sagenmotiv an: Danach reißt der jugendliche Vidar den Rachen des Wolfs auseinander, tritt mit dem Eisenschuh auf seinen Unterkiefer, zieht mit der Hand den Oberkiefer nach oben und stößt ihm dann das Schwert durch den Rachen in den Leib. So wurde Vidar der starke Ase, der nach Thor die meisten Kräfte besitzt. Und wie so oft der Held seine Tat schweigsam vollbringt, so wird auch Vidar 'der Schweigsame' genannt.

Sippe

Dass Vidars Mutter die Riesin Griðr ist, berichtet nur die Snorra-Edda (I, Sk. c. 18.). Dort heißt es in 'Thors Fahrt nach Geirrödsgard': "Unterwegs nahm Thor Herberge bei einem Riesenweibe, das Gridr hieß. Sie war die Mutter Widars, des schweigsamen. Sie sagte dem Thor die Wahrheit von Geirröd, er sei ein hundweiser und übel umgänglicher Jötun. Auch lieh sie ihm ihre eigenen Stärkegürtel und Eisenhandschuhe und ihren Stab, Gridarwölr genannt." (Snorra-Edda: Aus der Skalda - Thors Fahrt nach Geirrödsgard. [3])

Wohnsitz

Mit Váli bewohnt Vidar auch in der verjüngten Welt die Behausung der Götter (Vafthrúdhnismál, 51).

Gosforth Cross Vidar detail

Kreuz von Gosforth: Vidars Kampf mit Fenris (10. Jh.)

„Widar und Wali walten des Heiligtums,
Wenn Surturs Lohe losch.
Modi und Magni sollen Miölnir schwingen
Und zu Ende kämpfen den Krieg.“

Ältere Edda: Vafthrúdhnismál, 51 [4]

Nach der poetischen Aufzählung der Göttersitze im Grimnismál soll er Herr von Viðri (bzw. Landvidi), d. h. dem niedrigen Gestrüpp der Heide, gewesen sein, wo er sein Roß tummelt und sich zur Vaterrache tüchtig macht (Grim. 17).

„Mit Gesträuch begrünt sich und hohem Grase
Widars Land Widi.
Da steigt der Sohn auf den Sattel der Mähre,
Den Vater zu rächen bereit.“

Ältere Edda: Grimnismál, 17 [5]

Dieser Bericht, der den Ragnarökmythus als bekannt voraussetzt, hat keinen religionsgeschichtlichen Wert; der Tummelplatz Vidi (bzw. Landvidi) entstand nur in Anlehnung an Vidar. Auf der verjüngten Welt wandelt Vidar in den Säulenwirbeln zum Firmament aufsteigender Wasserhosen majestätisch über die Meerflut schweigend hin. [6]

Quellen

Einzelnachweise

  1. Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 20. Leipzig 1909, S. 589.
  2. Ältere Edda: Völuspá. Simrock, aaO.
  3. Snorra-Edda: Aus der Skalda. Simrock, aaO.
  4. Ältere Edda: Vafthrúdhnismál. Simrock, aaO.
  5. Ältere Edda: Grimnismál. Simrock, aaO.
  6. Damen Conversations Lexikon, Band 10. [o.O.] 1838, S. 341-342.

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